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Hurra, die Lage wird ernst

Hurra, die Lage wird ernst

Titel: Hurra, die Lage wird ernst
Autoren: Annette Bell
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spitzte. Gierig
langte der Detektiv nach dem Zigarettenpäckchen auf dem Tisch, schnippte ein
Stäbchen heraus und hielt es Anja hin.
    »Danke«, wehrte sie ab. »Was — was
ist passiert? Sind die Pläne etwa verschwunden?«
    Debray kniff ein Auge zu und blies
die dreihundertfünfundachtzigste Qualmwolke in die Luft.
    »Fast richtig kombiniert. Nein, sie
sind nicht weg, man hat sie fotokopiert. Man nimmt an, daß sie fotokopiert
wurden. Gewisse Anzeichen deuten darauf hin. Aber selbst der Verdacht ist
schließlich Grund genug, um der Sache nachzugehen. Der Erfolg jahrelanger
Bemühungen steht schließlich auf dem Spiel. Der neue Wagen sollte auf der
Ausstellung wie eine Bombe einschlagen. Man versprach sich besonders viel von
diesem Überraschungsmoment.«
    »Aber ich verstehe nichts von Autos.
Außer bei meinem Fiat 500 weiß ich nicht einmal, ob der Motor vorne oder hinten
ist. Spezielle Kenntnisse in technischen Dingen besitze ich nicht, für mich war
bisher nur eines wichtig: Hauptsache, so ein Ding läuft.« Enttäuscht ließ Anja
ihre Hände in den Schoß sinken.
    »Das brauchen Sie auch nicht«,
erklärte unser neuer Brötchengeber. »Viel wichtiger ist, daß Sie Ihre
Nachforschungen richtig anpacken.«
    »Und wo ist dabei der Pferdefuß, von
dem Sie sprachen?«
    »Gemach, gemach, mein Fräulein, auf
die Schattenseiten kommen wir sofort. Der ganze Auftrag ist ein Ding mit Haken
und Ösen.«
     
    Ja,
so konnte man es nennen. Nachdem Herr Debray alle Karten auf den Nußbaumtisch
geblättert hatte, stand folgendes fest: Das Angebot, das dieser Mister X
unserem Herrn Debray gemacht hatte, war, gelinde gesagt, unverschämt. Und er
hätte diesem Herrn auch, wie er sagte, sofort die Tür gezeigt, wenn ihn nicht
der in Aussicht gestellte fünfstellige Betrag davon zurückgehalten hätte. Also,
bei Spesenvorauszahlung verlangte der Mann, daß man ihm jede Woche einen
Bericht über den Stand der Dinge ablieferte, ihm die kopierten Pläne
herbeischaffte, aushändigte und den Täter nannte. Dafür war er bereit,
zehntausend Mark zu zahlen, jedoch nur unter der Voraussetzung, daß alle drei
Forderungen erfüllt wurden.
    Nun, welcher vernünftige Mensch läßt
sich auf einen solchen Handel ein, wenn ihm nicht das Wasser am Halse steht?
Wenn er als einzigen Anhaltspunkt zwei Namen genannt bekommt, Namen von Leuten,
die er weder kennt noch weiß, wie sie aussehen. Sonst nichts, kein Hinweis,
keine vernünftige Ausgangsposition, und das alles, im schlechtesten Falle, für
nichts. Wer ist wohl so dumm, ein solches Risiko einzugehen?
    Bei meiner Schande, ich muß es
gestehen: Anja. Sie akzeptierte. Sofort, ohne lange zu überlegen übernahm sie
den Auftrag, und unser Sherlock Holmes war’s zufrieden.
    Rücksichtslos gegen sich selbst
hatte er Anja die Augen geöffnet, auch über sich. Hatte ihr den Zahn gezogen
vom tollen Draufgänger, der die Lieblingsfrauen beturbanter Ölscheichs
beschützt, der Millionäre zu seinen Kunden zählt und ihnen Verfolger vom Leibe
hält und Brillanten wieder herbeischafft. Unser Kettenraucher war froh, wenn er
ungetreuen Ehemännern auf ihren Schleichpfaden nachpirschen durfte und wenn es
ihm gelang, in Kaufhäusern diversen kleptomanischen Händen ihr unauffälliges
Handwerk zu legen. Nein, Herr Debray war zwar ein, wie er sagte, guter, aber
kein sehr berühmter Detektiv. Oliver Jantzen, sein Gehilfe, war Mädchen für
alles, und für beide war Kleinarbeit genug zu tun, so daß sie es sich nicht
erlauben konnten, die Stadt zu verlassen, ohne bereits eingegangene
Beschattungsverpflichtungen zu vernachlässigen. Wie gerne hätte er sich, sagte
er, auf diesen außergewöhnlichen Auftrag gestürzt, wäre es ihm möglich gewesen.
Ganz abgesehen von dem Haufen Geld, den er dabei verdient hätte, denn dessen
war sich Herr Debray sicher, er hätte die Knoten gelöst, er hätte diesen Fall
geklärt, den er jetzt mit einem resignierten Achselzucken Anja übertrug.
    Er war fair, das muß man sagen. Er
hatte nichts verschwiegen, hatte ihr das Risiko klar und deutlich vor Augen
geführt. Wenn sie es dennoch eingehen wollte, er konnte nichts dabei verlieren,
nur gewinnen, und das hatte er, wie er sagte, bitter nötig, weil der Mensch
schließlich leben müsse.
    »Aber warum mieten Sie sich dann in
einem so feudalen Bürohaus ein?« Eine berechtigte Frage, fand ich.
    »Fassade, mein Fräulein, alles
Fassade. Die Mäuse brauchen ihren Speck, wenn man sie fangen will, und
finanzkräftige Kunden ein

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