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Feinde aus dem Jenseits

Feinde aus dem Jenseits

Titel: Feinde aus dem Jenseits
Autoren: Keith Laumer
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Teil l
     
1
     
    Die Spätnachmittagssonne fiel schräg durch das verstaubte Laub und zeichnete ein Muster auf die Tische des Straßen-Cafés. Als sich David einen Stuhl zurechtrückte, kam ein Kellner mit fleckiger Schürze näher. Seine Bewegungen waren müde.
    »Si, Señor«, begrüßte er David und bot ihm eine zerfledderte spanisch-englische Speisekarte an.
    »Nur ein paar Tacos und eine Tasse Kaffee«, sagte David, eingedenk der wenigen zerknitterten Geldscheine, die er noch besaß. Der Kellner knurrte und wandte sich ab. Aus dem Innern drang eine traurige, südamerikanische Melodie, verzerrt durch das blecherne Geräusch des Radiogeräts.
    David saß mit dem Rücken zum Baum da und beobachtete die anderen Gäste auf der kleinen Terrasse. Es waren unscheinbare, einfach gekleidete Südtexaner. Wie er selbst waren sie hier, weil das Essen billig war, nicht weil sie es gut fanden.
    Es lag schon eine geraume Zeit zurück, seit David Vincent eine anständige Mahlzeit zu sich genommen hatte. Die Kleider umschlotterten seine hagere, aber immer noch kraftvolle Gestalt. Sonne und Wind hatten das durchfurchte Gesicht tief gebräunt und seinem blonden Haar einen Silberschimmer gegeben. Er lebte als Nomade – seit jener erschütternden Erlebnisse, die ihm bewiesen hatten, daß sich Geschöpfe, die wie Menschen aussahen, aber keine waren, auf der Erde befanden.
    Sein ganzes Streben bestand jetzt darin, eine Spur zu entdecken, die ihn zu den Invasoren führen würde. Denn nur wenn er sie fand, konnte er darauf hoffen, die Öffentlichkeit zu überzeugen – zu überzeugen, daß die Erde von Fremden angegriffen wurde – von Feinden aus dem Jenseits …
    Die Musik hatte ausgesetzt. Nun hörte man die Stimme eines Ansagers. Erst nach einiger Zeit drang die Bedeutung der heruntergeleierten Worte in Davids Gedanken ein:
    »… Frachter Cornubia im Golf von Mexiko gesunken. Die Schiffahrtsbehörden weigern sich, zu der Aussage eines Seemanns Stellung zu nehmen, der behauptet, daß das Schiff ein Opfer eines feindlichen Angriffs wurde. Der einzige Überlebende der Katastrophe, der infolge der erlittenen Verletzungen noch im Krankenhaus liegt, erklärte, daß das Schiff von einer unheimlich wirksamen Waffe vernichtet wurde. Er beschrieb sie als eine Art riesigen Desintegrator-Strahl … «
    Der Stuhl kippte um, als David aufsprang und dem Klang des Radioapparats nachging. Der Kellner, der mit einem Tablett aus dem Innenraum auftauchte, rief ihm etwas zu. David hörte nicht auf ihn, sondern konzentrierte sich auf den Bericht.
    »… das Gebiet war zur Zeit des Sinkens völlig unbefahren, was eine feindliche Aktion ausschließt. Wie ein Sprecher der Regierung erklärte, handelt es sich bei der Ursache der schrecklichen Katastrophe höchstwahrscheinlich um eine Art Taifun, der das Schiff mitsamt der einundzwanzigköpfigen Besatzung in die Tiefe riß …«
    »Aber, Señor, Sie können doch nicht einfach da hereinkommen …« Der Kellner stand neben David. »Es ist ein Privatraum.«
    »Schon gut, ich habe das Wichtigste gehört«, sagte David und wandte sich ab.
    »Señor, Ihr Kaffee ist …«
    »Lassen Sie den Kaffee.« David drückte dem Mann einen Schein in die Hand. »Ich habe mich eben daran erinnert, daß ich weiter südlich noch etwas zu tun habe …« Der Mann starrte ihm nach, als er die Terrasse überquerte und auf die dämmerige Straße hinaustrat.
     
    *
     
    Die Dämmerung hatte wieder eingesetzt, als David sein Taxi in einer schmalen Seitenstraße der alten Hafenstadt bezahlte. Er hatte inzwischen ein paar hundert Meilen zurückgelegt.
    David sah die unbeleuchtete Straße entlang und ging dann auf ein düsteres, rotes Backsteingebäude zu, das sich zwei Straßen weiter vorn zwischen Palmen und immergrünen Eichen erhob. Ein schmaler, mit Zinnen gekrönter Turm ragte dunkel in den rot gefärbten Himmel.
    Die schmiedeeisernen Tore standen offen. Die Fenster des geräumigen Gebäudes strahlten in der zunehmenden Dunkelheit ein unfreundliches, bleiches Gelb aus. In eine Granittafel über der Eingangstür aus dunkler Eiche waren die Worte FÜRSORGE-KRANKENHAUS eingegraben.
    David ging hinein und stand in einem braun getünchten Korridor mit niedriger Decke, in dem es nach Desinfektionsmitteln roch. Eine ältliche Schwester in gestärkter, strenger weißer Tracht saß an einem Schreibtisch am anderen Ende des Raumes. In der Stille waren nur Davids Schritte zu hören.
    »Soviel ich hörte, befindet sich Mister Ladislaw in

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