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Sommer, Sonne, Ferienliebe - Eis mit Kuss: aus der Reihe Freche Mädchen – freche Bücher! (German Edition)

Sommer, Sonne, Ferienliebe - Eis mit Kuss: aus der Reihe Freche Mädchen – freche Bücher! (German Edition)

Titel: Sommer, Sonne, Ferienliebe - Eis mit Kuss: aus der Reihe Freche Mädchen – freche Bücher! (German Edition)
Autoren: Sabine Both
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    »Ich kann nicht mehr!« Karolin zieht ihr Kollaps-Gesicht und jammert neben mir auf der Rückbank in einer Tour.
    »Schnauze«, grunze ich sie an.
    Ich kann schließlich auch nicht mehr – nach zwei Tagen in einem Auto, das eher den Namen Schnellkochtopf verdient, weil Mama selbst den kleinsten Spalt im Fenster als hochgefährlichen Durchzug mit Todesfolge ansieht. Aber quengel ich deshalb alle fünf Minuten rum? Hunger! Pipi! Durst! Kleine Schwestern können schrecklich nerven.
    Um auf zwei mal zwei Metern einen Hauch von Privatsphäre zu bekommen, ziehe ich mir trotz 45 Grad im Schatten die Jacke über den Kopf und stopfe die Hörer meines MP3-Players so tief in die Ohren, dass es wehtut.
    Was tue ich hier? Wieso bin ich auf dem Weg nach Sizilien statt in einer dunklen, kalten Tropfsteinhöhle, weit weg von ferienverrückten Sonnenbrillenträgern? Ich habe keine Lust auf Sonne. Wieso bin ich nicht einfach bei Opa in Bad Neuenahr geblieben, zwischen Rentnern und Greisen? Da hätte es sicher irgendeinen angeschimmelten Großvater gegeben, der sich bereit erklärt hätte, mein Urlaubsflirt zu werden.
    Ich hasse Urlaubsflirts. Nicht, dass ich jemals einen gehabt hätte – wenn man von dem Hosenscheißer absieht, mit dem ich im Alter von vier Jahren in Holland Quallenpudding im Sandloch gekocht habe –, aber ohne Urlaubsflirt gestaltet sich das Leben nach den Ferien einfach von Jahr zu Jahr schwieriger.
    Durch das Klassenzimmer läuft eine tiefe Erdspalte. Auf der einen Seite scheint trotz Schulbeginn weiter die südliche Sonne – über den Mädchen mit Ferienflirt. Sie schmachten Urlaubsfotos mit schief grinsenden, braun gebrannten Typen an, die in Muskelprotzpose am Strand stehen. Sie cremen verblassende Knutschflecken mit Fettcreme ein, um den Haltbarkeitsfaktor zu erhöhen. Sie trocknen sich gegenseitig die Tränen, wenn sie alle paar Minuten von neuen Abschiedsschmerzen geschüttelt werden. Auf der anderen Seite der Schlucht hängen hässliche, graue Wolken – über den Mädchen ohne Ferienflirt. Ihre Bräune verblasst auf unheimliche Weise innerhalb der ersten beiden Unterrichtsstunden. Sie machen Hausaufgaben, obwohl es noch gar keine gegeben hat. Sie bestätigen sich gegenseitig, wie vielfach intellektueller und für den Verlauf des ganzen Lebens wichtiger es doch ist, griechisches oder römisches Kulturgut studiert als griechische oder römische Münder abgeküsst zu haben. Was für ein Selbstbetrug.
    Wieso können Neckermann und Co. diese augenscheinliche Marktlücke nicht erkennen? Wieso erfindet niemand eine Agentur für Miet-Ferienflirts? Tageweise oder wochenweise buchbar zu einem Preis, den das Urlaubstaschengeld erlaubt. Ich würde sofort auf irgendwelche Mitbringsel verzichten, wenn ich dafür Fakten mit nach Hause bringen könnte. Ein Muskelprotzfoto. Einen lang anhaltenden Knutschfleck als Bonusangebot. Wenn ich die Schule hinter mir habe, werde ich mit dieser innovativen Idee Millionärin werden!
    »Hanna, spiel mit mir Tante aus Marokko!« Karolin übertönt sogar Christina Aguileras Versprechen in meinem Kopfhörer: You are beautiful, no matter what they say!
    »Guck doch mal, die Palmen!«, kreischt Mama und klopft wie wild gegen die Fensterscheibe. Als wenn die Palmen sie hören könnten!
    »Idiot!«, brüllt zu allem Überfluss Papa dazwischen.
    Er meint nicht die Palme, auch nicht meine Schwester oder meine Mutter, sondern einen Vespafahrer, der ihm die Vorfahrt genommen hat.
    »Stronzo!« , schreit Papa gleich hinter Idiot , weil ihm wohl wieder eingefallen ist, dass er sich in Italien befindet und er in Italien immer italienisch sprechen wollte, damit der stinklangweilige Volkshochschulkurs für etwas gut gewesen ist.
    Was heißt eigentlich ich kotz gleich auf Italienisch?
     
    Eine schrecklich nette Familie. Papa links. Mama rechts. Und dazwischen meine Schwester und ich, im Schlenderschritt über die endlos lange Fußgängerzone von Taormina. Peinlichster Spießrutenlauf, vorbei an ätzenden Lampions, die von geschmacklos gestreiften Café-Markisen runterbaumeln, und übertrieben bunten Blumenkübeln an runtergekommenen italienischen Gemäuern.
    »Wie idyllisch!«, kreischt Mama in einer Tour.
    Muss sie denn so brüllen? Und was bitte ist idyllisch an dieser Horde Touristen im Ausgehlook – Muttis in gebatikten Wickelröcken und Papis mit weißen Tennissocken in speckigen Wildledersandalen? Und was um alles in der Welt ist idyllisch an Einheimischen, die uns mustern, als wollten

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