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PR Andromeda 04 - Die Sternenhorcher

PR Andromeda 04 - Die Sternenhorcher

Titel: PR Andromeda 04 - Die Sternenhorcher
Autoren: Frank Böhmert
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schönen Tag. Sie sprachen nicht viel. Einmal fragte Vater ihn nach seiner Musik, und Martan erzählte ihm von den zwei neuen Stücken, für die sein bester Freund Shevek eigens eine größere Übersetzung an das Klangrad gebaut hatte, damit es sich schneller spielen ließ.
    Das wird eure Nachbarn aber gefreut haben , sagte Vater.
    »Und wie.« Martan grinste. »Sie sind gleich rüber gekommen.« Das war aber nur eine Geschichte. Das Klangrad stand bei
    Shevek, und der hatte keine Nachbarn. Aber hätte er welche gehabt, wären sie auf jeden Fall gekommen, um sich wieder einmal darüber auszulassen, wie kalt seine Musik klang und dass sie aus viel zu vielen Tönen bestand, die das Herz nicht erfreuten, sondern nur verwirrten - und was der Meckereien mehr waren. Die Zeiten, in denen Martan mit den Leuten über seine Musik diskutiert hatte, waren längst vorbei. Sie verstanden sie einfach nicht.
    Sein Vater verstand sie auch nicht. Er hatte Martan lieb und wollte wissen, was los war und was Martan über seine Musik dachte, aber die Musik an sich, die verstand er nicht. Martan hätte das Klangrad bis hierher auf die Lichtung geschleppt, wenn der Alte sie einmal hätte hören wollen. Aber davon sprach sein Vater nie.
    Sein Vater konnte sich, wie jeder Charandide, nur Mühe geben, das zu sein, was er war. Und je länger Martan dort schweigend saß und in das Fächerdickicht der Yimpiks schaute, durch das die Echos von Vogelschreien klirrten, je länger er sich mit seinem nicht einmal hundert Jahre jungen Rücken an den knorrigen Rücken seines Vaters lehnte, desto mehr spürte Martan wieder, dass alles richtig war, sich fügte, gut ineinander griff, und desto mehr war Martan wieder bereit, seinen Vater und diesen Käfer, seine Nachbarn und ihre Ohren, seine Tochter und ihre Bande so sein zu lassen, wie sie waren.
    Und erst dann konnte Martan wahrnehmen, dass sein Vater nicht ganz da war.
    »Was ist los?«, fragte er.
    Es gibt Krieg , sagte Vater.
    »Krieg«, sagte Martan. »Du meinst, irgendwo draußen in der Galaxis, ja?« Er richtete sich auf, ergriff einen heruntergefallenen Zweig und fetzte die lose Rinde ab. »Herrje, ihr mit eurem Sternenhorchen. Sollen die doch machen, da draußen. Irgendwo da draußen ist doch immer Krieg.«
    Aber diesmal ist nicht irgendwo Krieg , sagte Vater. Diesmal droht er der ganzen Galaxis.

Kapitel 2
     
    »Ich fasse es nicht«, sagte Martan und sprang auf. »Raumschiffe, die brennen! Die offene Mäuler haben! In denen Feuer lodern!«
    Er drehte sich zu seinem Vater herum, starrte ihm auf den Nacken. »Das klingt wie die finsteren Märchen, die wir uns als Kinder erzählt haben, wenn keine Erwachsenen zuhören konnten!«
    Ist aber die Wirklichkeit, Martan. Sie sind in der ganzen Galaxis aufgetaucht, über allen möglichen Welten.
    »Seit wann interessiert ihr Alten euch denn für Raumschiffe? Ich denke, ihr kümmert euch um Erdstrahlen und so!«
    Hörst du bitte auf, hier so herumzupoltern? Du zertrampelst sonst noch das Schratzengelege.
    Martan blieb mit einem Ruck stehen und sah nach unten. Tatsächlich, gleich neben seinem linken Fuß war unter einem Büschel Baumtropfen ein kleines Nest mit Eiern versteckt. Die Schratzen hockten zwei Yimpiks weiter im Geäst und beschimpften ihn.
    Er starrte seinem Vater auf den rutensprießenden Hinterkopf, dann machte er ein paar vorsichtige Schritte bis zu dessen linken Ellbogen. Er sah ihm in die verholzten, blinden Augen.
    »Ich«, sagte er und bemühte sich um einen leiseren Ton dabei, »hab damals Mordsärger gekriegt wegen des Raumschiffs.«
    Das ist über achtzig Jahre her, Sohn. Und ihr habt damals nicht nach einem gelauscht, ihr habt eins geflogen. Und damit beinah vierzehn Leute umgebracht.
    Daran ließ Martan sich nicht gern erinnern. Es war das Schlimmste gewesen, was er in seinem Leben je angestellt hatte.
    »Ich denke, ihr Alten kümmert euch um Erdstrahlen und so«, sagte er. »Um Erdstrahlen und Wasseradern und Ätherströme und planetarische Rhythmen und kosmische Einflüsse und darum, dass ...«
    Brennende Raumschiffe, die über deinem Planeten auftauchen und deine Stadt in Schutt und Asche legen, sind ein kosmischer Einfluss, Martan.
    »Und darum, ob die astralen und die ätherischen Kräfte im Gleichgewicht sind«, schob Martan hinterher. Dann ließ er die Stirn auf Vaters Arm sinken, drückte sie richtig gegen die Rinde. Und fühlte sich umarmt.
    Auf einmal hatte er das Bild vor Augen, wie sie beide damals auf dieser Lichtung

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