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und die verschwundene Seglerin

und die verschwundene Seglerin

Titel: und die verschwundene Seglerin
Autoren: Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer
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Stimme. »Ich berichte einfach, was geschehen ist, sonst nichts.« Auf den Sessellehnen ballten sich seine Hände zu Fäusten.
    Â»Entschuldigung!«
    Zuerst glaubte Justus, er hätte sich verhört. Verblüfft starrte er Mr Jefferson an.
    Â»Ich hatte mir vorgenommen, Sie nicht zu unterbrechen«, fuhr Mr Jefferson in seiner etwas gespreizten Redeweise fort. Stumm stützte Justus seine Hände auf die Knie. Kenne sich einer bei diesem Burschen aus, dachte er, ich hätte meine fünf Lieblings-T-Shirts darauf verwettet, dass der sich nie im Leben für irgendetwas entschuldigen würde.
    Â»Es ist so, wie ich Ihnen sagte«, nahm Onkel Titus den Faden wieder auf. »Ein paar Tage vorher hat sie mich angerufen und gefragt, ob ich Interesse an einem wertvollen venezianischen Spiegel hätte. Sie habe im Augenblick einfach zu viele alte Stücke, sagte sie. Von einigen wollte sie sich trennen, um Platz zu schaffen für modernere Dinge.«
    Â»Und dann?«, fragte Justus zerstreut. Er war immer noch bass erstaunt über das Benehmen von Mr Jefferson, der mittlerweile wieder dazu übergegangen war, auf der Sofakante mit seinem Oberkörper nach vorn und nach hinten zu wippen.
    Â»Und dann bin ich zu ihr gefahren und habe ihn gekauft. Sie hat mir das Zertifikat in die Hand gedrückt, bevor ich auch nur danach zu fragen brauchte.« Onkel Titus zögerte kurz. »Sie können mir glauben oder auch nicht«, sagte er in die Stille hinein. »Aber für Irma Bannister …« Er räusperte sich. Justus sah, wie die Haut am Kinn seines Onkels grau wurde, wie immer, wenn er gerührt war. »… lege ich meine Hand ins Feuer«, fuhr Onkel Titus fort. »Eher geht die Sonne im Osten unter, als dass Irma Bannister vorsätzlich betrügen würde.« Onkel Titus stand auf. Offenbar hielt er die Unterredung für beendet.
    Mr Jefferson verstärkte sein Wippen noch. »Aber es steht fest, dass ich in der Galerie Winston in Santa Monica meinen wertvollen venezianischen Spiegel für fünftausenddreihundertdreißig Dollar bei den Auktionsstücken ein zweites Mal gesehen habe, diesmal handgefertigt in Dallas, Texas!«, rief er. »Das gibt es doch nicht! Weiß der Himmel, wie Ihre Freundin Irma das angestellt hat, aber irgendwer hat betrogen. Entweder Sie selbst oder jemand anders!« Seine Hände fuhren durch die Haare. »Fest steht, dass ich das Opfer bin! Und das kann so nicht bleiben!«
    Justus zog eine Grimasse. Es ist ihm lieber, dachte er, wenn ein anderer das Opfer ist. Justus’ Blick fiel auf die großen dunklen Schweißflecken unter Mr Jeffersons Achselhöhlen. Einen verarmten Eindruck machte ihr Besucher nicht gerade. Hatte er es wirklich nötig, sich wegen fünftausend Dollar derart aufzuregen? Justus ertappte sich bei dem Gedanken, dass Jefferson doch versuchen könnte, seinen Spiegel samt Zertifikat für zwei- oder dreitausend Dollar wieder loszuwerden. Er musste dem Käufer ja nicht auf die Nase binden, dass es in der Galerie Winston in Santa Monica einen texanischen Zwilling gab. Aber schon im nächsten Augenblick rief sich der Erste Detektiv wieder zur Ordnung. Das wäre nun tatsächlich Betrug gewesen.
    Onkel Titus hob die Schultern und ließ sie wieder fallen. »Ich weiß nicht, wie ich Ihnen helfen könnte«, sagte er.
    Â»Aber ich weiß es«, gab Mr Jefferson ungerührt zurück. »Sie werden nach Santa Monica fahren und sich in der Galerie Winston vom Vorhandensein dieses zweiten Spiegels überzeugen. Dann werden Sie mir meinen Spiegel für fünftausenddreihundertdreißig Dollar wieder abkaufen.« Abrupt beendete Mr Jefferson das Spiel mit seinem Körper. Justus hätte dem ohnehin nicht mehr länger zusehen können, ohne die Nerven zu verlieren. »Sollten Sie sich weigern, erhalten Sie in den nächsten Tagen wieder Besuch.« Jeffersons Stimme bekam erneut diesen schnarrenden Tonfall. »Aber dann nicht von mir, sondern von der Polizei.«
    Er ging an Justus vorbei in den Flur und drehte sich an der Tür noch einmal zu ihnen um. »Meine Freunde wissen«, dabei betonte er jede Silbe, »dass es sich bei mir um eine äußerst humorvolle Persönlichkeit handelt. Indessen hört beim Geschäft, wie man so schön sagt, jegliche Gemütlichkeit auf. Guten Tag.«
    Sie hörten seine Schritte im Flur und das Zuschlagen der Haustür. Kurz

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