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Gefangen in der Schreckenskammer

Gefangen in der Schreckenskammer

Titel: Gefangen in der Schreckenskammer
Autoren: Stefan Wolf
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1. Die Horror-Mönche
     
    Im Hallenbad dampfte die Luft. Hier war
Hochsommer, was die Hitze betraf, draußen Februar und damit eiskalter Winter.
Der Abend breitete seine Dunkelheit über die Stadt, und im Wettkampfbecken —
auf Bahn sechs — kraulte Gaby, genannt Pfote, die letzten Meter zum Startblock.
    Sie schlug an. Christa Zehner, die
Schwimmtrainerin, sah auf die Stoppuhr.
    „Gute Zeit, Gaby. 12,50! Für heute
reicht es. Raus aus dem Wasser! Soll ich dich nachher im Wagen mitnehmen?“
    „Vielen Dank! Aber meine Mammi holt
mich ab.“
    Gaby stemmte sich über den Rand und
streifte die Badekappe ab. Ihr Goldhaar fiel über die Schultern, und der Pony
war ganz dunkel vor Nässe.
    Zehn Minuten später hatte sie sich
winterfest angezogen und die Haare gefönt. Badeanzug und Frotteetuch steckten
in einem Beutel. Sie ging zum Eingang, nickte der Kassiererin zu und stellte
sich wartend an die Glastür.
    Ein Wetter! dachte sie. Nicht mal Oskar
will Gassi gehen. Seit Tage nur Schneeregen, überall nur Matsch.
    Sie spähte hinaus. Die Straße war wie
ausgestorben.
    In der Schwimmhalle tummelten sich nur
noch wenige Leute. Aber draußen auf dem Parkplatz standen ein paar Dutzend
Wagen. Er wurde auch von den Anliegern der Straße benutzt.
    19.54 Uhr.
    Tatsächlich! Heute hatte Frau Zehner
das Training früher beendet. Klar! Auch eine Trainerin hat nicht jeden Tag
gleich viel Lust. Aber Gabys Mutter, Frau Glockner, wollte erst um 20 Uhr hier
sein.
    Gaby pustete gegen ihren Pony. Er hob
sich wie ein Vorhang aus Seide — war also trocken. Im übrigen hatte sie ihre
blaue Wollmütze mit. Hier im Vorraum war es unerträglich, richtig stickig und
heiß.
    Sie klemmte ihren Beutel unter den Arm
und ging hinaus. Feuchte Schneeflocken fielen. Der Himmel schien einen unerschöpflichen
Vorrat zu haben. Gay stiefelte los, wollte zu dem Wartehäuschen der
Bushaltestelle. Dort mußte ihre Mammi mit dem Wagen vorbeikommen.
    Kastanienbäume — fünf insgesamt —
trennten den Parkplatz von der Fahrbahn. Die nächste Laterne war vorn bei dem
Wartehäuschen. Gaby blickte auf. Hinter dem dritten Baumstamm schien sich ein
Schatten zu bewegen.
    „Einbildung!“ dachte sie. Aber sie war
erschrocken. Ihr wurde bewußt, daß sie sich mutterseelenallein in einer dunklen
Ecke der Großstadt befand. Da kann alles passieren, doch nur selten was Gutes.
    „Ich warte drin“, beschloß sie. „Egal,
ob es stickig und heiß ist.“ Sie machte kehrt. Und erstarrte.
    Eine Gestalt stand hinter ihr, hatte
sich lautlos angepirscht. Wie aus dem Boden gewachsen, keine Armlänge entfernt.
Ein Mann? Gabys Herz begann zu hämmern. Die Gestalt war viel größer als sie und
in einen dunklen Umhang gehüllt.

    Gaby machte einen Schritt nach rechts,
um vorbeizugehen.
    Auch die Gestalt bewegte sich zur Seite
— vertrat ihr den Weg.
    Die Laterne warf einen Lichtschein,
wenig nur, aber er fiel auf das Gesicht des Unbekannten.
    Gabys Atem stockte. Ihr Herz vergaß den
nächsten Schlag. Was sie sah, war ein — Totenschädel.
    „Mein Gott!“ stammelte sie. „Haben Sie
mich erschreckt. Aber es ist ja noch Fasching. Viel Spaß beim Gespenster-Ball!
Sie kriegen bestimmt den ersten Preis.“
    Sie wich nach links aus, um nun endlich
vorbeizukommen. Aber der Typ hinter der Totenkopfmaske bewies eine
aufdringliche Art von Humor.
    Wieder versperrte er ihr den Weg.
    „Ich bin hier“, knarrte eine
Grabesstimme, „um dich in mein Reich zu holen. In das Reich der Horror-Mönche.“
    Ein Blitz der Erinnerung zuckte Gaby
durchs Gehirn. Horror-Mönche...
    Weiter konnte sie nicht denken. Sie
schrie auf, als sie hinterrücks gepackt wurde. Ein Arm Umschlag sie, als wollte
er sie zerbrechen. Ein stinkiger Lappen wurde auf ihr Gesicht gepreßt.
Betäubender Geruch stieg durch die Nase ins Gehirn.
    Sie strampelte, schlug um sich,
versuchte zu beißen — und verlor das Bewußtsein.
    „Gut gemacht, Umberto!“ raunzte der
Totenschädel. „Halt ihr den Lappen weiter auf die Nase. Damit sie lange genug
schläft.“
    Umberto, ebenfalls in einen schwarzen
Umhang gehüllt, hatte das Gesicht abgewandt, um nicht selbst das
Betäubungsmittel einzuatmen. Er trug eine Frankenstein-Maske — häßlich wie ein
Alptraum.
    Weit vorn, am Anfang der Straße, bog
der städtische Bus der Linie 26 ein.
    „Schnell!“ zischte Umberto. „Nimm sie
bei den Füßen, Severin.“ Das war der mit dem Totenschädel.
    Umberto und Severin — so hießen sie
nicht wirklich. Aber sie hielten sich streng an

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