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Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück: Roman (German Edition)

Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück: Roman (German Edition)

Titel: Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück: Roman (German Edition)
Autoren: Angelika Schwarzhuber
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seinem besten Freund? Weil er es bei seiner Abfahrt selbst noch nicht genau gewusst hatte? Er hatte sich mit seinem Rucksack an den Straßenrand gestellt und war per Anhalter gefahren. Eigentlich wollte er in Richtung Süden. Ans Meer. Doch zunächst war er hier gelandet.
    Was für eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet seine Liebe zur Freiheit ihn jetzt zu einem Gefangenen dieses Berges gemacht hatte. Niemand würde ihn hier suchen. Niemand würde ihm helfen.
    Es schneite immer stärker, und Wolfgang fror erbärmlich. Er holte aus dem Rucksack die wenigen Kleidungsstücke, die er eingepackt hatte und zog sie an.
    Er vermisste seine Freundin, so sehr, wie er noch nie im Leben einen Menschen vermisst hatte. Er wollte ihr so viel sagen!
    Wolfgang hatte immer einen Schreibblock dabei, um seine vielen Ideen zu notieren, wenn er unterwegs war. Er wollte einmal Schriftsteller werden. Das war sein großer Lebenstraum.
    Um seine Hände aufzuwärmen, rieb er die Handflächen heftig gegeneinander und ignorierte dabei den Schmerz im Arm so gut es ging. Dann begann er mit zitternder Hand zu schreiben.
    Es war kein allzu langer Brief, den er schrieb. Doch es dauerte eine Weile, bis er fertig war. Dann riss er die Seiten aus dem Schreibblock, faltete sie, steckte sie in die leere Brotzeitdose und verstaute diese in seinem Rucksack.
    Endlich ließ der Schneefall ein wenig nach. Nicht mehr lange und die Nacht würde hereinbrechen. Wolfgang wusste, wenn er hier blieb, wäre das sein sicherer Tod. Die einzige Chance zu überleben war ein Abstieg ins Tal. Und Wolfgang wollte überleben …

Kapitel 2
    Es war unglaublich. Egal wie zeitig ich losfuhr, ich schaffte es auf eine wundersame Weise immer, zu spät zu kommen. Genau jetzt in dieser Minute sollte ich mich mit Frank Cornelius im Café Himbeere am Rande der Münchner Fußgängerzone treffen. Ich radelte noch schneller und bog in halsbrecherischer Geschwindigkeit in eine Seitenstraße ein. Nicht zum ersten Mal bedauerte ich es, dass mein schnuckeliger Opel Corsa kürzlich Opfer eines dringend notwendigen Sparprogrammes geworden war. Doch daran wollte ich jetzt nicht denken. Ich musste mich auf den Job konzentrieren, denn ich brauchte das Geld dringend.
    Fünf Minuten später sperrte ich mein Fahrrad ab, öffnete hastig meinen Pferdeschwanz und schüttelte meine blonde lange Mähne, bis sie locker über meine Schultern fiel. Ich zog die Jacke meines dunkelblauen Hosenanzugs zurecht. Noch schnell die riesige Sonnenbrille aufgesetzt, einmal tief Luft geholt und dann betrat ich langsam und ruhig, als ob ich gerade aus einem Taxi gestiegen wäre, das kleine Café. Es war nicht viel los, denn die meisten Leute genossen an diesem wunderschönen Apriltag die ersten warmen Sonnenstrahlen des Frühlings.
    Frank Cornelius saß in der Ecke an einem kleinen Tisch und trug genau wie ich eine dunkle Sonnenbrille. Zumindest vermutete ich, dass er es war. Wir wollten beide nicht erkannt werden. Ich war ihm vorher noch nie begegnet. Da jedoch kein anderer Mann um die fünfzig im Café war, steuerte ich direkt auf den attraktiven Mann mit dem vollen graumelierten Haar zu.
    »Herr Cornelius?«
    Er stand auf und reichte mir die Hand. Sie war warm und fest.
    »Es tut mir leid, dass ich mich verspätet habe«, entschuldigte ich mich. Es tat mir wirklich leid, meine Unpünktlichkeit fand ich selbst ganz schrecklich.
    »Kein Problem. Setzen Sie sich doch bitte«, begrüßte er mich mit einem charmanten Lächeln und zeigte dabei eine Reihe strahlend weißer Zähne, die so perfekt waren, dass sie nie und nimmer natürlichen Ursprungs sein konnten.
    »Ich freue mich, Sie kennenzulernen, Bea.«
    Dass er mich so nannte, zeigte mir, dass er tatsächlich der Mann war, mit dem ich hier verabredet war. Bea war natürlich nicht mein richtiger Name, sondern von meinem Firmennamen abgeleitet: BeauCadeau hieß meine Firma, was so viel bedeutete wie »Schönes Geschenk«.
    Meinen richtigen Namen – Hanna Gruber – kannte er genauso wenig wie meine übrigen Kunden, die übrigens ausschließlich männlich waren.
    Zum Glück redete ich in meinem privaten Umfeld so gut wie nie über meinen Job. Ein französischer Firmenname und ausschließlich männliche Kunden, die meinen richtigen Namen nicht kannten? Das hätte auf die meisten Leute, die ich kannte, ziemlich … naja … merkwürdig gewirkt. Aber ich war weder eine Prostituierte, noch führte ich einen Escort-Service. Ich war eine bodenständige Geschäftsfrau.

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