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PR 2681 – Welt aus Hass

PR 2681 – Welt aus Hass

Titel: PR 2681 – Welt aus Hass
Autoren: Leo Lukas
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»Was für kranke, lächerliche Puppen wir doch sind, und auf welch ekliger, kleiner Bühne wir tanzen ... Unwissend, dass wir nichts sind; dass wir nicht sind, was wir sein sollten.«
    John Does Tagebuch (im Film »7«)
     
    »Ganz im Gegensatz zu dem, was die meisten Menschen glauben, war oder hatte niemand je ein Selbst ... Nach allem, was wir gegenwärtig wissen, gibt es kein Ding, keine einzelne unteilbare Entität, die wir selbst sind, weder im Gehirn noch in irgendeiner metaphysischen Sphäre jenseits dieser Welt. Wenn wir daher vom bewussten Erleben als einem subjektiven Phänomen sprechen, dann stellt sich die folgende Frage: Was ist eigentlich die Entität, die diese Erlebnisse hat?«
    Thomas Metzinger, »Der Ego-Tunnel«
     
    *
     
    Prolog
    Der Absturz
     
    Ich falle.
    Durch große Leere taumle ich dem Untergang entgegen. Schutzlos, hilflos, verwundet vom Dolchstoß, den eine Hand führte, die ich mir gewogen wähnte.
    Obwohl ich mein Bestes gegeben, meine Rolle makellos – um nicht zu sagen: brillant – gespielt habe, ließ man mich fallen. Nein, das ist nicht korrekt. Man warf mich weg, stieß mich hinunter ins Trübe.
    Narr, der ich war, glaubte ich bis zuletzt an meine Bestimmung. Daran, dass mein Beitrag erwünscht wäre; dass mein Wort gehört und bedacht würde.
    Dass meine Handlungen einen Unterschied ausmachen könnten ...
    Ich lache, lache mich selbst aus, ohne mein Lachen zu hören. In den Ohren rauscht der Wind: Schande, Falschheit, Schmach!
    Während ich falle, versuche ich, mich für den Aufprall zu wappnen. Ich möchte ihn bewusst erleben, meinen letzten Moment, als finalen Genuss. Ultimater Schmerz, ultimate Lust.
    Und dann: Vorhang.
    Für immer.
    Sofern man mir Abgangsapplaus spendet – falls ich überhaupt ein Publikum habe –, werde ich nichts mehr davon mitbekommen. Schade.
    Aber dafür muss ich mich auch nicht mehr über die Kritiken ärgern.
    Jetzt muss es dann bald so weit sein. Gefühlsmäßig stürze ich schon eine halbe Ewigkeit.
    Leider sehe ich fast nichts. Meine Augen sind verklebt von Tränensekret. Es mischt sich mit dem Blut, das aus der Stichwunde in meiner Brust sprudelt. Oder ist es Schmieröl?
    Bin ich etwa kein biologisches Wesen?
    Unsinn! Ich sterbe doch soeben, ergo muss ich gelebt haben.
    Meine Erinnerung trügt nicht. Zwar will mir gerade mein Name nicht einfallen, aber ich entsinne mich großer Gefühle: Freude, Triumph. Leidenschaftliche Liebe.
    Jüngst kam die Qual des Verschmähten hinzu; und zum Schluss Hass auf die Verräter.
    Den Hass spüre ich am deutlichsten. Ich schmecke ihn im Mund wie heißes, flüssiges Metall.
    Mir scheint, ich mag diesen Geschmack. Während ich falle, blind und taub, schweißt er mein Ich zusammen zu einer harten Kugel, einem stählernen Geschoss.
    Eine Böe erfasst mich. Nein, eher ein Sog, der meine Flugbahn verändert. Etwas zieht mich an, wie magnetisch.
    Oder bin ich der Magnet?
    Die Schleier lichten sich. Ich kann den Boden der Schlucht erkennen; rasch kommt er näher.
    Alles voller Schrott. Die ganze Schlucht ist eine einzige rostbraune Schrotthalde, schrundig und verrottet, totes Metall, in beiden Richtungen so weit das Auge reicht.
    Das wird tüchtig scheppern, denke ich noch.
    Ich gebe zu, es gibt gelungenere letzte Worte.

1.
    Irritationen
    3AB-020-5000 Adoc-Lian
     
    Ein Mensch, ein gnomenhaftes Kunstgeschöpf und zwei Leichname verließen den Planeten Nahroin.
    Zurück blieb ein lebloser, humanoider Roboter, zur Statue erstarrt in kniender Haltung, die Arme erhoben, als flehe er demütig um Vergebung. In dieser Hülle hatte für kurze Zeit Sholoubwa gesteckt, der geniale kosmische Konstrukteur, Schöpfer unter anderem des BOTNETZES.
    Auch das Weltenschiff, mit dem der Terraner und sein kleinwüchsiger Begleiter flogen, hatte Sholoubwa gebaut. Allerdings hielten sich Alaska Saedelaere und Eroin Blitzer nicht in der Zentrale des gigantischen Kugelraumers auf, sondern in jener der SCHRAUBE-B, die in einen Hangar des Weltenschiffs eingeschleust hatte.
    »Du bist wirklich sicher, dass du den Koloss von hier aus kommandieren kannst?«, fragte Saedelaere leise, ohne den Kopf zu heben. Er saß auf einem schlichten, quaderförmigen Hocker und hatte eine Entspannungs- und Meditationshaltung eingenommen, die nach einem antiken Fahrzeuglenker Droschkenkutschersitz genannt wurde.
    »Absolut«, antwortete Eroin Blitzer. »Dieses Schiff benötigt keinen Steuermann. Die Zielkoordinaten einzugeben genügt vollkommen.«
    »Wie lange

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