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Sherlock Holmes - Das ungelöste Rätsel

Titel: Sherlock Holmes - Das ungelöste Rätsel
Autoren: Alisha Bionda
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Ektoplasma zu verwandeln. Und für die literarische Erforschung des Phantastischen schuf er die Figur des streitbaren Professor Challenger. Der Gelehrte begegnet uns als Spezialist für Vorstöße in die Welt des Ab- und Jenseitigen unter anderem in der Saurier-Oper The Lost World (1912, dt. Die vergessene Welt , 1926), in When the World Screamed (1928, dt. Die Erde schreit , 1966) sowie in The Disintegration Machine (1929, dt. Die Desintegrationsmaschine, 1981 [?]), worin er den Erfinder McArdle mit dessen selbst konstruierter Zeitmaschine auf immer im temporalen Orkus verschwinden lässt. In Lot No. 294 (1892, dt. Die Mumie , 1966) – einer Kurzgeschichte ohne Serienhelden – setzt ein neidischer Orientalist eine wiederbelebte ägyptische Mumie als Mordwaffe ein – eine der frühesten, vielleicht aber auch eine der besten phantastischen Kriminalgeschichten überhaupt. Die ins Phantastische gesteigerte Bedrohung durch einen sinistren Orientalen, der seine wahrscheinlich schlagendste literarische Ausprägung in Sax Rohmers Dr. Fu Manchu fand, beseitigt hier im Geiste des ursprünglichen, rationalistischen Conan Doyle ein nüchterner, beherzt zupackender Engländer.
    Diesem Geist verpflichtet fühlten sich Michael und Molly Hardwick in ihrem The Private Life of Sherlock Holmes (1970, Das Privatleben des Sherlock Holmes , 1973/ Sherlock Holmes und die Spionin , 2006), worin der Meister das Ungeheuer von Loch Ness jagt, aber schließlich ein U-Boot findet. Dieses Motiv ist eng mit Conan Doyles Biographie und Werk verknüpft, denn Conan Doyle warnte – damals fast noch politische Science-Fiction! – in Danger! Being the Log of Captain John Sirius. A Story of England’s Peril (1914, dt. Im Unterseeboot gegen England: Das Tagebuch des Kapitän Sirius , 1915/ Der Tauchbootkrieg , 2009) vor einer aus den Tiefen des Ärmelkanals kommenden Bedrohung Großbritanniens durch das Deutsche Reich.
    Die Nähe der Kunstfigur Sherlock Holmes zur realen Wissenschaftlern oder ganzen Wissenschaftszweigen belegen Studien wie Thomas A. Sebeok und Jean Umiker-Sebeok, You know my method (1980, dt. „Du kennst meine Methode“. Charles S. Pearce und Sherlock Holmes , 1982), Karel van het Reve, Dr. Freud und Sherlock Holmes (dt. Originalzusammenstellung, 1994) oder E. J. Wagner, Die Wissenschaft bei Sherlock Holmes und die Anfänge der Gerichtsmedizin (2008). Folgerichtigerweise arbeitet Holmes in einigen Romanen mit Sigmund Freud zusammen, so etwa in Nicholas Meyer, The Seven Percent Solution (1976, dt. Kein Koks für Sherlock Holmes , 1978) oder in Keith Oatley, The Case of Emily V. (1993, dt. Der Fall Emily V. , 1995); C.S. Mahrendorf parallelisiert in Und sie rührten an den Schlaf der Welt (1997) ebenfalls die Methoden detektivischer und psychoanalytischer Spurensuche. Und Holmes fungiert als physikalisch-mathematisch ebenbürtiger Gesprächspartner Albert Einsteins in Alexis Lecaye, Einstein et Sherlock Holmes (1989, dt. Einstein und Sherlock Holmes , 1990).
    Frühe Pastiche-Autorinnen und -Autoren wie Conan Doyles Sohn Adrian mit John Dickson Carr und viele andere versuchten dem aufgeklärten Geist der kanonischen Abenteuer durch das Aufgreifen von lost cases nahe zu bleiben, die der wackere Chronist Dr. Watson zwar erwähnt, aber nie ausgearbeitet hat: The Exploits of Sherlock Holmes (1952, Sherlock Holmes’ Nachlass , 1966). Dennoch erscheint die Zusammenführung der Sherlock-Holmes-Figur mit dem Phantastischen angesichts von Conan Doyles zwiegespaltener Seele vollkommen legitim.
    Zurückgerechnete Science-Fiction, wenngleich keine eigentliche Phantastik, bietet der Roman The Earth Quake Machine (1977, dt. Die Erdbebenmaschine , 1977) von Austin Mitchelson und Nicholas Utechin.
    Der verkrüppelte, mitnichten tote Moriarty bedroht London 1906 mit einer Atombombe.
    Der Science-Fiction-Papst Isaak Asimov gab 1984 die zweibändige Anthologie Sherlock Holmes through Time and Space (dt. Mit Sherlock Holmes durch Zeit und Raum , dt. 1987) heraus, eine bunte, qualitativ und inhaltlich etwas inhomogene Mixtur aus Science-Fiction- und Fantasy-Geschichten. Etliche der kanonischen lost cases werden darin mit den Mitteln der Science-Fiction phantasievollen Lösungen zugeführt.
    Kaum mehr als ein ausgewalztes Wortspiel freilich ist The Great Dormitory Mystery (1976, dt. Das große Geheimnis des Studentenwohnheims von der literarisch ambitionierten Neurologin Sharon N. Farber. In ihrer Ultrakurzgeschichte werden mehrere Studenten in einem

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