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TS 10: Das vertauschte Ich

TS 10: Das vertauschte Ich

Titel: TS 10: Das vertauschte Ich Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jerry Sohl
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gefragt, ob ich wüßte, wer der Täter ist.«
    »Und was hast du geantwortet?«
    »Ich sagte dem Agenten, der mich verhört hat, daß vielleicht du ihm einen Tip geben könntest.«
    »Ich?« Bradley sah Carl erstaunt an. »Wie kommst du darauf, daß gerade ich darüber was wissen könnte?«
    Carl zuckte die Achseln. »Ich hatte gedacht, daß du vielleicht einen Anhaltspunkt finden könntest, wenn du alle die Leute, die du kennst, einmal gründlich durchgehst.«
    »Ganz ausgeschlossen.« Wieder dieser seltsame Blick in Bradleys Augen, diesmal begleitet von einem schwachen Lächeln.
    »Mr. Severn, der Agent, sagte allerdings auch, daß du uns nicht würdest weiterhelfen können. Er hat also recht gehabt. Eine Weile hat er übrigens mich schmoren lassen. Er dachte zuerst, daß ich dich ermordet hätte. Er meinte, ich wäre der einzige, der durch deinen Tod profitieren würde.«
    »Mein armer Junge. Dann sind sie also zuerst hinter dir hergewesen.« Er lachte laut. »Und wie hast du es fertiggebracht, sie zu überzeugen, daß du es nicht warst?«
    »Ich konnte nachweisen, wo ich zu der fraglichen Zeit gewesen war.«
    »Da hast du ja Glück gehabt.« Carls Vater langte nach dem Glas Wasser auf dem Nachttisch.
    »Wie fühlst du dich denn?«
    Der ältere Mann trank das Glas in einem Zuge leer. »Ich fühle mich so, als ob ich gerade aus einem langen Schlaf erwacht wäre. Meine letzte Erinnerung ist die an die Aufnahme. Es scheint, als läge sie nur ein paar Minuten zurück.«
    »Du siehst jetzt schon besser aus.« Bradleys Gesicht hatte die Rötung verloren, und auch die Schweißtropfen waren von der Stirn verschwunden.
    »Ich fühle mich schon kräftiger. Als ich aufwachte, konnte ich kaum die Augen öffnen. Wie sieht es im Betrieb aus?«
    »Alles in Ordnung. Im Augenblick arbeiten wir an den verbesserten Suchermodellen für die Raumstationen.«
    Sein Vater schaute ihn verständnislos an. Natürlich, fiel Carl ein, sein Vater konnte ja darüber gar nichts wissen. Dieser Auftrag war erst in den letzten Monaten hereingekommen.
    »Und die neuen Radarskope für die Kopernikusstation – habt ihr die schon fertig?«
    Carl lachte. »Das ist ja schon eine Ewigkeit her. Vergiß nicht, du hinkst acht Monate hinterher.«
    Auch sein Vater lachte. Es tat gut, dieses altvertraute Lachen wieder zu hören. »Ich bin also ein unbeschriebenes Blatt. Also erzähle – was gibt es sonst noch Neues?«
    »Nun, die Sache mit John Hardesty. Das wirst du ja auch nicht wissen.«
    »Was ist mit ihm?«
    »Er ist tot.«
    »Wirklich?« Wieder streifte Carl dieser seltsame Blick. »Wie ist es denn passiert?«
    »Sein Herz hat nicht mehr mitgemacht. Es ist jetzt ungefähr einen Monat her.«
    »Das ist wirklich schade. John war ein fähiger Kopf. Ich habe ihn gern gehabt.«
    Carl schaute seinen Vater erstaunt an, und seine Überraschung steigerte sich noch, als dieser fortfuhr: »Ja, John war wirklich ein ausgezeichneter Mann für die Produktion. Wirklich schade, daß es nicht mehr von seiner Sorte gibt.«
    »Na ja, ich gebe zu, ich habe ihn nicht so gut gekannt wie du«, sagte Carl wahrheitsgemäß und fragte sich im stillen, ob Hardesty Qualitäten gehabt hatte, von denen er nie erfahren hatte.
    »Du hättest dich ruhig ein bißchen mehr mit ihm beschäftigen sollen. Auf seinem Platz war er wirklich sehr fähig.«
    Bradley dehnte und streckte sich und wechselte das Thema. »Ich habe einen Bärenhunger. Wann gibt es denn hier etwas zu essen?«
    Das leise Gefühl der Beunruhigung, das Carl von dem Augenblick an gehabt hatte, als sein Vater die Augen geöffnet hatte, verstärkte sich immer mehr. Sein Vater schien irgendwie nervös und angespannt zu sein. Von seiner alten Selbstsicherheit war nichts zu merken. Carl ertappte seinen Vater wiederholt dabei, wie er ihn lauernd von der Seite ansah. Nie vorher in seinem ganzen Leben hatte er seinen Vater so erlebt. Und dazu kamen noch die Sache mit der Malerei und das Gespräch über die Leitung des Betriebs.
    Die Angelegenheit mit der Malerei kam zur Sprache, als Carl seinem Vater in der Kantine des Krankenhauses vorschlug, sich doch noch ein paar Tage zu Hause zu erholen, bevor er wieder seine Arbeit aufnahm. Zu Carls Erstaunen gab sein Vater sofort nach. Carl hatte erwartet, ihn erst nach langem Kampf dazu überreden zu können.
    »Ich habe eine Menge mitgemacht«, sagte der ältere Kempton kauend. »Es wird mir bestimmt nicht schaden, wenn ich ein paar Tage ausspanne, bevor ich mich wieder in die Tretmühle

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