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Shadow Touch

Titel: Shadow Touch
Autoren: Marjorie M. Liu
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mussten, und das nur wegen meiner schlechten Planung. Ich hatte eine Vision, müssen Sie wissen. Diese ermordeten Frauen. Ich wusste, dass der Schuldige eine direkte Verbindung zu unserer Agentur hatte. Mir war nur nicht klar, wie direkt.« Sie schüttelte den Kopf. »Ich kann einfach nicht fassen, dass all dieses Leid von einem verzogenen kleinen Mädchen verursacht wurde, das nicht mit den Geheimnissen seiner Familie leben konnte.«
    »Ich verstehe Sie nicht. Meinen Sie Beatrix Weave?« Als Nancy nicht antwortete, sprach Artur weiter. »Man kann sie schwerlich ein verzogenes Kind nennen. Ihre Macht...«
    »War ungeheuer, ja, das weiß ich. Aber sie war trotzdem verzogen, und verglichen mit ihren Verwandten war sie ein sehr kleines Kind.« Nancys Lippen wurden schmal. »Sie war meine Großnichte, Artur. Sie gehörte zur Familie.«
    Zum Glück stand ein Stuhl neben ihm. Arturs Knie gaben nach, und er ließ sich recht ungraziös auf das Polster fallen. Er wollte etwas sagen, doch seine Stimme versagte. Nancy beugte sich zu ihm herab. Der Blick ihrer silbrigen Augen glitt suchend über sein Gesicht, blieb an seinen Augen haften und schürfte nach seinen Geheimnissen.
    »Sie dürfen das niemandem sagen«, meinte sie schließlich. »Keiner Menschenseele. Außer Ihrer Frau, natürlich. Sie beide sind so sehr zwei Teile eines Ganzen, dass es närrisch wäre zu versuchen, sie auszuschließen. Das stimmt doch, Elena, hm?«
    Elena, die in Arturs Kopf gelauscht hatte, zuckte zusammen.
    »Sie wussten es«, stieß Artur heiser hervor. »Sie wussten vom Konsortium.«
    »Nein«, behauptete Nancy. »Aber ich habe die Möglichkeit eines solchen Konsortiums vorhergesehen. Ich habe nur nicht erwartet, wer es leitet.«
    Artur schluckte. »Wenn Beatrix Weave Ihre Großnichte war, dann müssen Sie auch Geschwister haben. Ich hatte immer den Eindruck, ich meine, wir alle sind davon ausgegangen, dass Sie ein Einzelkind sind.«
    »Eindrücke entsprechen nicht unbedingt der Wahrheit, Artur. Sondern sind oft Illusionen.«
    »Weshalb? Warum haben Sie alle in dem Glauben gelassen, dass Sie keine Familie hätten?«
    »Weil meine Familie nicht zu der Art Verwandtschaft gehört, die allzu bekannt sein sollte. Von ihr war noch nie etwas Gutes zu erwarten. Wie Sie ja selbst erlebt haben.«
    Artur lehnte sich zurück. Er schloss die Augen und versuchte, sich einen Reim auf all das zu machen, was er wusste, auf alles, was Elena ihm gezeigt hatte. Graves gehörte ebenfalls zur Familie. Sie war Beatrix’ Kousine gewesen. Sie nannten sich eine Firma, Geschäftsleute, die Experimente durchführten, mit seltsamen Kräften herumspielten und versuchten, die Welt durch kriminelle Macht zu beherrschen. Das amerikanische Paar, das beauftragt worden war, Nachforschungen anzustellen, die auf einen anderen Drahtzieher zurückgingen, und das mit dem Finger direkt auf Nancy Dirk gezeigt hatte ...
    »Der Mann und die Frau, die uns von Wladiwostok an beschattet haben, arbeiteten angeblich für eine Organisation, die ursprünglich vorgehabt hatte, Elena zu rekrutieren. Und sie haben in beiden Entführungsfällen Ermittlungen angestellt, in meinem und in Elenas. Das finde ich sehr merkwürdig. Woher wussten sie, dass ich gekidnappt worden bin? Warum sollte sie das überhaupt interessiert haben? Es sei denn, natürlich, dass jemand aus unserer Agentur sie ins Bild gesetzt hätte. Aber warum hätte das jemand tun sollen? Warum sollte man das hinter dem Rücken aller tun ... falls man nicht etwas zu verbergen hatte? Etwas, dem man nicht so sorgfältig nachgehen konnte, ohne Gefahr zu laufen, unsere Geheimnisse zu verraten. Ihre Geheimnisse. Ich möchte Ihnen eine Frage stellen, Mrs. Dirk. Wo sind Ihre Geschwister? Wer sind sie und was tun sie? Und warum ist es so wichtig, dass keiner bei Dirk und Steele von ihrer Existenz erfährt?«
    Nancy erstarrte. »Sie wollen wissen, ob ich die Agentur verraten habe.«
    »Vielleicht«, erwiderte er. Er fühlte, wie sich Elena tröstend um seine Seele schlang, als er diesen schrecklichen Verdacht aussprach.
    Neben ihm stand noch ein Stuhl, auf den sich Nancy Dirk jetzt setzte. »Darf ich Ihnen eine Geschichte erzählen, Artur? Darf ich Ihnen einen Teil der Wahrheit anvertrauen? Sie und Elena dürfen aber nie davon sprechen, niemals.«
    »Sie haben mein Wort«, gab Artur zurück und hörte, wie Elena in seinem Kopf dasselbe sagte.
    Nancy lächelte bitter. »Ich habe trotzdem Angst, es Ihnen zu erzählen. Die Wahrheit kann sehr

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