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Shadow Touch

Titel: Shadow Touch
Autoren: Marjorie M. Liu
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ist Ihnen gefolgt, Mr. Loginov, während ich für Elena verantwortlich war.«
    Elena dachte an die Gasse und den Überfall durch die Straßenbande. Artur teilte ihre Erinnerung. »Sie haben Ihren Job, sie zu bewachen, nicht sonderlich gut ausgeführt«, sagte er.
    »Wir hatten andere Prioritäten«, erwiderte sie. »Aber ich hätte eingegriffen, wenn es notwendig gewesen wäre.«
    Artur schüttelte den Kopf. »Sie arbeiten nicht für Dirk und Steele, und wohl auch nicht für das Konsortium. Wer sonst würde sich unseretwegen so viel Mühe machen?«
    Die Frau sagte nichts. Fred zuckte die Achseln. Ihm war ohne Zweifel unwohl, auf diese Frage antworten zu müssen. Er sah Elena an. »Wir sollen Ihnen eine Entschuldig ung überbringen. Das Konsortium hat Sie nur gefunden, weil unsere Organisation Sie zuerst aufgespürt hatte. Es gab bedauerlicherweise ein ... Leck. Das Konsortium wusste, dass wir an Sie herantreten wollten, und ergriff Maßnahmen, uns zuvorzukommen. Ich versichere Ihnen, dass wir unser erstes Treffen vollkommen anders gehandhabt hätten. Sie könnten immer noch mit uns kommen, falls Sie Interesse haben. Was aber ... offensichtlich nicht der Fall ist, wie ich sehe.«
    Elena hörte ihn kaum. Sie konnte nur daran denken, wie unmöglich es war ... dass ...
    »Noch eine Organisation?« Sie starrte sie an. »Eine andere? Bin ich etwa high? Das hier muss ein Drogentraum sein, denn allmählich bin ich am Ende dessen, was ich glauben kann. Es ist doch verdammt noch mal unmöglich, dass so viele von uns da draußen rumlaufen und wie psychotische Pfadfinder organisiert sind. Tut mir leid, das ist einfach nicht möglich.«
    »Dem stimme ich zu«, meinte Artur. »Was ausgesprochen ironisch klingt.«
    »Die Welt ist ziemlich groß«, gab die Frau zurück. »Und es gibt viele Mitspieler, von denen alle im Geheimen leben und arbeiten. Einige sind schon sehr lange dabei. Glauben Sie vielleicht, dass sie Paraden abhalten oder ihre Bälle in der Öffentlichkeit jonglieren? Das müssten Sie doch besser wissen.«
    »Aber warum verstecken sie sich voreinander?«, wollte Artur wissen. »Warum halten sich alle versteckt, wenn wir doch alle gleich sind?«
    »Weil wir eben nicht alle gleich sind«, antwortete die Frau. »Nicht im Entferntesten.«
    Sie und Fred gingen langsam hinaus. Elena konnte ihnen nicht folgen, selbst wenn sie es gewollt hätte. Sie fühlte sich wie betäubt. Jedes Mal, wenn sie glaubte, dass sie ihr Leben im Griff hatte, kam etwas daher und warf ihre sorgfältig konstruierten Wahrheiten über den Haufen. Wie sollte sie so leben!
    Zusammen, einen Schritt nach dem anderen, erwiderte Artur und sagte dann laut: »Warten Sie.«
    »Unmöglich«, gab die Frau zurück. »Aber ich werde Ihnen eines verraten: Die Bühne ist für etwas Großes bereitet worden. Wenn Sie wissen wollen, warum, fragen Sie einen der Regisseure. Ich glaube, Sie wissen, wen. Außerdem glaube ich, sie ist der Grund, warum Sie entführt wurden. Sie ist, wie man so sagt, der Dolch im Stahl.«
    Mit dieser rätselhaften Bemerkung traten Fred und sie in den Flur. Artur folgte ihnen, Elena dicht auf den Fersen. Sie sahen, wie das Paar aus der Haustür trat. Doch als sie hinterher- und auf die Straße stürmten, waren sie verschwunden. Spurlos.
    Artur telefonierte. Elena hörte in ihrem Kopf dem Gespräch zu. Es war kurz und präzise. Ja, es ging ihm gut. Ja, er wusste, dass Elena fort war, weil sie bei ihm war. Nein, sie hatte die Situation gerettet - »und hör zu, falls du es noch nicht wusstest, es läuft noch eine Gruppe von Mutanten in der Welt Amok.«
    Ha, ha, ha.
    Artur legte auf und sah Elena an. »Sie sind in fünf Minuten hier.«
    »Können wir so schnell verschwinden?« Es war ein Scherz, wenn auch nur ein halbherziger, doch Artur fasste einfach ihre Hand und zog sie in den Flur hinaus. Sie rannten durch die Haustür, auf die Straße, bogen nach links ab und gingen zügig weiter. Elena konnte ihre Verblüffung nicht verbergen. Sie hätte gedacht, seine Prioritäten sähen anders aus.
    »Meine Prioritäten haben sich geändert, seit ich dich kenne«, sagte er.
    »Oh.« Das gefiel ihr, aber sie wollte ihn nicht in Schwierigkeiten bringen. Die Luft auf ihrem Gesicht fühlte sich gut an. Nach dem, was sie gerade durchgemacht hatte, fühlte sich einfach alles gut an.
    »Es wird keinen Ärger mehr geben.«
    »Sie müssen vielleicht mit dir reden. Was da geschehen ist, war wichtig, nicht nur für uns. Deine Freunde werden davon alle betroffen

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