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und die verschwundene Seglerin

und die verschwundene Seglerin

Titel: und die verschwundene Seglerin
Autoren: Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer
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darauf brummte draußen auf dem Hof ein Motor. Justus fiel auf, dass er vor lauter Zorn auf Peter das Auto des Besuchers glatt übersehen hatte.
    Onkel Titus schien seine Gedanken erraten zu haben. »Der Kerl fährt einen tollen Schlitten«, sagte er müde. »Als wäre er der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.«
    Auf der Fahrt nach Santa Monica war Onkel Titus in bester Stimmung. Schwungvoll lenkte er seinen alten klapperigen Kleinlaster über die kurvige Küstenstraße. Ab und zu stimmte er sogar ein Liedchen an, musste aber schon nach ein paar Zeilen dazu übergehen, nur noch zu brummen. Texte zu behalten, damit hatte Onkel Titus schon immer erhebliche Schwierigkeiten gehabt.
    Justus sah ihn von der Seite an. Natürlich wusste er, warum Onkel Titus so prächtiger Laune war. Beim Frühstück hatte Tante Mathilda ihre Tasse umgestoßen. Und obwohl Onkel Titus verzweifelt versucht hatte, sie davon abzulenken, hatte sie die kaffeegetränkte Tischdecke sofort abgenommen. Der Riss im Holz war ihren Adleraugen nicht entgangen und sie hatte den Anblick mit einem spitzen Schrei quittiert. Aber ehe sie mit dem Verhör beginnen konnte, hatte Onkel Titus ein umfassendes Geständnis abgelegt. Und dann war etwas wirklich Unglaubliches passiert: Tante Mathilda hatte ihren Mann angesehen und dann kurz und bündig erklärt, so etwas könne schließlich jedem redlichen Menschen passieren, wenn er des Betrugs bezichtigt werde.
    Mr Winstons Galerie erwies sich als äußerst eindrucksvolle Sammlung von modernen Gemälden. Staunend wanderten Justus und sein Onkel durch die hellen Säle. Außer ihnen gab es nur wenige Besucher. An den Wänden hingen dutzende von Werken zeitgenössischer Künstler und verwirrten zum Teil mit ihrer Farbenpracht, zum Teil mit kahlen Flächen, auf denen nur ein paar Linien oder Kleckse verteilt waren. Ein halbes Dutzend der kühnsten und in Justus’ Augen beunruhigendsten Werke stammten aus dem Besitz von Irma Bannister. Justus nahm sich fest vor, mit Bob, der in diesen Fragen der unumstrittene Experte der drei ??? war, demnächst ein gründliches Gespräch über moderne Kunst zu führen. Er selbst konnte sich auf das, was er da sah, kaum einen Reim machen.
    Â»Das ist er«, sagte Onkel Titus und blieb stehen. Er zeigte auf ein großes, dunkel schimmerndes Glas, das ziemlich unscheinbar gleich hinter einer Tür hing. Auf den ersten Blick gefiel Justus der reich verzierte Rahmen. Auf den zweiten Blick fand er die vielen hölzernen Tiere und Bäume ziemlich kitschig. Dass der sonderbare Mr Jefferson so viel Geld für den Doppelgänger ausgegeben hatte, passte irgendwie zu ihm.
    Â»Das ist er«, wiederholte Onkel Titus. Justus sah ihm zu, wie er eine Lupe vors Auge hielt und sich über Spiegel und Rahmen beugte. »Der Kerl hat recht«, schnaufte er schließlich. »Ich kann keinen Unterschied erkennen. Sieht genauso aus wie mein Spiegel aus Venedig. Tolle Arbeit.« Ratlos schüttelte er den Kopf.
    Â»Und woher weiß Mr Jefferson, dass dieses Stück aus Dallas in Texas stammt?«, fragte Justus. »Steht das vielleicht auf der Rückseite?«
    Onkel Titus machte eine abwehrende Handbewegung. »Wenn ich ihn von der Wand abnehme und nachsehe, haben wir im nächsten Augenblick zwei Angestellte von Mr Winston auf dem Hals. Ich nehme an, die Daten stehen in den Unterlagen.«
    Die beiden marschierten zurück und erbaten von der Dame an der Kasse einen Katalog. Auf Seite 89 fanden sie den Spiegel. »Dallas, Texas«, murmelte Onkel Titus. »Angefertigt im Jahre 1882.« Er seufzte. »Nicht zu glauben.«
    Â»Und du wolltest für Irma Bannister die Hand ins Feuer legen«, sagte Justus. Es klang vorwurfsvoller, als es gemeint war.
    Â»Das tue ich immer noch.« Onkel Titus wandte sich an die Dame hinter dem schmalen Tresen und hielt ihr den Katalog unter die Nase. »Gibt es ein Zertifikat für diesen Spiegel?«
    Sie warf einen kurzen Blick hinein. »Aber selbstverständlich.«
    Onkel Titus biss sich auf die Unterlippe und zog Justus in die nächste Ecke. »Ganze achthundertzwanzig Dollar kostet er«, murmelte er. »Jefferson hat recht. Hier ist Betrug im Spiel.«
    Â»Aber doch nicht durch dich«, sprang Justus ihm bei.
    Â»Natürlich nicht«, erwiderte Onkel Titus.
    Mit einer Kopfbewegung forderte Justus seinen Onkel auf, ihm zu

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