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Hexen Kuss. Liebes-Zauber - Leidenschaft des Blutes

Hexen Kuss. Liebes-Zauber - Leidenschaft des Blutes

Titel: Hexen Kuss. Liebes-Zauber - Leidenschaft des Blutes
Autoren: Tatana Fedorovna
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Die Liebe zur Allervollkommensten
     
    Wir schrieben das Jahr 1912, aber draußen wiederholte sich ein ewiger Zyklus. Der Herbst ließ die ersten Blätter zu Boden fallen, gelbe, rote und braune. Wenn die Kinder die bunten Häufchen mit den Füßen auseinander stießen, raschelten diese zärtlich über die Straße. Das erinnerte wohl jeden Menschen an die eigene Kindheit.
    Auch für mich war es eine wunderschöne Jahreszeit, allerdings verbrachte ich sie lieber daheim mit Mathematik – mit einer Gleichung, um meine große Liebe zu finden: Grimm Schereschewski plus x … Wer würde dieses x sein? Schon tagelang saß ich in meiner Arbeitsstube. Unser Domizil befand sich im Zentrum von Moskau. Zusammen mit Mama und unseren Bediensteten lebte ich in diesem prachtvollen Quartier. Das im klassizistischen Stil errichtete prachtvolle Palais und der dazugehörige Park gehörten uns allein. Wir zählten zu den zehn reichsten Familien in Russland. In etwa vier Jahren, zum Zeitpunkt der Volljährigkeit, würde ich gewaltige Reichtümer erben. Mein Vater hatte sie mir zugedacht. Er war seit drei Jahren verschollen und ich sein einziger Sohn. Mir war jedoch im Moment anderes wichtiger.
    Gestern Nachmittag waren ungewöhnliche Laute aus dem Schlafzimmer meiner Mutter gedrungen und hatten den Fluss meiner Gedanken gestört. Obwohl ich meine Arbeit nicht mal zum Essen unterbrechen mochte, ließ mich die Unruhe nicht los. Was ging dort unten vor?
    Also schlich ich auf leisen Sohlen durch den altehrwürdigen Treppensaal und den langen Flur zum Gemach entlang. Die dicken Teppiche dämpften die Schritte, jedoch knarrte ab und an eine der hölzernen Dielen, die darunterlagen.
    Durch den Türspalt des Schlafzimmers sah ich, wie ein merkwürdiges dürres Männchen, das ein Monokel an der riesigen, roten Nase festgeklemmt hatte, mit knochigen Händen meine halbnackte Mutter untersuchte. Ihre prallen Brüste waren vollkommen nackt.
    Es war offenbar der neue Arzt, von dem sie mir bereits etwas vorgeschwärmt hatte. Angeblich war die Moskauer Gesellschaft, besser gesagt ihre geschwätzige Bekanntschaft, von dem Medikus aus der Provinz begeistert. Der Kerl mit der roten Nase wollte in der besseren Gesellschaft Fuß fassen und ließ sich unter den Frauen weiterempfehlen. Der Mediziner sah ganz anders aus, als ich ihn mir vorgestellt hatte. Vollkommen ungeniert griff er meiner Mutter an ihr volles Mieder.
    „ Oh, wie straff Ihre Bälle noch sind, wie wunderbar die helle Haut duftet!“, verkündete der Dreiste und schnüffelte mit seinem überdimensionalen Zinken genüsslich an ihrem Hals. Seine flinken Hände machten sich daran, weitere Gefilde meiner geliebten Mama zu erkunden.
    „ Sie scherzen!“, gluckste sie. „Seit dem Verschwinden meines Mannes bin ich so einsam, dass ich glatt verwelke!“
    „ Meine Ärmste, die Blume muss unbedingt begossen werden! Beugen Sie mal den Oberkörper über das Bett!“, wies der Arzt sie an und schob ihren Rock erfahren hoch.
    Empört wollte ich mich bemerkbar machen und diesen Vorgang unterbrechen. Waren das überhaupt  medizinische Untersuchungen?
    Doch der lieben Mama gefielen die gewagten Griffe und Komplimente. Sie kicherte bei jeder Berührung des dürren Nasenbären. So kokett hatte ich sie noch nie erlebt.
    Um vollkommen ungestört die versteckten Orte zu untersuchen, stand der Unverschämte auf und kam zur Doppeltür. Sicher wollte er die angelehnten Holzflügel ganz schließen.
    Unruhig atmend versteckte ich mich hinter einem weißen Pfeiler, der neben der Tür stand. Aber mein Davonhuschen blieb nicht unbemerkt. Sein Auge, das hinter dem Monokel riesig wirkte, funkelte den Flur ab.
    „Mir war, als hätte ich jemanden gehört“, murmelte er gnomenhaft.
    „ Keine Sorge, das war nur ein Mäuschen“, beruhigte ihn seine willige Patientin. „Wir haben leider Gottes viel zu viele davon. Lassen Sie uns die Untersuchung fortsetzen!“
    Meine Mama ermunterte diese Nase sogar noch. Also konnte das Ganze so falsch nicht sein.
    „Ich bringe das nächste Mal etwas Arsen mit, da verrecken sie schnell!“ Aus dem trockenen Mund des Arztes klang das äußerst bösartig. Aber jetzt wechselte der widerliche Kerl von seinen Mordgedanken zu erwartungsvoller Vorfreude, schloss den Türflügel und kicherte schrill wie ein Transvestit.
    Das Weitere wollte ich gar nicht hören oder anderswie mitbekommen. Mir wurde schon bei dem Gedanken an dieses Tun übel. Als fast erwachsener Sohn sieht man die eigene Mutter

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