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Shadow Touch

Titel: Shadow Touch
Autoren: Marjorie M. Liu
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ertragen, von dieser Organisation hintergangen worden zu sein, die für ihn doch zu einer Familie geworden war. Er ertrug es nicht und dennoch musste er es wissen. Er musste erfahren, was er fast mit seinem Leben beschützt hatte.
    »Mrs. Dirk«, sagte er. »Nancy!«
    »Mit weniger werden Sie sich nicht zufrieden geben, ich weiß. Also gut. Ich werde Ihnen noch eine Wahrheit verraten, die auch nur ein Stück des Ganzen ist, und darüber hinaus nicht einmal das erschreckendste, wenn Sie die ganze Geschichte kennen würden. Beatrix hat nach ihrem Ururgroßvater gesucht. Meinem Vater. Er ist der Einzige, der sie gelehrt haben kann, wie sie ihr Vermächtnis einsetzen sollte.«
    »Das Vermächtnis ist Magie«, erklärte Artur. »Sie war nicht nur eine Mutantin.«
    »Manchmal liegen diese beiden Dinge nicht sehr weit auseinander. Aber ja, das ist die einfache Antwort.«
    »Und wer war Ihr Vater? Sie kann doch nicht wirklich geglaubt haben, dass er noch am Leben ist!«
    Nancy schüttelte den Kopf. »Wen kennen Sie, Artur? Wen haben Sie in Ihrem Leben kennengelernt, wenn auch noch so entfernt, dem es gelungen ist, Unsterblichkeit zu erringen, und der die Macht besaß, die Wirklichkeit zu beeinflussen?«
    Artur starrte ihr suchend ins Gesicht, und einen Moment lang glaubte er, er müsste den Verstand verlieren, als er ihr unmögliches Geheimnis erkannte. Es war einfach zu viel, es war mehr, als er fassen konnte. Elena hielt ihn in seinem Kopf fest umschlungen, tröstete ihn mit ihrer sanften Stimme. Aber er ließ sich nicht trösten. Elena verstand die Zusammenhänge nicht, wusste nichts von dem unglaublichen Wahnsinn dieser einen, kleinen Wahrheit. Die Perversion dieser Wahrheit wirkte in ihrer Einfachheit entsetzlich.
    »Der Magier«, stieß er hervor. »Ihr Vater war der Magier.«
    Ein Mann, der mehr als zweitausend Jahre gelebt hatte, der durch einen Fluch, mit dem er einen anderen belegt hatte, unsterblich wurde. Ein Mann, dessen Boshaftigkeit ihn dazu gebracht hatte, im Lauf der Jahrtausende zahllose Töchter zu zeugen, in der Hoffnung, dass eine von ihnen, eines Tages, den Schlüssel in sich trüge, der ihm die Freiheit schenkte.
    »Das Schicksal geht merkwürdige Wege, nicht wahr?«, sagte Nancy. »Meine Enkelin heiratet ausgerechnet den Mann, der mit einem Fluch belegt wurde, der wiederum mir das Leben schenkte. Ohne Hari hätte mein Vater nicht existiert -und weder mich noch meine Geschwister zeugen können. Und dann hat er ihn prompt verdammt.«
    »Er war ein Monster«, sagte Artur.
    »Allerdings«, stimmte ihm Nancy zu. »Aber ich hätte ihn gern noch einmal gesehen. Nur ein einziges Mal. Um ihm in die Augen zu schauen und herauszufinden, ob er mich erkennt.«
    »Er hat seine eigene Ururenkelin Dela nicht erkannt«, erwiderte Artur kühl. »Sondern versucht, sie umzubringen. Er hätte sie sogar vergewaltigt, wenn er die Chance dazu gehabt hätte.«
    »Allein dafür hätte ich ihn eigenhändig umgebracht.« Nancy stand auf und wanderte rastlos durch das Zimmer. Schließlich trat sie hinter ihren Schreibtisch und sah aus dem Fenster. »Ich kannte meinen Vater kaum. Das meiste habe ich von Dela und Hari über ihn erfahren, und was ich da hörte, hat mir kaum gefallen. Jetzt begreifen Sie vielleicht, Artur, warum ich meine Geheimnisse für mich behalte. Sie können den Schaden abschätzen, den sie anrichten könnten.«
    »Und Sie sagen, dies sei nicht einmal der erschreckendste Teil?«, fragte er schwach. »Was tun Sie hier eigentlich? Und zu welchem Zweck existiert Dirk und Steele denn nun wirklich?«
    Nancy sah ihn kalt an. Er fühlte, wie ihre Macht durch seinen Körper zuckte. O ja, dachte er. Sie kann sehr wohl die Tochter dieses Mannes sein. »Die Agentur«, sagte sie, »ist gegründet worden, um denen zu helfen, die unsere Hilfe benötigen. Sie wurde geschaffen, damit wir, unsere Art, die Menschen mit besonderen Fähigkeiten, mit Macht, diese Macht nicht für Triviales und Alltägliches verschwenden. Diese Welt geht dunklen Zeiten entgegen, Artur. Sie braucht jede nur erdenkliche Hilfe. Meine Aufgabe ist es, die Helfer auszubilden. Und das möglichst schnell. Verstehen Sie das, Artur? Beatrix war nur der Anfang. Sie war, wie man so sagt, ein kleiner Fisch.«
    Was für eine Angst einflößende Vorstellung, Beatrix Weave und all das, was sie repräsentierte, als belanglos einzuordnen. Er konnte sich nicht vorstellen, was schlimmer sein sollte, aber Elena erinnerte ihn erneut an diese dunklen Augen und das Maul

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