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Risiko!

Risiko!

Titel: Risiko!
Autoren: Alison Kent
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natürlich. Früher war sie viel und gern mit ihrem Vater Nolan gesegelt, doch hatte sie sich vor einem Jahr mit ihm überworfen und seither keinen Fuß mehr an Deck gesetzt.
    Selbstverständlich reizte sie auch die Aussicht, über eine Woche mit Ray auf der “Indiscreet” zu verbringen. Hier
musste
sie notgedrungen herausfinden, wie viel an ihren Tagträumen dran war. Schließlich konnte man sich auf einem Boot schlecht aus dem Weg gehen.
    Also hatte sie zugesagt, unter drei Bedingungen. Und diese drei Bedingungen hatte sie anschließend eingeladen.
    Für Annabel Lee hatte sie sich entschieden, weil die sechs Partnerinnen von gIRL-gEAR einige Veränderungen in der Unternehmensstruktur erwogen. Und Annabel, die von allen “Poe” genannt wurde, war derzeit als Nachfolgerin von Chloe Zuniga im Gespräch. Chloe wollte sich in Zukunft einem neuen Förderprogramm widmen, das bald unter dem Namen gUIDANCE gIRL in Kraft treten sollte. Als Neubesetzung für ihre Stelle als Leiterin des Bereiches “Kosmetik und Accessoires” hatte sie Poe vorgeschlagen.
    Poe hatte sich in Lichtgeschwindigkeit nach oben gearbeitet, stand dafür aber bei vielen in dem Ruf, ein Feuer speiender Drache zu sein. Zwar hatte Chloe sich alle Mühe gegeben, dieses Vorurteil bei den anderen auszumerzen, doch Sydney hielt es für das Beste, Poe außerhalb des Büroalltags kennenzulernen, um sich selbst ein Bild von ihr zu machen. Ein paar Gespräche von Frau zu Frau gaben bekanntlich mehr her als die tollsten Referenzen.
    Lauren Hollister hatte Sydney aus zwei Gründen eingeladen – einem offensichtlichen und einem persönlichen. Der offensichtliche war der, dass Ray Anton Neville mitnahm. Nach über einem Jahr hatten Anton und Lauren sich kürzlich getrennt, und all ihre Freunde waren einhellig der Meinung, dass diese Trennung keinem von beiden guttat.
    Natürlich wusste Sydney, dass Kuppeleien ziemlich leicht nach hinten losgehen konnten, aber in diesem Fall musste sie das Risiko eingehen. Lauren war immerhin eine ihrer Partnerinnen bei gIRL-gEAR, und deshalb ging es hier auch um das Wohl der Firma. Lauren war in letzter Zeit kaum noch bei der Sache gewesen. Ihr Elan und ihre berühmte Konzentrationsfähigkeit schienen ihr vor lauter Liebeskummer abhanden gekommen zu sein.
    Der persönliche Grund für die Einladung Laurens war der, dass sie seit Neuestem häufiger mit Nolan zusammen war. Die aufkeimende Freundschaft zwischen ihrer Freundin und ihrem Vater beunruhigte Sydney. Sie mochte zwar eine Riesenwut auf Nolan haben, doch sie liebte ihn und wusste, dass eine kreative, sprunghafte Frau das Letzte war, was er in seinem Leben gebrauchen konnte. Darüber hinaus widerstrebte ihr die Vorstellung, Lauren und ihr Vater könnten eine heiße Affäre haben.
    Als vierte Frau an Bord hatte sie Kinsey Gray ausgewählt, eine verteufelt gute Marketingexpertin, mit der sie in diversen Kursen an der University of Texas gesessen hatte. Heute hatte Kinsey die stellvertretende Leitung des Sport- und Partybekleidungsbereichs bei gIRL-gEAR unter sich und war berühmt für ihre treffsichere Intuition, wenn es um neue Trends ging. Kinsey ging oft recht unkonventionell an die Dinge heran, wodurch sie, wie Sydney hoffte, die vorprogrammierten Spannungen innerhalb der Reisegruppe auflockern könnte.
    Und zu Spannungen kam es praktisch von der ersten Minute an.
    Sie hatten nicht einmal zwölf Seemeilen zurückgelegt, als ein Problem mit der Hydraulik der Yacht auftrat. Andererseits konnten sie froh sein, dass die “Indiscreet” ausgerechnet an dieser Stelle den Geist aufgab. So konnten sie ihr Gepäck in das Beiboot verladen und ihre Ferien von der Yacht auf die Insel verlegen, denn passenderweise lagen sie direkt vor Coconut Caye, der Privatinsel von Sydneys Vater.
    Sie hatten auf dem Zwölfmorgeneiland ohnehin einen Zwischenstopp geplant, und nun mussten sie eben die gesamte Zeit dort verbringen, während die Yacht zur Werft in Belize City zurückschipperte. Nein, eigentlich konnte sie sich nicht beklagen. Die Insel war für sie von jeher das Paradies auf Erden gewesen, und sie sollte die nächsten Tage genießen. Hier konnte sie sich ganz ihren Hobbys widmen: schwimmen, schnorcheln und sonnenbaden.
    Sosehr sie sich auch am Morgen über den Ausfall der “Indiscreet” geärgert hatte, wenn sie es genau bedachte, konnte diese Abweichung vom Plan sogar von Vorteil sein. Auf der Insel ließ sich weit leichter ein ungestörtes Plätzchen finden als auf einer Yacht.

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