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Shadow Touch

Titel: Shadow Touch
Autoren: Marjorie M. Liu
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hässlich sein. Und Gefühle verändern.«
    »Das weiß ich«, erwiderte Artur. »Ich habe gehört, dass in solchen Fällen ein Vertrauensvorschuss hilft.«
    »Vertrauen«, flüsterte sie und fuhr dann energischer fort: »Vor vielen Jahren haben meine Schwestern und ich uns zerstritten. Ich hatte gewisse ... Visionen von einer Welt, wie sie sein könnte; es war kein schöner Ort. Ich wollte diese Zukunft also ändern. Und glaubte zu wissen, wie ich das bewerkstelligen könnte. Meine Schwestern waren jedoch anderer Meinung. Sie wollten ihre Energien auf andere Dinge richten. Auf Macht. Wohlstand. Ich wollte das zwar auch, gewiss, allerdings aus einem anderen Grund. Also gingen wir getrennte Wege. Ich versprach, mich nicht in ihre Angelegenheiten zu mischen, ganz gleich, wie wenig ich mit ihren Ansichten übereinstimmte, und sie gelobten, sich nie in meine zu mischen. Wir haben dieses Versprechen gehalten, bis Beatrix Weave Sie aus Ihrem Haus entführt hat.«
    »Woher wussten Sie, dass sie es war?«
    »Ich wusste es nicht. Aber ich hatte das Gefühl, dass meine Familie etwas mit Ihrem Verschwinden zu tun haben könnte. Meine Schwestern haben mir versichert, keine Ahnung von irgendwelchen Verfehlungen zu haben, aber sie versprachen, der Angelegenheit nachzugehen. Was sie entdeckten, war ziemlich erschütternd. Einige Mitglieder unserer Familie hatten sich ... selbstständig gemacht. Meine Schwestern sind, trotz ihrer Motivationen, auf ihre Weise äußerst moralisch. So haben sie sich niemals an kriminellen Aktivitäten beteiligt, wie lukrativ diese auch immer gewesen sein mögen. Ihre Kinder dagegen hatten keine derartigen Skrupel.«
    »Beatrix Weave hat mich nicht um des Geldes willen entführt. Diese Geschichte mögen sie und Graves vielleicht erzählt haben, aber sie wollte doch in Wahrheit nur Sie. Sie hat mich gekidnappt, weil ich Ihre Hand geschüttelt habe, Haut auf Haut, und sie glaubte, dass ich irgendwo tief in mir Ihre Geheimnisse kennen würde.«
    »Was vermutlich auch zutrifft«, antwortete Nancy. »Wenn Roland keine Sicherungen eingebaut hätte, Sie nicht so stur wären und Elena nicht so viel Macht hätte, dann hätte Beatrix möglicherweise tief genug in Ihren Geist eindringen können, um alles herauszufinden, was ich bei diesem kurzen Händedruck hinterlassen habe.«
    Artur runzelte die Stirn. Es irritierte ihn irgendwie, dass irgendwo tief in ihm das Wissen schlummern sollte, das Nancy Dirk so unbedingt verbergen wollte. »Beatrix hat am Ende aufgegeben, aber nur, weil sie ihr fortgesetztes Scheitern satthatte. Das Wissen begehrte sie immer noch.«
    »Verzogen. Keine Geduld. Es ist besser, dass sie es nie erfahren hat.« Nancy seufzte. »Und es ist besser, dass sie starb, statt es zu bekommen.«
    Artur schüttelte den Kopf, ebenso ungläubig wie Elena in seinem Geist. Alles, was er über diese Agentur und ihre Gründer wusste, schien an den Säumen auszufransen. »Was ist so schrecklich, dass Sie es verheimlichen müssen?«
    »Sagen Sie mir eines.« Nancys Stimme klang hart und unerbittlich. »War Beatrix ... menschlich, als Sie sie trafen?«
    Er zögerte, als er sich an diese schwarzen Augen erinnerte, ihre erstaunlich scharfen Zähne. »Nein. Sie war nicht nur ein Mensch. Ich glaube, sie hat mit Dingen experimentiert, die ... eine magische Natur hatten. In ihren letzten Momenten hat sie Elena verraten, dass sie ein ... ein Portal geöffnet hätte. Dass sie jemanden erweckt hätte, oder etwas.« Außerdem gab es da noch Rictor. Ein Mann, der so viel mehr als nur menschlich war und der doch nur von einem Ring aus Licht gefangen gehalten wurde. Das Unbekannte wurde allmählich zu einem Schrecken.
    Nancy lehnte sich zurück und ihr Blick entfernte sich. Sie legte eine Hand auf den Mund. »Ja. Es ist sehr gut, dass sie gestorben ist.«
    »Was ist mit ihr geschehen? Wie hängt das alles zusammen?«
    Nancy antwortete nicht sofort. Sie schien in eine Trance gefallen zu sein, aus der sie sich schließlich mit einem Blinzeln und einem kurzen Ruck herausriss. »Beatrix hat am Ende ihren Lehrmeister gefunden. Sie hat gefunden, wonach sie suchte.«
    »Nein«, widersprach Artur. »Hätte sie ihn gefunden, so hätte sie doch nicht nach Ihren Geheimnissen gesucht. Was auch immer sie gefunden haben mag, es genügte jedenfalls nicht. Es hat sie vielleicht verändert, aber es reichte nicht.« Ärger regte sich in ihm; er war dieses Spiels überdrüssig, eines Spiels, das an Verrat grenzte. Er konnte den Gedanken nicht

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