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Tortenschlacht

Tortenschlacht

Titel: Tortenschlacht
Autoren: Oliver G Wachlin
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easy
    Fish are jumpin’ and the cotton is high
    Your daddy’s rich and your ma’s good lookin’
    So hush little baby, don’t you cry …

    Der alte Ford Transit, der wenig später über die nahe Landstraße fuhr, war über und über mit Graffiti besprüht und viel zu schnell unterwegs. Aus den Boxen dröhnte Punkrock. Am Steuer saß ein Junge mit schwarz gefärbten Haaren, der kaum im Führerscheinalter war. Das Mädchen neben ihm war noch jünger, fast noch ein Kind, in zu großer, mit Nieten besetzter Bikerlederjacke, und es hatte grüne und lila Strähnen im langen Haar.
    Der Junge wippte mit dem Kopf im Takt der Musik, zog an einem Joint und reichte ihn dann dem Mädchen, das tief inhalierte und sich entspannt zurücklehnte. Beide sagten kein Wort und sahen entrückt durch die Windschutzscheibe hinaus, als säßen sie im Kino vor einem abgefahrenen Film. Gleichmäßig schoben sich die Scheibenwischer hin und her, der Asphalt der Straße glänzte nass im Scheinwerferlicht. Plötzlich verschwand er scharf nach rechts. Verblüfft registrierte der Junge, dass sein Wagen geradeaus weiterfuhr, knapp zwischen zwei Bäumen hindurch. Alles schaukelte wild durcheinander, und es dauerte einen Moment, bis die beiden registrierten, dass etwas nicht in Ordnung war.
    »Oh fuck«, quietschte das Mädchen noch, dann kippte der Wagen nach vorn und krachte mit der Schnauze voran in einen Bewässerungsgraben. Die Fluten spritzten hoch, Luftblasen gurgelten auf.
    Dann war Stille.
    Der Transit stand schräg an der Böschung im Graben, mit Motorhaube und Führerhaus bis zur Dachkante im Wasser. Nur das Heck guckte noch raus. Der Regen prasselte auf das Blech.
    Nach einer Weile tauchte das Mädchen auf. Prustend und mit Entengrütze im langen Haar sah es sich erschrocken um.
    »Dark?«, rief es japsend. »Scheiße, was war das, Dark?« Das Mädchen richtete sich triefend auf und wischte sich mit dem Ärmel der pitschnassen Lederjacke übers Gesicht.
    »Dark?«
    Keine Antwort.
    » Dark !«
    Hektisch platschte die Kleine ums Auto herum, rüttelte angstvoll an der versunkenen Fahrertür.
    »Dark, mach keinen Scheiß, du musst da raus! – Oh Gott!«
    Sie hielt sich die Nase zu, tauchte wieder ins schlammige Wasser ab. Es dauerte endlose Sekunden, bis sie die Fahrertür endlich aufbekam. Hastig packte sie den Jungen am Kragen, zerrte ihn aus dem Auto und tauchte mit bleichem Gesicht wieder auf.
    »Oh shit«, keuchte sie atemlos und zog den Jungen ins Flache. »Dark, alles klar?«
    Nicht wirklich. Der Junge würgte Wasser hervor, und an seiner Stirn war eine tiefe Platzwunde. Benommen lehnte er am Wagen. »Was ‘n passiert?«
    »Keine Ahnung«, flüsterte das Mädchen zitternd, »offenbar sind wir mit dieser beschissenen Karre baden gegangen.«
    »Dann brauchen wir ‘n Boot«, murmelte Dark und sank mit weichen Knien zurück in die Fluten.
    » Dark !«, schrie das Mädchen erschrocken, zog ihn wieder hoch und schüttelte ihn. »Hey, Mann, komm zu dir, okay? Das ist kein beschissener Trip hier, das ist … verdammte Realität – oh shit  …«
    Dark war ohnmächtig geworden. Das Mädchen schleppte ihn keuchend die Böschung hoch.
    »… ich hol Hilfe, okay? Ich, ich …« Sie legte ihn ins feuchte Gras und strich ihm liebevoll über die Stirn. »Halte durch, Dark! Ich guck mal, ob ich Hilfe finde, ja?« Besorgt sah sie sich um. Es schüttete wie aus Kannen, und sie hatte keine Ahnung, wo sie waren.
    »Ich guck mal, ob ich Hilfe finde«, wiederholte sie flüsternd, richtete sich auf und schloss zitternd den Reißverschluss ihrer Lederjacke. Die hatte sich vollgesogen wie ein Schwamm und wog mindestens drei Kilo.
    »Mach keinen Scheiß, Dark, okay? Bin gleich wieder da.« Das Mädchen stolperte zurück auf die Straße.
    Kein Auto zu sehen. Aber etwas weiter links sah man ein Licht. Feuerschein, ganz deutlich, verdammt, da brannte etwas, da stand ein ganzes Haus in Flammen! Aber wo es brannte, war auch die Feuerwehr nicht weit. Das Mädchen rannte los.
    »Hallo«, rief es, »hallo, ist da wer?«
    Sie lief querfeldein, rutschte ein paarmal auf der feuchten Wiese aus, rappelte sich wieder auf. Das Feuer kam von einem Gehöft, einem Bauernhof oder so was. Deutlich zeichnete sich im Feuerschein ein weiteres Gebäude ab.
    »Hallo«, schrie das Mädchen wieder, »ist hier jemand?« Sie fand die Zufahrt, lief auf den Hof. Hier war es furchtbar heiß, krachend und knisternd brach der Dachstuhl des brennenden Wohnhauses in sich zusammen
    Das

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