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Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück: Roman (German Edition)

Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück: Roman (German Edition)

Titel: Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück: Roman (German Edition)
Autoren: Angelika Schwarzhuber
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Zumindest meistens.
    Nur ein einziger Mann wusste, wer sich hinter BeauCadeau verbarg. Mein Freund Mike. Mike, also Michael, war kein Beziehungsfreund, sondern mein Wie-eine-beste-Freundin-Freund. Er betrieb zusammen mit seiner Frau Miriam eine gut gehende Bar in Schwabing. Mike war es auch, der mich auf die Idee gebracht hatte, BeauCadeau ins Leben zu rufen. Vor drei Jahren hatte ich ihm mit dem Tipp für ein besonderes Geschenk für Miriam einen großen Gefallen getan. Seitdem vermittelte er mich diskret an Geschäftsfreunde oder Gäste in seinem Lokal. Und zwar ohne einen Cent Provision zu verlangen.
    Ich hatte mich darauf spezialisiert, für Ehefrauen, Geliebte, Mütter, anspruchsvolle Töchter oder manchmal auch für fleißige Sekretärinnen besondere Geschenke zu allen möglichen Anlässen zu finden. Meine Provision betrug zehn Prozent des Kaufpreises, egal wie hoch das Budget war. Und das war manchmal sehr ordentlich. So ordentlich, dass ich von der Provision leben und mir sogar halbtags eine Mitarbeiterin leisten konnte: Daniela.
    Meine Geschäftsidee hatte sich mittlerweile als erstaunlich lukrativ erwiesen. Die meisten erfolgreichen Männer hatten wenig Zeit, sich wegen einer Überraschung den Kopf zu zerbrechen. Und auch andere Männer taten sich bekanntermaßen nicht immer leicht, passende Geschenke für ihre Frauen zu finden. Ich meine wirklich passende Geschenke, über die sich eine Frau auch wirklich freute.
    Seltsamerweise hatten vor allem reiche Männer dieses Problem. Es war kaum zu glauben, aber es war offensichtlich einfacher, jemandem mit geringen Mitteln eine Freude zu bereiten, als eine reiche Frau mit einem teuren Geschenk zu überraschen.
    Und hier kam ich auf den Plan. Ich bekam ein Budget und einige Informationen über die Frau und begann dann herauszufinden, was sie sich wünschte. Manchmal war es einfach, und die neueste Louis-Vuitton-Tasche zauberte der Beschenkten ein Strahlen ins Gesicht und Tränen des Glücks in die Augen. Wenn die Frau glücklich war, bekam es der Mann meist noch in derselben Nacht zu spüren. Was wiederum den Mann sehr glücklich machte. Und sich positiv auf einen Bonus für mich auswirken konnte.
    Meist jedoch war es schwieriger, und ich musste fast schon detektivische Arbeit leisten, um herauszufinden, worüber die Frauen sich wirklich freuten.
    Das verrückteste Geschenk, das ich jemals vermittelt hatte, war ein vergoldeter Nachttopf, auf den Ludwig der XIV . schon seinen königlichen Hintern gesetzt hatte. Antiquität hin oder her, warum man sich so etwas wünschte, blieb mir schleierhaft. Ich konnte es genauso wenig verstehen wie Schönheitsoperationen, die leider immer öfter auf dem Wunschzettel der Frauen standen.
    Das Wichtigste in meinem Geschäft war absolute Diskretion. Die Frauen durften natürlich niemals erfahren, dass ihr Mann, Liebhaber, Vater, Sohn oder Chef sich nicht persönlich um ein Geschenk bemüht hatte. Da verstanden Frauen keinen Spaß.
    BeauCadeau konnte man nicht im Internet finden, es gab keine Prospekte und auf den Visitenkarten standen nur BeauCadeau und zwei Handynummern. Mein Geschäft lebte ausschließlich durch Mundpropaganda. Deswegen war es umso wichtiger, dass die Männer mit mir zufrieden waren.
    Ich hatte sogar einige Abo-Kunden, die sich total darauf verließen, dass ich sämtliche Geschenke, die im Laufe eines Jahres anfielen, organisierte. Jetzt, kurz vor Ostern, hatten Daniela und ich natürlich einiges zu tun.
    »Eine Tasse Kaffee, bitte«, bestellte ich bei der rothaarigen Bedienung, bevor Frank Cornelius und ich uns dem Geschäftlichen zuwandten.
    »Meine Frau wird am 10. Juli vierzig. Sie ist sehr anspruchsvoll, Bea. Es wird nicht leicht sein, für sie ein Geschenk zu finden.«
    »Ach, machen Sie sich da mal keine Gedanken«, beruhigte ich ihn, ganz die selbstbewusste Geschäftsfrau, die ich eigentlich gar nicht war. »Bis dahin ist es ja noch eine ganze Weile hin.« Und außerdem hatte ich noch immer das Passende gefunden.
    Die Bedienung brachte den Kaffee, und wir unterbrachen kurz unser Gespräch. Dann rückte er über dem Tisch mit dem Kopf ganz nah an mich heran, so dass unsere Sonnenbrillen fast aneinanderstießen.
    »Wir haben erst vor zwei Jahren geheiratet. Ich liebe diese Frau wie keine Frau je zuvor. Und ich will, dass dieses Geschenk ihr genau das zeigt.«
    Was für ein wundervoller Mann, dachte ich, fast ein wenig neidisch. Manche Frauen hatten aber auch wirklich unendliches Glück bei der Auswahl ihrer

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