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Macabros 075: Ustur - In den Ketten des Unheimlichen

Macabros 075: Ustur - In den Ketten des Unheimlichen

Titel: Macabros 075: Ustur - In den Ketten des Unheimlichen
Autoren: Dan Shocker
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Der Mann am geschlossenen Fenster blickte hinaus in die
Finsternis.
    »Ich habe Angst, Marga«, murmelte er plötzlich und
wischte nervös über die Stirn, wo der Schweiß perlte.
»Ich habe das Gefühl, daß jemand in der Nähe
ist, daß wir beobachtet werden…«
    Wie ein Schatten tauchte die Frau im Dunkeln neben ihm auf.
»Du bist gereizt und übermüdet«, flüsterte
sie. Mechanisch tastete sie nach seinem Arm.
    Der Griff war leicht, kaum spürbar. Schlank und zerbrechlich
wirkten die Hände, wie man sie bei einer sensiblen
Künstlerin fand. »Es ist schon spät. Komm, Ullrich
– leg’ dich hin. Das wird dir gut tun.«
    Ullrich Koster wandte nicht mal den Blick und schüttelte
heftig den Kopf. Wie gebannt starrte er nach draußen und
durchbohrte mit seinen Blicken die unheimliche Schwärze. Nur
schwach nahm er die Umrisse der dicht stehenden Büsche und
Bäume wahr. Dahinter begann das flache Land. Das Haus stand am
Rand der Heide.
    »Du könntest mir einen Gefällen tun, Marga«,
sagte er unvermittelt.
    »Und welchen?«
    »Würdest du bitte versuchen, Kontakt mit dem Jenseits
aufzunehmen?«
    »Wenn ich in der Lage dazu bin - sofort, und wenn es dir
hilft, werde ich alles daran setzen, Lena zu rufen. Die Idee ist
übrigens gar nicht so schlecht. Hast du immer noch dieses
Gefühl der Unruhe und der Angst?«
    »Ja.«
    Koster zog die Gardinen vor und wandte sich dann um.
    Seine Schwester knipste eine Tischlampe an, die nur
gedämpftes Licht spendete. Der Schein reichte gerade aus, die
bescheidene Einrichtung in ihren Umrissen erkennbar zu machen.
    In einer Nische neben dem Fenster stand ein runder Tisch, um den
sich drei alte, gepolsterte Stühle gruppierten.
    Was besonders in diesem Zimmer auffiel, war die Tatsache,
daß überall im Raum verteilt mehrere Kameras standen. An
der Wand über dem Tisch hing eine Sofortbildkamera genau in
Augenhöhe des Mannes, als er sich seiner Schwester
gegenüber setzte.
    »Wir werden bedroht, Marga«, sagte er abwesend, mit
zittriger Stimme. Seine Augen blickten nervös. »Seit Tagen
spüre ich es. Doch so deutlich, wie heute abend, habe ich es
noch nie gefühlt.«
    »Willst du es erst auf deine Weise versuchen – und dann
ich auf meine?« fragte Marga Koster unvermittelt.
    »Ich bin viel zu aufgeregt und unruhig, als daß ich
mich konzentrieren könnte. Aber auf einen Versuch soll es mir
nicht ankommen…« Mit diesen Worten richtete Ullrich Koster
seinen Blick auf die Sofortbildkamera gegenüber und schloß
langsam, wie unter einem inneren Zwang die Augen.
    Das Gesicht des Mannes wirkte wie versteinert. Er bot ein Bild
höchster Konzentration.
    In dem kleinen Raum war es so still, daß man eine Stecknadel
hätte fallen hören. Es gab kein Fernsehgerät, kein
Radio, nicht mal eine Uhr, die die Stille mit ihrem monotonen
Geräusch beeinträchtigt hätte.
    Das alles war beabsichtigt.
    Fünf Sekunden dauerte dieses äußere Bild der
Konzentration, dann bewegten sich die Lippen in dem versteinerten
Gesicht des Mannes.
    »Ich habe es versucht… aber, ob etwas dabei
herausgekommen ist, bezweifle ich.«
    Koster erhob sich, griff nach der Kamera und zog das Bild aus dem
Schlitz, sechzig Sekunden lang wartend, bis es sich entwickelt
hatte.
    Ein uneingeweihter Beobachter dieser Szene hätte nicht
begriffen, was hier vorging.
    Aber für Marga Koster war das alles völlig normal.
    Ullrich Koster war ein Medium. Er verfügte über die
Gabe, durch reine Gedankenkraft Bilder auf lichtempfindliches Papier
zu projizieren. Manchmal ohne Absicht, manchmal ganz bewußt,
konnte er bestimmte Motive aus allen Teilen der Welt auf dem
Fotopapier entstehen lassen.
    Aber das war noch nicht alles.
    Ullrich Koster war auch fähig, zukünftige Ereignisse in
die Bilder aufzunehmen. In zahllosen Versuchen, die das medialbegabte
Geschwisterpaar in eigener Verantwortung und ohne irgendwelche Zeugen
und Beobachter durchgeführt hatte, war diese Besonderheit
eindeutig zutage gefördert worden.
    Wenn Ullrich und Marga Koster aufgrund der Auswertung der Bilder
erkannten, wo genau die Stelle sich befand, die auf dem
lichtempfindlichen Papier sich durch ein besonderes Bauwerk oder
einen deutlich erkennbaren Hinweis auszeichnete, dann fuhren sie
dorthin.
    In den meisten Fällen waren auf den Bildern nicht nur
Bauwerke zu sehen, sondern auch Menschen. Dabei stellte sich heraus,
daß sich kein einziges Mal die Personen an jenem Ort
aufgehalten hatten, wo Ullrich Kosters Gedanken sie fotografisch
festhielten.
    In

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