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Ein neuer Anfang?

Ein neuer Anfang?

Titel: Ein neuer Anfang?
Autoren: SHARON KENDRICK , Pößneck GGP Media
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Und er trug einen tadellosen schwarzen Anzug, als wäre er aus beruflichen Gründen gekommen.
    Kiloran erinnerte sich an einen jungen Mann mit nacktem, sonnengebräuntem Oberkörper, der ausgeblichene Jeans trug. Es fiel ihr schwer, ihn mit dem Mann in Verbindung zu bringen, der jetzt vor ihr stand und wie ein erfolgreicher Geschäftsmann wirkte.
    Was, in aller Welt, wollte er hier?
    Plötzlich wusste sie, warum der Name Adam Black ihr so bekannt vorkam. Nicht nur, weil dieser Mann einen Sommer lang harte körperliche Arbeit für ihren Großvater verrichtet hatte.
    Adam Black, der Adam Black, befand sich hier in ihrem Vorstandszimmer? Der Mann, der in den Wirtschaftsmagazinen „Der Hai“ genannt wurde, weil er so kühl und unnachgiebig war? Jetzt war sie noch erstaunter als zuvor. Und verwirrt. Wie jeder, der etwas mit Wirtschaft zu tun hatte, hatte sie Berichte über Adam Black gelesen. Sein Name wurde immer mal wieder im Zusammenhang mit Fusionen oder bei Firmenübernahmen erwähnt. Auch in den Klatschspalten tauchte er regelmäßig auf. Da er sehr fotogen war, liebten ihn die Pressefotografen ebenso sehr wie die Frauen. Durfte man den Boulevardblättern glauben, so hatte er schon viele Frauen geliebt und wieder verlassen. Oder vielleicht nicht unbedingt geliebt. Verlassen schon eher.
    Warum also war dieser Mann hier? Kiloran sah ihn verwirrt an.
    „Du erinnerst dich?“ fragte Vaughn. „Meine Enkelin Kiloran.“
    Adam nickte ihr kurz zu. „Es ist schon lange her.“
    Sehr lange, dachte er. Die Frau, die ihm jetzt gegenüberstand, hatte kaum Ähnlichkeit mit dem Mädchen mit den Zöpfen. Sie trug ein Kleid, das ebenso dunkelgrün war wie ihre Augen, und ihre langen Beine zeichneten sich durch den dünnen Stoff ab. Aber selbst so großartige Beine konnten nicht von ihren vollen Brüsten ablenken.
    Sie trug das blonde Haar in einem festen Knoten im Nacken. Es war das Haar ihrer Mutter. Auch die Augen waren die gleichen. Jedenfalls hatten sie dieselbe Farbe. Damit hörte die Familienähnlichkeit jedoch auf. Denn Kiloran sah ihn nicht verführerisch und anzüglich an wie ihre Mutter damals, sondern erwiderte seinen Blick kühl und abschätzend. Das war allerdings nur ein erster Eindruck. Frauen trugen so viele Masken. Wer konnte schon sagen, was für eine Frau Kiloran Lacey tatsächlich war?
    Aber zumindest äußerlich wirkte sie perfekt.
    Ihre Haut war zart und makellos und bildete einen lebhaften Kontrast zu den grünen Augen. Die vollen Lippen luden zum Küssen ein. Ja, Kiloran Lacey war eine Frau, deren Schönheit in einem früheren Jahrhundert Scharen von Malern anzogen hätte.
    Sie blickte ihn abwartend und ein wenig ablehnend an, ganz so, als hätte er kein Recht, hier zu sein. Adam fand ihren leichten Schmollmund sehr anziehend, und ihre Haltung weckte sein Interesse. Lag es daran, dass Kiloran nicht lächelte? Die meisten Frauen versuchten sofort, mit ihm zu flirten. Diesmal war es anders.
    „Guten Tag“, grüßte er.
    „Würde wohl jemand so gut sein, mir zu erklären, was hier vorgeht?“ fragte Kiloran gelassen. „Ich verstehe nicht ganz, warum Sie gekommen sind, Mr. Black.“ Sie lächelte höflich.
    „Nennen Sie mich doch Adam.“ Er erwiderte das Lächeln. „Bitte.“
    Seine überlegene Haltung und die arrogante Selbstsicherheit brachten Kiloran langsam, aber sicher auf die Palme. Wie konnte er es wagen, aufzutreten, als hätte er jedes Recht, den Ton anzugeben und so zu tun, als wäre sie überflüssig! Sie hätte ihn gern wesentlich unhöflicher angeredet als mit dem Vornamen!
    Doch sie atmete tief durch und sagte kühl: „Guten Tag, Adam. Was für eine Überraschung!“
    „Ich habe Adam gebeten, den vollen Umfang der Unterschlagung festzustellen“, verkündete ihr Großvater.
    Unterschlagung. So ein schreckliches Wort. Dass es die Wahrheit war, machte es nicht leichter. Es hatte nur eines redegewandten Buchhalters bedurft, der ihr einen Haufen überzeugender Lügen auftischte, um sie hereinzulegen.
    „Du weißt, dass ich bereits daran arbeite!“ protestierte Kiloran.
    „Ja, aber Sie sind persönlich in die Sache verstrickt“, erklärte Adam. „Deshalb ist es leider nicht ganz so einfach.“
    Ungläubig sah sie ihn an. „Wollen Sie damit andeuten, ich hätte meine eigene Firma bestohlen?“
    „Nein, natürlich nicht“, antwortete er höflich. „Aber im Gegensatz zu mir wären Sie nicht imstande, sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen und dabei unvoreingenommen zu

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