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Zutritt verboten

Zutritt verboten

Titel: Zutritt verboten
Autoren: K.H. Scheer
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geredet?“
    „Geredet?“ schnappte Hannibal.
    „Klar, warum nicht. Die können denken. Woher kommt ihr, daß ihr dies nicht wißt? Ihr seid zu normal, um hier leben zu können. Ich werde meine Station verlegen müssen. Das Gebiet ist nicht mehr sicher und meine Kehle ist nicht gepanzert. Ich werde ‘rüber zum alten Fort gehen und einen Betonbunker einrichten. Im Winter ist es immer schlimm. Sie kriegen Hunger. Jeder kriegt hier Hunger, und dem südwärts ziehenden Wild können sie nicht folgen. Draußen, da wo es keine Strahlung mehr gibt, stehen die Abschußkommandos, und das wissen sie längst. Sie werden sich wohl wieder gegenseitig auffressen.“
    Ich wanderte vor dem Ofen auf und ab. Es lag in meinem Ermessen, den Aufenthalt in den Urwäldern auszudehnen. Ich konnte aber auch sofort den vereinbarten Funkspruch absetzen.
    „Wir sind noch nicht lange genug hier“, zögerte ich. „Wenn wir uns jetzt schon fassen lassen, besteht die Gefahr, daß wir bei den kommenden Verhören relativ falsche Auskünfte geben.“
    „Quatsch! Ein Angriff wird wie der andere sein.“
    „Nur härter“, kicherte Iwan. „Verdammt härter. Ich sage euch doch, daß die Negativen schnell lernen. Kann auch sein, daß einige Denker auftauchen, und denen seid ihr auch mit den Maschinenwaffen nicht gewachsen. Es gibt Hypnos unter ihnen, die machen euch auf eine Meile fertig.“
    „Da bist du aber im Irrtum“, sagte der Kleine im vollen Bewußtsein seiner geistigen Stärke. Gerade deshalb hatte man ausgerechnet uns in die Wälder geschickt. Das hatte eben etwas mit unseren Gehirnoperationen zu tun.
    Ich zweifelte immer noch. Fünf Nächte erschienen mir durchaus nicht ausreichend, um diese fürchterliche Umwelt einigermaßen kennenzulernen.
    „Die aufziehenden Wolkenbänke strahlen Gamma“, meinte Wolfsohr beiläufig. „Ich spüre es am Kribbeln im Nacken. Viel Gamma wird kommen, noch mehr mit dem ersten Schnee. Spätestens übermorgen fängt es an. Verschwindet, Freunde! Ihr wißt schon genug. Ihr kennt die großen Räuber, und ihr kennt auch einen Angriff.“ Abschließend erklärte er: „Hören Sie zu, Major. Ich werde bei Tagesanbruch abhauen. Hinüber in die Bunker, wo ich bald jeden Winter war. Die Holzhütte ist nur im Sommer gut. Wenn sie Hunger kriegen, verlieren sie jede Furcht vor den Waffen. Das sehen Sie doch ein, oder?“
    Der Kleine stand stumm vor den Schießscharten. Schattenhafte Gestalten huschten über die Lichtung. Gelegentlich drang das Geräusch berstender Knochen durch die Stille.
    „Es reicht“, sagte Hannibal, und da ging ich wortlos zum Funksprechgerät hinüber.
    Die Mikro-Strombank arbeitete tadellos. Das rote Kontrollicht leuchtete auf, und die Optik der Fernbildaufnahme begann ebenfalls zu flimmern.
    Das Mikrofon dicht vor die Lippen haltend, sagte ich leise.
    „HC-9 an Außenposten TS-19. Bitte melden. HC-9 an Außenposten TS-19, melden Sie sich.“
    Nach Augenblicken begann es auf dem kleinen Bildschirm zu zucken. Die Linien verdichteten sich zu einem klaren Bild, und da erkannte ich die Foliemaske von TS-19.
    „Kennzeichen für heute, bitte“, kam es verhalten aus dem Lautsprecher.
    „Es ist nach Null Uhr.“
    Er dachte an alles, dieser immer wachsame Kollege aus dem fernen Hauptquartier. Noch nicht einmal meinem Mutantengesicht traute er.
    „Großer Braunbär“, gab ich die Kodebezeichnung für den heutigen Tag durch.
    „Ich höre, Sir. Tonband läuft. Wollen Sie Direktverbindung mit dem HQ?“
    „Nicht nötig. Vor einer Stunde hatten wir den ersten Mutantenangriff. Gammastrahlung verstärkt sich durch treibende Wolkenbänke. Starke Kälteeinbrüche. Die wilden Horden werden blutgierig. Geben Sie an General Gorsskij durch, daß wir aufgeben. Es ist sinnlos, hier weiter auszuharren.“
    „Verstanden“, nickte er. „Auch meine Meinung, Sir.“
    „Okay, der russische Abwehrchef soll den Kommandierenden Marschall der 8. Armee verständigen. Lassen Sie eine Fängergruppe starten, und geben Sie genaue Anweisungen über unsere Hütte durch. Iwan wird sich in den alten Militärstützpunkt zurückziehen. Ist Marschall Potrinskij über unseren Sondereinsatz informiert worden?“
    Ich sah sein unbewegtes Biogesicht.
    „Nein, Sir, zum Glück nicht. Der Marschall war praktisch schon zum Informationsempfang in Wolkowgrad. Er reagierte aber sehr eigenartig auf Ultraschall.“
    „Was?“ hauchte ich fassungslos. „Was sagen Sie da?“
    „Nur Tatsachen, Sir. Der Chef der 8. Armee ist eine

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