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und die verschwundene Seglerin

und die verschwundene Seglerin

Titel: und die verschwundene Seglerin
Autoren: Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer
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einmal erklären …«
    Â»Ich sagte ja schon, da gibt es nichts zu erklären!«, rief der ungebetene Besucher.
    Jetzt platzte Justus der Kragen. »Das gibt es doch!«, brüllte er. Das schien zu wirken. Mr Jefferson machte einen etwas verblüfften Eindruck und schloss den Mund. Einige Augenblicke blieb er regungslos stehen, dann drehte er sich auf dem Absatz um und marschierte zurück zum Sofa. Justus atmete erleichtert auf und warf über die Schulter einen Blick zu Onkel Titus. Der wollte sich keuchend auf die Tischplatte stützen, zog aber noch rechtzeitig seine Hände zurück.
    Justus sah auf die Uhr. Jeden Moment konnte Tante Mathilda vom Nachmittagsplausch mit ihrer besten Freundin nach Hause kommen. Vorsichtshalber legte er die Damastdecke über den Spalt in der Tischplatte und strich sie säuberlich glatt. Er warf einen kritischen Blick auf sein Werk. Es war nichts zu sehen. Wenn Tante Mathilda die Decke abnahm, würde das Unglück natürlich ans Licht kommen. Onkel Titus konnte sich auf eine Standpauke gefasst machen, wie er sie schon lange nicht mehr gehört hatte. Schließlich war der Tisch ein altes Erbstück, das Tante Mathilda mit in die Ehe gebracht hatte. Aber jetzt gab es Wichtigeres.
    Er sah Mr Jefferson so streng an, wie er konnte. »Ich schlage vor, dass Sie sich jetzt anhören, was mein Onkel zu der ganzen Sache zu sagen hat«, verkündete Justus.
    Hinter ihm schnaufte Titus Jonas vernehmlich. Nach kurzem Zögern entschied er sich für den mächtigen Sessel in der Fensterecke, in dem er abends zu lesen und seine Pfeife zu rauchen pflegte. Justus zog einen Stuhl vom Esstisch heran und setzte sich rittlings darauf, sodass er beide Männer gut im Blick hatte. »Ich schlage vor, du erzählst, wie du an den Spiegel und an das Zertifikat gekommen bist«, wandte sich der Erste Detektiv an seinen Onkel. Es wunderte ihn ein wenig, dass zwei erwachsene Männer auf ihn angewiesen waren, um ihre Streitigkeiten beizulegen. Dabei war es doch so einfach, friedlich miteinander auszukommen. Man muss nur wollen, ging es Justus durch den Kopf, und das heißt vor allem, dass man miteinander spricht. Im selben Augenblick fiel ihm wieder seine Debatte mit Peter ein. Er wurde ein wenig rot und sah schnell zu den Männern hinüber, ob sie etwas gemerkt hatten. Aber die beiden waren viel zu sehr mit sich beschäftigt. Wenn sie nicht zu Boden starrten, dann warfen sie einander unfreundliche Blicke zu.
    Â»Es ist ganz einfach«, sagte Onkel Titus kurz. »Ich habe den Spiegel vor einigen Wochen ganz regulär gekauft.«
    Â»Von wem?«
    Titus Jonas runzelte die Stirn. Es gefiel ihm ganz und gar nicht, von seinem Neffen ins Kreuzverhör genommen zu werden.
    Â»Von Irma.«
    Â»Von Irma?« Justus’ Kopf flog herum. »Ach du liebe Güte!«, entfuhr es ihm.
    Â»Könntest du etwas taktvoller sein?«, knurrte Onkel Titus.
    Â»Wer ist diese Irma, wenn ich fragen darf?«, unterbrach Mr Jefferson ungeduldig.
    Onkel Titus seufzte und lehnte sich in seinem Sessel ein wenig zurück. »War«, sagte er, »war. Leider.« Er schickte einen Blick hinauf zur Zimmerdecke. »Sie war eine gute alte Freundin von mir. Eine prachtvolle Kollegin.«
    Â»Na schön«, bellte Mr Jefferson unwirsch. »Und wo ist sie jetzt?«
    Wieder runzelte Onkel Titus ärgerlich die Stirn. »Sie ist tot«, sagte er dann leise. »Leider.«

O nkel Titus sitzt in der Patsche
    Justus hatte Irma nie kennengelernt. Aber er erinnerte sich an alles, was Onkel Titus je von ihr erzählt hatte. Deutlich stand ihm jener Abend vor Augen, als der zeitunglesende Onkel Titus plötzlich mit einem Schrei aus seinem Sessel hochgefahren war. Die ahnungslose Tante Mathilda hatte es sich heftig verbeten, künftig noch einmal derart erschreckt zu werden. Aber Onkel Titus war aufgeregt im Zimmer auf und ab gewandert und hatte schließlich die Meldung vorgelesen, dass die bekannte Kunsthändlerin Irma Bannister tödlich verunglückt sei: ertrunken im Pazifischen Ozean. »Bei einem Segelausflug«, hatte er erschüttert gemurmelt, »das passt zu ihr.«
    Â»Wie praktisch«, bellte Mr Jefferson aus seiner Ecke. »Die Dame ist tot und jetzt fällt Ihnen nichts Besseres ein, als ihr die Schuld in die Schuhe zu schieben!«
    Â»Ich schiebe niemandem die Schuld in die Schuhe«, entgegnete Onkel Titus mit gepresster

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