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Ein neuer Anfang?

Ein neuer Anfang?

Titel: Ein neuer Anfang?
Autoren: SHARON KENDRICK , Pößneck GGP Media
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1. KAPITEL
    Adam Blacks graue Augen glänzten hell wie das Meer, wenn im Winter die Sonne darauf schien. „Weshalb haben Sie mich herbestellt, Vaughn?“ fragte er sanft.
    Der Alte im Rollstuhl blickte zu dem großen, dunkelhaarigen Mann auf, der den Raum beherrschte. „Ich hasse es, jemanden um einen Gefallen bitten zu müssen“, antwortete er schroff. „Sogar wenn es sich um dich handelt.“
    „Dann sind wir quitt. Ich hasse es, anderen einen Gefallen zu erweisen.“ Adams harte Miene wurde etwas weicher. Er musste zugeben, dass Vaughn einen unbeugsamen Charakter besaß. Darin waren sie sich ähnlich. „Trotzdem mache ich in Ihrem Fall eine Ausnahme. Worum geht’s denn?“
    Der alte Mann schwieg. „Erinnerst du dich an meine Enkelin Kiloran?“ fragte er dann. „Sie leitet Lacey’s. In letzter Zeit hat es Probleme gegeben. Große Probleme sogar.“
    Kiloran? Adam überlegte. Ah, jetzt erinnerte er sich. Er sah ein Mädchen mit Zöpfen und grünen Augen vor sich. Trotz ihrer fleckigen Jeans und der Zöpfe war sie eine kleine Prinzessin gewesen. Denn die Laceys hatten zu den Reichen gehört, während er arm gewesen war.
    „Ja, ich kann mich undeutlich an sie erinnern. Damals war sie noch ein Kind. Neun Jahre alt vielleicht. Oder zehn.“
    „Dann ist es sehr lange her. Sie ist kein Kind mehr, sondern eine erwachsene Frau von sechsundzwanzig.“
    Vaughn wirkte jetzt sentimental. „Ihre Mutter erinnerst du bestimmt. Jeder weiß, wer Eleanor ist.“
    Als der Alte diesen Namen nannte, fiel Adam ein längst vergessenes Erlebnis wieder ein. Er hatte es, wie so vieles, all die Jahre verdrängt. Vaughns Worte erwiesen sich als der Schlüssel zu seinem Innern.
    „Ja, an Eleanor kann ich mich gut erinnern“, sagte Adam nachdenklich.
    Er war damals achtzehn gewesen. Groß, schlank, muskulös und sonnengebräunt. Der Sommer war heiß gewesen. Eigentlich zu heiß, um den ganzen Tag lang schwere Kisten auf Laster zu laden. Aber das war damals sein Job gewesen. Mit Hilfe dieses Jobs hatte er das schlimmste Tief überwunden, das er je hatte durchstehen müssen. Es schien ihm eine halbe Ewigkeit her zu sein!
    Eleanor musste damals etwa vierzig gewesen sein. Oder etwas älter? Vielleicht auch jünger? Schwer zu sagen bei Frauen in dem Alter. Eins war sie jedoch ganz sicher gewesen: eine Frau, nach der sich die Männer umdrehten.
    Ging Eleanor vorbei, legten die Männer im Lagerhaus eine Pause ein und blickten ihr lüstern nach. Sie kam oft wie zufällig in der Fabrik vorbei, nur mit engen Jeansshorts und einem noch engeren T-Shirt bekleidet, das über ihren Brüsten spannte. Die schöne Witwe, die man auch die Schwarze Witwe hätte nennen können, wenn ihr Haar nicht blond gewesen wäre.
    Adam hörte sich schweigend an, was die Arbeiter über sie redeten: Eleanor spielte gern mit den Männern. Sie anzusehen war erlaubt, mehr nicht. Hände weg von Eleanor! Ihre soziale Stellung schützte sie. Sie war die Tochter des Chefs.
    Eleanor wusste um die Macht ihrer Sexualität. Ihre starke, unverkennbar erotische Ausstrahlung war in jenen heißen Sommernächten sicher der Stoff für viele sexuelle Fantasien.
    Nur er träumte nicht von ihr.
    Irgendetwas an ihr stieß ihn ab. Er wich ihren verführerischen Blicken aus. Vielleicht erinnerte sie ihn zu stark an das, was er zu Hause erlebt hatte.
    Ihr war er sofort aufgefallen. Weil er anders war als die anderen. Intelligenter, kräftiger, größer und durchtrainierter. Außerdem sah er besser aus als die fest angestellten Lagerarbeiter, und er blickte ihr nicht nach. Manche Frauen liebten eben gerade die Herausforderung.
    Eleanor hatte gewartet, bis sein Vertrag bei Lacey’s beinah abgelaufen war. Erst eine Woche vor seinem letzten Arbeitstag machte sie sich an ihn heran. Vermutlich wollte sie das Risiko vermeiden, sich zu langweilen oder ihren Vater zu verärgern. Denn Vaughn achtete strikt darauf, dass alle die Regeln einhielten. Abgesehen davon, dass er zu jung für sie war, war Adam als mittelloser Spross einer Familie aus dem Armenviertel in keiner Hinsicht etwas für Vaughns Tochter.
    Doch Eleanor hatte ihre eigenen Vorstellungen.
    An einem sehr heißen Sommertag, als der Boden unter den Füßen brannte, brachte sie ihm eine Flasche Bier mit. Es war das erste Mal, dass er Alkohol trank. Aber der Tag war zu heiß, das kühle Nass zu verlockend, und als er es getrunken hatte, fühlte er sich kühner als vorher. Trotzdem wahrte er Abstand. Eleanor saß in der Scheune im Heu und

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