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PR Andromeda 04 - Die Sternenhorcher

PR Andromeda 04 - Die Sternenhorcher

Titel: PR Andromeda 04 - Die Sternenhorcher
Autoren: Frank Böhmert
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Kapitel 1
     
    19. März
     
    Im grünen Dämmerlicht spielten einige Kinder. Sie liefen den nahe gelegenen Hohlweg entlang, und wenn sie sprachen, dann sehr lautstark, denn die Welt war voller Freunde.
    Martan Yaige war gerade auf dem Weg zu seinem Vater, als er ihre Stimmen hörte. Er zog die hölzerne Sammeltrommel, die er an einem Riemen um die Schulter trug, vor den Bauch und zwängte sich vorsichtig ins Unterholz, tastete mit den großen, wolligen Füßen nach den tückischen Wurzeln der Würmlinge und schob mit den breiten Händen ihre Zweige aus dem Weg. Nach dem Übersteigen einer halb im Boden versunkenen LeitPlanke und eines guten Dutzends tief liegender, verschlungener Äste war er auf dem Hohlweg der Kinder angelangt, zusammen mit einem daumenlangen Käfer.
    Er pflückte das lilafarbene Kerbtier, das ihm ins Fell zu krabbeln versuchte, von seinem Arm. Es ruderte mit den sechs schwarzen Beinen; die spiralförmigen Fühler drehten sich und tasteten in der Luft herum.
    »Du bist eine Schönheit, keine Frage«, sagte Martan und horchte in sich hinein. »Aber du nagst mir zu viele Löcher in meinen Vater.«
    Er warf den Käfer zum Blätterdach hinauf. Das Tier klappte die Deckflügel auf und entfaltete die Hinterflügel. Es sackte noch einmal kurz durch und verschwand dann im satten Grün; ein schwirrender, brummender Taumelwicht.
    Die Kinder waren schon ein Stück weiter vorn und jetzt leiser. Sie waren zu viert und hatten, wie es aussah, einen Flecken Kitzelmoos umstellt. Das Pflanzenwesen bewegte sich vorsichtig, als sie näher traten.
    Dass Martan hinter ihnen aufgetaucht war, bekamen die Kinder nicht mit. Sie waren völlig mit dem Kitzelmoos beschäftigt, einer harmlosen Pflanze, deren Lebensweise sie aber leicht zur Plage von Kindern werden ließ, vor allem von kleineren. Wie nur wenige andere Pflanzenarten auch hatte das Kitzelmoos es irgendwann im Lauf seiner Existenz aufgegeben, an einem festen Standort zu leben. Es suchte sich Licht, Wärme und Feuchtigkeit, wo immer es sie fand.
    Das sah tagsüber zwar lustig aus, konnte nachts ein Kind aber ziemlich plagen, wenn es noch in die Windel machte und lieber bei brennender Lampe schlief. Auch des Kitzelmooses wegen wohnten Kinder gern in Pfahlbauten.
    Das eine Mädchen trug ein rotes, schmuddeliges Kleid. Ihm wuchs noch Babyflaum auf den Wangen und Ohren, aber immerhin ging es schon barfuss. Es zückte seinen Stock.
    »Wollen wir es ... verkloppen?«, fragte es. Es hieß Laila Dama, wurde aber wegen seiner selbstgefährdenden Neigung, jede Alltagsverrichtung in ein Abenteuer zu verwandeln, von allen nur Beule genannt.
    Laila Dama war die Tochter von Martan und seiner Genossin Lily Yo. Sie war gerade drei geworden und trieb sich seitdem nur noch in der Gegend herum.
    Martan schmunzelte. Sie sei groß, hatte sie ihnen erklärt. Und zum Beweis erst einmal ein paar Nächte sonst wo verbracht.
    »Verkloppen? Wozu?«, fragte ein vielleicht doppelt so alter Junge, ein dürrer Bursche mit langen, schwarzen Haaren. Bis auf den Gürtel mit dem Kindermesser war er nackt. »Es tut doch keinem was.«
    »Wir könnten es ... tot machen«, sagte Beule und rieb mit dem Stockende ihre blonden Haarstoppeln.
    »Ein olles Kitzelmoos?«, sagte der dürre Junge. »Das kann man ja nicht mal aufessen.«
    »He, ja!«, sagte das zweite Mädchen, Beules Spielgenossin Tamara Yadana. »Verstehst du denn nicht? Es tot machen!«
    Martan schob die Trommel wieder auf den Rücken und versteckte sich hinter einem quer auf den Hohlweg gefallenen Baum, eine Kalmurinde, deren gefiederte Blätter als Badaufguss Muskelkater und schmerzhafte Zerrungen linderten. Sie hatte schon vor etlichen Jahren neu ausgeschlagen.
    Hinter dieses dichte, grelle Grün kauerte Martan sich nun, denn der Stamm allein hätte seine große, massige Gestalt kaum verborgen, von seinem orangefarbenen Hemd ganz zu schweigen.
    Die beiden Mädchen standen da und stießen das Kitzelmoos mit den Stöcken an, wenn es auf seine pflanzenhaft langsame Weise zu fliehen versuchte. Der dürre Junge hielt die Arme vor der Brust verschränkt. Der zweite Junge, der weichlicher und etwas jünger aussah und rotes, gelocktes Fell hatte, das auf den Schulterblättern in Blond überging, schaute zwischen den Mädchen und dem dürren Jungen hin und her. Dann zückte er ebenfalls seinen Stock.
    »Tot machen«, sagte er leise. Seine Augen glänzten. »Mausetot machen.«
    Martan wäre am liebsten aufgestanden.
    »Seid ihr bescheuert?« Der

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