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Sherlock Holmes - Das ungelöste Rätsel

Titel: Sherlock Holmes - Das ungelöste Rätsel
Autoren: Alisha Bionda
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auf. Sein Schöpfer hatte Holmes nicht töten können – dann sollte Holmes auch nicht mit seinem Schöpfer sterben!
    Genügend Raum und Potenzial für neue Geschichten gab es ja. Dafür hatte bereits Conan Doyle selbst gesorgt: Um eine größere Bandbreite von Holmes’ Arbeit vorzutäuschen, ließ Conan Doyle Watson immer wieder Abenteuer und Fälle erwähnen, die nirgends geschildert wurden. Andere Autoren stürzten sich später auf diese Bemerkungen und schrieben die passenden Fälle dazu. Die Episode mit der Riesenratte von Sumatra bekam so gleich zwei Pastiche von verschiedenen Autoren. Doch es gibt auch genügend Pastiche, die auf gänzlich neuen Ideen und frischen (Ein-)Fällen fußen. Manche davon achten penibel auf den Original-Kanon und die gängige Holmes-Kon-tinuität – andere gehen eher großzügig damit um und stellen Klischees und Story in den Vordergrund.

    Pastiche
    Conan Doyles jüngster Sohn Adrian und Krimi-Spezialist John Dickson Carr schrieben zwischen 1952 und 1953 zwölf neue Abenteuer. Adrian Doyle arbeitete dabei am selben Schreibtisch wie sein Vater, wie es in der Einleitung zu  The Exploits of Sherlock Holmes  heißt.
    Nicholas Meyer fand 1974, dass es an der Zeit war, Holmes den Kokain-Hahn abzudrehen (und es nicht genügte, dass Watson die siebenprozentige Lösung seines Freundes gelegentlich heimlich um zwei Prozent verdünnte), und ließ den Meisterdetektiv in  Kein Koks   für Sherlock Holmes  auf Sigmund Freud treffen. Der französischsprachige Autor Alexis Lecaye ließ Holmes 1989 derweil mit dem jungen Einstein in Zürich zusammentreffen. Auch Genre-Sternchen wie Michael Moorcock oder Stephen King steuerten bereits Geschichten für Sammlungen mit „neuen, unveröffentlichten Geschichten von Dr. Watson“ bei.
    Natürlich gibt es auch einige nennenswerte deutschsprachige Pastiche: Etwa die beiden in Köln und Umgebung spielenden Romane  Der vierte König  und  Tod auf dem Rhein  von Stefan Winges. Alisha Bionda versammelte in  Das Geheimnis des Geigers  gleich 16 deutschsprachige Autoren, die sich dem Holmes-Mythos näherten. Jörg Kästner schrieb die deutsche Variante der bereits erwähnten Geschichte um  Sherlock Holmes und der Schrecken von Sumatra . Der Wiener Autor Gerhard Tötschinger setzte Holmes auf das Geheimnis der Sachertorte an. Zeus Weinstein indes ist seit Jahren ein anerkannter Holmes-Experte in unseren Breitengraden und hat damals die überragende Haffmans-Übersetzung (u. a. von Gisbert Haefs) betreut.
    Auch die große Lücke – die große Zäsur – während Holmes’ vermeintlichem Tod wurde und wird von neuzeitlichen Autoren gern mit Leben und neuen Geschichten gefüllt. Was erlebte Holmes während der Periode zwischen 1891 und 1894, da er als tot galt und unter falschem Namen und Pass die Welt bereiste und sowohl in Tibet, als auch in Skandinavien unterwegs war? Hier gibt es einige unterhaltsame Holmes-Exoten.
    Den ältesten Sherlock Holmes inszenierte derweil Pulitzerpreisträger Michael Chabon in der vergnüglichen Geschichte  Das letzte Rätsel  (KiWi, 2005), in der Holmes an seinem Lebensabend in den Sussex Downs noch einmal von einem kniffligen Fall ereilt wird – und sich Holmes’ Marotten und Kauzigkeit im hohen Alter nochmals potenziert haben.
    Und dann gibt es noch Autoren, die Inspektor Lestrade, den Diogenes Club, Mrs Hudson, Professor Moriarty, eine ersonnene Nachfolgerin von Holmes, die noch vom Altmeister unterrichtet wird, oder sogar Arhtur Conan Doyle selbst zu Protagonisten ihrer Pastiche machen.

    Lovecraft & Co.
    Sherlock Holmes ist weit über die Grenzen der Literatur hinaus berühmt – einfach nur „bekannt“ wird dem schon nicht mehr gerecht.
    Adaptionen auf Bühnen, in Filmen, Comics, Hörspielen und Büchern (ihre Zahl ist jeweils Legion) haben das ihre dazu beigetragen, dass Holmes heute als Mustertyp des hellen Ermittlers gilt, der alles sieht und rasch kombiniert – selbst für Menschen, die nie ein Buch von Conan Doyle gelesen haben, Holmes und Watson im Sprachgebrauch aber trotzdem nutzen. Das macht Holmes für Phantastik-Autoren natürlich besonders interessant. Denn was ist einer phantastischen Geschichte dienlicher als ein Protagonist, der nicht nur einen üppigen Hintergrund hat, sondern auch allgemein bekannt ist?

    Ein Charakter, der pure Fiktion ist, in einer Fantasy- oder Mystery-Story aber paradoxerweise zum Anker der Realität wird?
    Außerdem spricht „die Idee eines Mannes, der die

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