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Sherlock Holmes - Das ungelöste Rätsel

Titel: Sherlock Holmes - Das ungelöste Rätsel
Autoren: Alisha Bionda
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Objekt der fiktiven Biografie wie eine reale Person zu behandeln, folgt dem meistens auf dem Fuße. In diesem typisch sherlockianischen Spiel wird Holmes’ Chronist Dr. Watson ebenfalls wie eine lebende Person behandelt. Und während Dr. Watson die Fälle niederschreibt, wird Conan Doyle meist zu Watsons ,Herausgeber‹ degradiert.“
    Die mit großem Ernst betriebene, hier und da regelrecht akademische Beschäftigung mit dem fiktiven Leben des Detektivs hat eine lange Tradition. Bereits 1902 wurde in der  Cambridge Review  ein offener Brief an „Doktor Watson“ abgedruckt, in dem es um Datums-Differenzen in  Der Hund der Baskervilles  geht (siehe Pierre Bayard:  Freispruch für den Hund der Baskervilles , Kunstmann, 2008). Seit dem hat sich das Interesse an den nüchternen Fakten in Holmes’ Leben beständig gesteigert. Es gibt sogar eigene Gesellschaften, die sich nur mit Holmes’ Bio beschäftigen. Wo könnte die Baker Street 221b – die Hausnummer gab es zur Entstehungszeit der Storys noch nicht – wirklich gelegen haben? Welche Tabaksorten hat Holmes wohl bevorzugt, und in welcher Reihenfolge erschienen seine Schriften eben über die 140 Tabaksorten, über die Merkmale von Schuhabsätzen und sein Essay über Bienen? War Moriarty, wie Holmes-Biograf und Vorzeige-Holmesianer William S. Baring-Gould (nicht zu verwechseln mit dem Werwolf-Forscher Sabine Baring-Gould) schon 1962 in seiner Biografie  Sherlock Holmes: Die Biographie des großen Detektivs   aus der Baker Street  (dva) vermutete, wirklich der Hauslehrer des jungen Sherlock?
    Überhaupt hat Baring-Goulds Arbeit einen wichtigen Grundstein gelegt, da er auch einige gewagte Theorien entwarf. Er verkuppelte – wie andere – Watson zwar nicht mit Mrs Hudson, machte Nero Wolfe aber zum Sohn von Holmes und Irene Adler. Lewis Carroll machte er indessen zu Holmes’ Dozenten in Cambridge, und Watson ließ er die Kindheit in Australien verleben. Chronologisch, spannend, innovativ – ein Meisterwerk! Auch die recht junge Arbeit von Nick Rennison aus dem Jahre 2005 (Sherlock Holmes.  Die unautorisierte Biographie,  Patmos, 2007  )  ist nicht zu verachten und hat einige schöne Ansätze, wenngleich sie es auch nicht zum einflussreichen Standardwerk brachte.
    Das Leben von Conan Doyle selbst hat dieser bereits 1924 in seiner Autobiografie geschildert. Michael Ross, der die Holmes-Spezialbuchhandlung  Baskerville Bücher  in Köln betreibt, veröffentlichte Ende 2008 nach langem Warten endlich Daniel Stashowers  Sir Arthur Conan Doyle. Das Leben des Vaters von Sherlock Holmes , das 2000 mit dem Edgar Award ausgezeichnet wurde. In dieser gelungenen Biografie zeichnet Stashower, der auch den Roman  Sherlock Holmes und   der Fall Houdini  geschrieben hat, das außergewöhnliche Leben von Conan Doyle nach – über weite Strecken vollständig losgelöst von Holmes und dafür mit vielen Zitaten des Meisters selbst angereichert.
    Unentbehrlich!
    Erstmals leicht verändert abgedruckt in
    Nautilus: Abenteuer & Phantastik
    Heft 70, Januar 2010
    Abenteuer Medien Verlag, Hamburg

 

NACHWORT
    „ALIMENTARY, MY WERE-DATSUN!“
    Der phantastische Sherlock Holmes

    Klaus-Peter Walter
    „Diese Welt ist groß genug für uns. Da braucht es keine Geister.“ Mit diesen knappen Worten formuliert Sherlock Holmes in The Sussex Vampire sein komplettes rationalistisches Glaubensbekenntnis. Der Rugbyspieler Robert Ferguson hat Anlass, seine peruanische Frau für eine Vampirin zu halten, doch ihre vermeintlichen blutsaugerischen Anwandlungen erkennt Holmes rasch als medizinische Notfallmaßnahme. Auch der Hund der Baskervilles entpuppt sich am Ende als höchst diesseitiges Tier, das seine unheimliche Wirkung einer Phosphor-Applikation verdankt. So erfährt, was übernatürlichen Ursprungs zu sein scheint, in den kanonischen Sherlock Holmes-Geschichten stets eine durch und durch rationale Aufklärung – nicht umsonst war Arthur Conan Doyle studierter Mediziner. Wohl nicht umsonst entlehnte er wesentliche Charakterzüge seines Detektivs seinem akademischen Lehrer Dr. Joseph Bell.
    Andererseits widmete Holmes’ Schöpfer einen wesentlichen Teil seines Lebens der Erforschung des Übersinnlichen. Unvergessen etwa die Elfenfotos von Cottingley, an deren Echtheit Conan Doyle mit der ganzen Kraft seiner begeisterungsfähigen Seele ebenso zu glauben bereit war wie an die Fähigkeit seines zeitweiligen Freundes, des genialen Illusionisten Houdini, sich in reines

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