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Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück: Roman (German Edition)

Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück: Roman (German Edition)

Titel: Hochzeitsstrudel und Zwetschgenglück: Roman (German Edition)
Autoren: Angelika Schwarzhuber
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verplant und in mein neues Büro investiert. Als wäre das noch nicht genug, flatterte mir vom Finanzamt auch noch ein dicker Nachzahlungsbescheid ins Haus. Ganz zu schweigen von den Steuerberaterrechnungen für die Leistungen der letzten beiden Jahre, die ausgerechnet jetzt fällig wurden.
    Ich kam mir vor wie in einem Hamsterrad. Je mehr ich verdiente, desto mehr musste ich abgeben. Dabei leistete ich mir selbst kaum mehr als zu Beginn meiner Selbständigkeit. Ich hatte fast alles wieder in das Geschäft gesteckt. Doch mit dem Geld von Cornelius würde ich nicht nur auf einen Schlag alle Schulden begleichen und Daniela als Mitarbeiterin behalten, sondern auch noch ein Polster für Notzeiten anlegen können. Und das Beste daran war, dass ich noch in den nächsten Tagen eine Vorauszahlung bekommen sollte. Das Geld würde zwar gerade einmal dafür reichen, meinen Steuerberater bei Laune zu halten und dem Finanzamt mit einer kleinen Anzahlung meinen guten Willen zu zeigen, doch damit war schon mal viel gewonnen.
    »Ich bin so froh, Hanna«, sagte Daniela glücklich, und ihre dunkelblauen Augen blitzten verräterisch. Hoffentlich fing sie jetzt nicht an zu heulen! Daniela wusste natürlich, wie es um die Firma stand, und lebte seit Wochen in der ständigen Angst, dass ich ihr kündigen müsste.
    »Und ich erst! Total froh! Darauf müssen wir anstoßen!«, rief ich fröhlich und öffnete den Kühlschrank in der kleinen Kochnische. Doch der Inhalt gab nicht allzu viel her, was sich zum Feiern eignen würde. Nur noch ein letzter Rest des Eierlikörs war da, den wir ab und zu über Kuchen oder Eis gossen, wenn uns am Nachmittag die Lust auf etwas Süßes überkam. Was leider allzu oft der Fall war und nicht gerade günstig für meine Figur.
    Während Daniela essen konnte wie ein Scheunendrescher, ohne ihre Kleidergröße 36 in irgendeiner Weise zu gefährden, kämpfte ich ständig darum, meinen BMI unter 25 zu halten und nicht in den Status »Pummelchen« zu fallen. Ich war zwar nicht dick, aber auch nicht gerade gertenschlank. Und mit meinen knappen 1,63 war natürlich jedes Pfund, das ich zunahm, deutlicher zu erkennen, als bei einer Frau, die einen Kopf größer war als ich.
    Aber heute wollte ich mir über meine Figur keine Gedanken machen, sondern war einfach nur glücklich und dankbar über den lukrativen Auftrag.
    Ich verteilte den Rest auf zwei Gläser, und wir stießen mit dem Eierlikör auf Frank Cornelius an.
    »Prost!«
    »Prost! Auf den Cornelius und seine Frau!«
    »Hast du schon genaue Informationen über sie?«, fragte Daniela neugierig. Es war immer der spannendste Teil unserer Arbeit, Details über die Frauen zu erfahren.
    Ich schüttelte den Kopf.
    »Er schickt die Daten heute noch per E-Mail. Ach Daniela, ich bin so erleichtert, dass wir diese schwierige Zeit überstanden haben.« Ich stellte das Glas zur Seite und umarmte meine fast gleichaltrige Mitarbeiterin, die mir inzwischen zu einer sehr guten Freundin geworden war.
    »Und ich erst«, seufzte Daniela, die zusätzlich zur Arbeit bei mir ab und zu als Bedienung bei Mike jobbte, um sich und ihren vierjährigen Sohn Benny durchzubringen. Der Vater des Jungen zahlte zwar pünktlich Unterhalt, aber der machte das Kraut auch nicht wirklich fett, weil er recht wenig verdiente und deshalb auch wenig zahlte. Wenigstens kümmerte er sich regelmäßig um den Kleinen.
    Ich holte aus meiner Handtasche meinen letzten Fünfzigeuroschein und drückte ihn Daniela in die Hand.
    »Hier. Damit du Benny einen großen Osterhasen kaufen kannst«, sagte ich, glücklich, dass ich ihr eine Freude machen konnte.
    »Danke, Hanna! Danke!«
    »Hey, bloß nicht heulen jetzt, sonst knöpf ich dir den Fufzger wieder ab«, sagte ich und grinste schief. Ich hasste Tränen, bei anderen Leuten und bei mir noch viel mehr.
    »Okay.« Sie schniefte und zwinkerte ein paarmal. Dann lächelte sie.
    Es war schon erstaunlich, wie glücklich so kleine Scheinchen einen Menschen machen konnten – oder wie unglücklich, wenn sie ausblieben. Erstaunlich und bedenklich. Vielleicht war un-glücklich aber auch das falsche Wort für diesen Zustand. Geldprobleme konnten einen geradezu panisch vor Angst machen und einem schlaflose Nächte mit bedrückenden Alpträumen bescheren. Eigentlich ging es den meisten Menschen ja nicht so sehr darum, sich mit Geld Glück zu erkaufen, was ohnehin nicht möglich war, sondern sich damit die Angst vom Leib zu halten.
    »Was machst du denn Ostern?«, fragte

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