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und die verschwundene Seglerin

und die verschwundene Seglerin

Titel: und die verschwundene Seglerin
Autoren: Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer
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zurück. »Ein Kunde. Ein guter Kunde sogar. Bis heute. Aber ich schwöre beim Leben meiner Mutter, dass ich das letzte Mal meinen Fuß auf das Gelände dieser Firma gesetzt habe.«
    Justus sah seinen Onkel mitleidig an. Die Geschäfte mit Schrott und Gebrauchtwaren aller Art bis hin zu wertvollen Antiquitäten gingen zwar keineswegs schlecht. Aber dafür musste sich Titus Jonas tagaus, tagein mit den unterschiedlichsten Leuten abgeben, darunter auch mit so manchem komischen Vogel. Zu dieser Sorte Mensch gehörte augenscheinlich auch Mr Jefferson. Er ging in seiner Aufregung gerade dazu über, seine Haare derart zu zerwühlen, dass von seinem liebevoll gezogenen Mittelscheitel nichts mehr übrig blieb.
    Der Erste Detektiv gestattete sich ein leichtes Grinsen, woraufhin sich Onkel Titus noch mehr entspannte. Justus warf einen raschen Blick zu Mr Jefferson. »Darf man erfahren, worum es geht?«, fragte er wieder ganz sachlich.
    Jefferson hüpfte in die Höhe und machte ein paar schnelle Schritte zum Esstisch, sodass er jetzt Onkel Titus Auge in Auge gegenüberstand. Nur der Tisch trennte die beiden Kontrahenten. Mr Jefferson war noch kleiner, als Justus ohnehin vermutet hatte. Dem eher untersetzten Onkel Titus reichte er nicht einmal bis zu den Schultern. »Ich sagte doch, ich bin kaltblütig hereingelegt worden«, schnarrte Mr Jefferson. Er gab sich große Mühe, seine Stimme drohend klingen zu lassen.
    Â»Und von wem?«
    Einige Sekunden lang herrschte Stille im Esszimmer der Familie Jonas, bei der Justus nun schon seit etlichen Jahren lebte. Mr Jefferson umklammerte die Kante des Tisches, Onkel Titus hielt sich noch immer an der Stuhllehne fest. Das Schweigen dehnte sich aus. Plötzlich öffnete sich die Tür der Kuckucksuhr, ein kleiner Vogel erschien und krächzte dreimal »Kuckuck!«, ehe er wieder in seinem Gehäuse verschwand. Justus musste sich auf die Lippen beißen, um nicht loszuprusten. Die beiden Kontrahenten allerdings waren derart in ihren Streit vertieft, dass sie davon gar nichts mitbekommen hatten.
    Â»Von wem?«, rief Mr Jefferson und wieder stach sein Zeigefinger in die Luft. Dabei kam er der Nase des Hausherrn bedenklich nahe, aber das sollte er wohl auch. »Von wem schon? Von ihm natürlich!«

E in Erbstück bekommt einen Riss
    Justus war empört. Aber Mr Jefferson dachte gar nicht daran, seine ungeheuerliche Behauptung zurückzunehmen. Er stand auf den Zehenspitzen und beugte sich über den Tisch zu Onkel Titus. Dessen Kinnlade war ein Stück heruntergeklappt. Es sah aus, als wollte er etwas sagen, aber außer einem leisen Ächzen brachte er keinen Ton heraus.
    Â»Sie haben keine Ahnung von meinem Onkel, Mister«, sagte Justus laut. »Sonst würden Sie nicht so dummes Zeug reden.« Er lauschte seinen eigenen Worten nach und fand, dass sie gar nicht übel geklungen hatten.
    Ãœberrascht drehte sich der Besucher halb zu Justus um, der immer noch im Türrahmen stand.
    Â»Ich bin Künstler, junger Mann«, sagte Jefferson wieder in diesem unangenehmen schnarrenden Tonfall. »Aber zugleich bin ich ein Mensch, für den ausschließlich Tatsachen zählen. Nackte, klare, kalte Fakten. Ist das klar? Und Tatsache ist, dass ich vor wenigen Wochen von diesem Herrn hier«, sein Zeigefinger schoss zu Onkel Titus hinüber, »ein wertvolles Stück erworben habe. Ein wertvolles Stück, betone ich, für fünftausenddreihundertdreißig Dollar. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ein nettes Sümmchen, nicht wahr, junger Mann?« Mr Jefferson legte eine kleine Kunstpause ein, offenbar um zu sehen, ob Justus sich von der Höhe dieses Betrags beeindrucken ließ.
    Aber der Erste Detektiv zuckte bloß mit den Schultern. Im Geschäft von Titus Jonas waren schon ganz andere Preise verhandelt worden. Justus verengte seine Augen zu schmalen Schlitzen und blähte die Nasenflügel auf. Jefferson sollte verstehen, dass er, Justus, ihn überhaupt nicht sympathisch fand.
    Â»Fünftausendzweihundertdreißig Dollar«, verbesserte Onkel Titus mit matter Stimme und schluckte. Die Enden seines Schnurrbarts bebten.
    Â»Lenken Sie nicht ab!«, bellte Jefferson und Justus registrierte, dass hundert Dollar mehr oder weniger für ihn offenbar keine Rolle spielten. »Tatsache ist ferner, dass mir dieser Preis abverlangt wurde unter Vorlage eines Zertifikats.« Mit schnellem Blick

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