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Zutritt verboten

Zutritt verboten

Titel: Zutritt verboten
Autoren: K.H. Scheer
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kaum zu denken. Das waren die Ungeheuer, die beim Einbruch der Nachtfröste zu heulen begannen. Das waren die fürchterlichen Erben der Atomhölle vom großen Fluß.
    Wehe dem Tier, oder wehe dem Menschen, der ihnen in die Fänge geriet.
    Dazu kam noch die ebenfalls mutierte Tierwelt. Wölfe, Bären und besonders das kleine Raubzeug waren auch nicht verschont geblieben. Was da an Ungeheuern herangereift war, spottete einfach jeder Beschreibung.
    Kein Wunder, daß wir nun schon die fünfte Nacht mit schußbereiten Maschinenkarabinern hinter den festen Holzläden lauerten!
    Das Heulen des Windes wurde lauter. Es ging auf Mitternacht, und Iwan war noch immer nicht zurückgekehrt.
    Bisher war Iwan von den Fängerkommandos der 8. Armee verschont geblieben. Natürlich wußten deren kommandierende Offiziere nicht, daß der positive Mutant Iwan ein Spezialagent des Geheimdienstes war. Dafür hatten aber die Leute aus Wolkowgrad Sorge getragen, daß sein Gebiet von Stoßtrupps verschont geblieben war.
    Das konnte natürlich dazu führen, daß sich ganze Horden negativer Monster hierher zurückzogen. Die sollten dafür eine feine Nase haben.
    Draußen brachen tierische Schreie durch die Nacht. Sie zerschnitten die Dunkelheit wie Messer, und mir lief es kalt über den Rücken. Welches Lebewesen mochte diesmal sein Ende gefunden haben?
    Aus den Augenwinkeln gewahrte ich Hannibals schattenhafte Gestalt. Sie strömte Wärme aus, und so vermochte ich sie nach und nach zu unterscheiden. Welches Teufelsmittel hatten sie uns da eingespritzt? Ich konnte mich nicht erinnern, früher jemals auf infrarote Strahlungen reagiert zu haben. Die Wirkung sollte etwa drei Monate anhalten, hatte man uns gesagt. Dann mußte die Injektion erneuert werden.
    Der Kleine hielt den schweren Maschinenkarabiner in der rechten Armbeuge.„Alles ruhig hier hinten“, flüsterte er durch das Knistern des Holzfeuers. „Der Sumpf friert aber schon zu. Ich kann das Eis erkennen. Wenn sie wollen, können sie uns jetzt auch von dieser Seite angreifen.“
    „Dann paß auf und halte die Ersatztrommeln klar“, wehrte ich kurz ab. Etwas zu kurz! Er fühlte trotzdem meine Unruhe.
    „Für einen positiven Mutanten bist du reichlich unruhig“, lachte er stoßartig. „Wir haben uns so zu benehmen, als wären wir in diesen höllischen Urwäldern aufgewachsen. Es muß für uns alles vertraut sein, okay?“
    Ich dachte an sein haariges Biogesicht. Er sah aus wie ein kleiner Affe, nur hatte er überraschend intelligente Augen. Getreu nach Plan sollte er mein Bruder sein!
    Ich grinste lustlos vor mich hin, als ich mich an die vielen Anweisungen und Spezialbefehle erinnerte. Da hatten wir uns gedacht, wir kämen diesmal ohne nervenzermürbende Besprechungen davon.
    Es war schlimmer gewesen als jemals zuvor, und außerdem hatten sich auch noch die Russen eingeschaltet. Allein die Informationen über das Mutantentum in der Atomhölle vom großen Fluß hatten einige Tage in Anspruch genommen.
    Wir mußten genau wissen, wo die tödliche Zone begann. Nur 20 Kilometer weiter nordöstlich strahlte der Boden noch sehr stark. Suchflugzeuge hatten besonders in den höherliegenden Gebieten Strahlungen bis zu 400 Röntgen festgestellt, aber diese Gegenden gehörten auch noch zu den Randzonen.
    Wir hatten in den fünf Tagen Unserer Anwesenheit weitaus mehr als die erlaubte Menge an Gamma aufgenommen. Der Sicherheitsfaktor der Atomlabors lag immer noch bei 0,3 Röntgen pro Woche. Wir nahmen täglich etwa eine ganze Einheit auf.
    Es war längst festgestellt worden, daß man durch den Genuß von Tierfleisch und wildwachsenden Früchten Beta- und Alphastrahlen in das Körperinnere bekam. So hatten wir uns gehütet, von der Jagdbeute unseres Iwan auch nur ein Gramm zu essen. Mit einem Beta-Detektor hatte ich in einem Zentimeter Entfernung von einem gefundenen Fisch noch zweitausend Durchgänge anstatt der üblichen zwanzig gezählt.
    Demnach mußten die hier hausenden Mutanten durchweg strahlende Beta-Atome einnehmen. Wie die das auf die Dauer vertragen konnten, war mir völlig rätselhaft.
    Wir hatten uns in erster Linie vor der harten Gammaradioaktivität zu schützen. Dabei durften wir nach Befehl nicht eher absorbierende Medikamente spritzen, bis wir wenigstens 20 Röntgeneinheiten aufgenommen hatten. Nun – die Woche war noch nicht um, und bis jetzt hatten wir noch keine 20 Röntgen.
    Weiter östlich waren unbedingt strahlsichere Spezialausrüstungen erforderlich. Wir hatten jedoch

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