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Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück: Roman (German Edition)

Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück: Roman (German Edition)

Titel: Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück: Roman (German Edition)
Autoren: Angelika Schwarzhuber
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Daniela.
    »Osterbrunch bei Mama. Sonst habe ich noch nichts vor, außer jeden Tag lange zu schlafen und mich mit Bettina Cornelius zu beschäftigen.«
    »Lange schlafen klingt gut. Sag mal, hast du Lust, mit uns ein Picknick im Englischen Garten zu machen?«
    »Ja, warum nicht?« Ich würde es mir überlegen.
    In diesem Moment klingelte mein privates Handy.
    »Hallo Mama!«, meldete ich mich vergnügt am Telefon. »Gerade habe ich von dir gesprochen. Wann ist denn die große Ostersause geplant?«
    »Daraus wird leider nichts werden, Hanna. Es … es tut mir leid, aber deine Oma Berta ist heute früh gestorben.«

Kapitel 4
    Keine zwei Stunden später saß ich im Zug und war auf dem Weg nach Passau. Meine Mutter konnte erst am Tag der Beerdigung, die nach den Osterfeiertagen stattfinden sollte, nach Niederbayern fahren, weil sie das Haus mit Verwandten ihres Mannes voll hatte. Ich war also alleine unterwegs.
    Mein Cousin Max würde mich später am Bahnhof abholen und mich nach Halling bringen. Das war der Name des kleinen Ortes in der Nähe von Passau, in dem sich der Bauernhof meiner Oma befand.
    Berta war meine Oma väterlicherseits. Wie meine Mutter mir am Telefon erzählte, hatte sie einen Schwächeanfall erlitten, als sie gerade dabei gewesen war, hinter dem Haus einen Obstbaum zuzuschneiden. Sie hatte sich beim Sturz von der Leiter das Genick gebrochen.
    Ich konnte es kaum fassen, dass Oma wirklich gestorben sein sollte. Sie war noch mit ihren achtundsiebzig Jahren eine beeindruckende Frau gewesen, die jeden Tag auf dem Hof gearbeitet hatte. Und Arbeiten hieß bei ihr nicht nur Kochen und Wäsche waschen. Berta war zäh und schuftete wie ein Mann, manchmal auch wie zwei Männer.
    Sie war niemals eine liebevolle Omi gewesen. Eine, die mit den Enkeln Kuchen buk, Ostereier färbte oder an verregneten Sonntagnachmittagen eine lustige Geschichte vorlas. Als Kind hatte ich immer ein wenig Angst vor ihrem harschen Ton und strengen Blick gehabt und war ihr aus dem Weg gegangen, wann immer es möglich war.
    Man sollte ja nicht böse über die Toten sprechen, vor allem, wenn sie noch nicht mal unter der Erde waren, aber ehrlich gesagt war Berta eine wirklich schlimme Zwiderwurzn gewesen. Genau das Gegenteil von Opa Bernhard, der eine Seele von einem Mann gewesen war.
    Bis zu meinem dreizehnten Lebensjahr war ich als Einzelkind auf dem Hof aufgewachsen. Es war – abgesehen von meiner grantigen Oma – eine wundervolle, unbeschwerte Zeit gewesen. Bis zu diesem einen schrecklichen Tag, als mein Vater Lorenz auf dem Feld zusammenbrach und ein paar Stunden später im Krankenhaus starb. Ein Aneurysma hatte ihn das Leben gekostet. Und das mit gerade einmal sechsunddreißig Jahren. Wenige Tage nach der Beerdigung beschloss meine Mutter Hermine, mit mir ein neues Leben in München zu beginnen. Auf dem Hof bei Oma Berta wollte sie unter keinen Umständen bleiben. Die beiden hatten sich noch nie leiden können.
    Ich war noch zu geschockt vom Tod meines Vaters gewesen, um richtig zu realisieren, dass ich durch den Umzug nach München mein gewohntes Umfeld verlassen musste. Mama versuchte, mich so gut es ging von meinem Heimweh nach Halling und der Trauer um meinen Vater abzulenken, doch meist war ich es, die sie aufmunterte. Ich hatte es nie ertragen können, sie unglücklich zu sehen. Die Witwenrente und ihr Anteil am Erbe und an der stattlichen Lebensversicherung, die Vater abgeschlossen hatte, ermöglichten es meiner Mutter, ihren bislang geheimen Traum endlich zu leben: Sie holte ihr Jurastudium nach. Dabei lernte sie den einige Jahre jüngeren Dieter kennen. Lange Zeit trafen sie sich nur heimlich, um mich nicht zu verletzen. Vier Jahre lang spielten sie dieses Spielchen. Dabei wusste ich längst, dass Mama einen Freund hatte.
    Erst an meinem achtzehnten Geburtstag nahm sie Dieter mit zu uns nach Hause. Sie war total aufgeregt und errötete wie ein Teenager, als sie ihn mir vorstellte. Ich tat so, als ob ich völlig überrascht sei, und das schien es auch zu sein, was Mutter wollte. Seit dem Tod meines Vaters war ich geübt darin, alles zu tun, nur damit sie glücklich war.
    Dieter war ein wirklich netter Mann, aber kein Ersatz für meinen Vater. Das wollte er auch nicht sein. Lieber arbeitete er auf eigenen Nachwuchs hin. Und so kam es, dass ich im zarten Alter von zwanzig Jahren meinen Status als Einzelkind verlor. Ich war die große Schwester einer derzeit noch zaghaft pubertierenden Dreizehnjährigen namens Pauline.
    »Die

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