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Ein Herz voll Liebe

Ein Herz voll Liebe

Titel: Ein Herz voll Liebe
Autoren: Annette Broadrick
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1. KAPITEL
    „Heiliger Himmel, wenn das nicht Mollie O’Brien ist! Schön, dich wieder zu sehen. Wann bist du vom College heimgekommen, meine Liebe?”
    Mollie blieb auf den Treppenstufen des Postamts von Agua Verde stehen. Eine leichte Brise umschmeichelte ihr Gesicht und nahm der texanischen Sonne ein wenig von ihrer sengenden Hitze. “Hallo, Mrs. Krueger”, erwiderte Mollie. Lydia Krueger war ihre Sonntagsschullehrerin gewesen. „Ich bin gestern angekommen, um mit den anderen Maribeths Examen zu feiern. Wir schreiben nächste Woche noch Klausuren, dann sind Sommerferien, und ich komme heim. Wie geht es Ihnen?”
    „Danke, ich kann nicht klagen. Megan wird sicher froh sein, dass du in den Ferien zu Hause bist. Sie hat ja mit ihrem Baby alle Hände voll zu tun und wird Hilfe im Haushalt nötig haben. Wie alt ist der Kleine jetzt?”
    Mollie lächelte und gab bereitwillig Auskunft. „Danny ist sieben Monate alt und unglaublich süß. Ich habe ihn total vermisst, als ich auf dem College war. Babys entwickeln sich so furchtbar schnell, dass man vieles verpasst, wenn man wegfährt.”
    „Das ist nicht nur mit Babys so”, entgegnete Mrs. Krueger lächelnd. „Mir scheint es unglaublich, dass ihr O’Brien-Mädels schon so groß seid. Ich sehe immer noch Megan vor mir, wie sie darum kämpfte, die Familie zusammenzuhalten. Du und Maribeth, ihr wart ja gerade mal in der Grundschule. Und jetzt ist sie Mutter, und ihr beiden geht aufs College. Ich kann da kaum noch Schritt halten.”
    “Ja, ich weiß, was Sie meinen”, antwortete Mollie. „Ich bin vier Jahre älter als Megan beim Tod unserer Eltern, und ich bin nicht sicher, ob ich die Verantwortung, die sie damals übernommen hat, tragen könnte.”
    „Sie hat es prima hingekrie gt, kann ich dir versichern.” Lydia Krueger blickte auf ihre Armbanduhr. „Ich muss weiter”, sagte sie dann. „Es war schön, dich zu sehen, meine Liebe.
    Grüß deine Familie, und gib dem Baby einen Kuss von mir.”
    „Mache ich, Mrs. Krueger.” Mollie wollte gerade das Postamt betreten, als Mrs. Krueger sie noch einmal rief.
    „Oh, Mollie, da wir gerade von Babys sprachen … ist das nicht eine traurige Sache mit Deke Crandall?”
    Mollie erstarrte bei der unerwarteten Nennung dieses Namens. Dann ging sie zurück zu Lydia.
    „Was ist mit Deke?” brachte sie stockend heraus.
    „Hat Megan es dir nicht berichtet?”
    Mollie schüttelte den Kopf.
    „Na ja, Patsy, seine Frau, hat vor einigen Wochen ein Kind bekommen”, erläuterte Lydia.
    „Irgendwann im April. Ein kleines Mädchen. Ich weiß nicht genau, was nachher passierte, aber Patsy bekam irgendeine Art von Fieber. Die Ärzte waren machtlos.” Sie schüttelte nachdenklich den Kopf. „Ich glaube, das Kind war gerade mal drei Tage alt, als Patsy starb.”
    ,,O mein Gott”, flüsterte Mollie erschrocken. „Wie entsetzlich. Deke muss völlig am Ende sein.”
    Lydia nickte heftig. „Allerdings. Es ist das schrecklichste Ereignis hier in dieser Gegend seit Jahren. Aus dem gesamten Gebiet kamen die Leute zur Beerdigung. Es zerriss einem förmlich das Herz, wenn man Deke sah. Er saß reglos vor dem Sarg und starrte hinein. Dass sich noch andere Menschen im Raum befanden, nahm er überhaupt nicht wahr. Wenn sie ihn ansprachen, reagierte er nicht. Er saß nur da und blickte auf seine tote Frau. Einen Zusammenbruch hat er allerdings nicht erlitten - jedenfalls nicht im Beisein anderer Leute.”
    Sie seufzte. „Ich habe keine Ahnung, was aus ihm und dem armen Baby werden soll.”
    „Was meinen Sie damit?”
    „Sei der Beerdigung hat er sich in seinem Zimmer verbarrikadiert. Sicher, er leidet, aber er hat schließlich eine kleine Tochter, um die er sich kümmern müsste. Wir machen uns alle große Sorgen um die beiden.”
    „Wer sorgt denn für das Baby?” wollte Mollie wissen.
    „Erinnerst du dich an die Schultzes, die in der Nähe von Crandalls Farm wohnen?
    Jedenfalls, Cynthia Schultze hat gemeinsam mit ihren Freundinnen aus der kirchlichen Frauengruppe einen Rund-um-die-Uhr-Service für das Baby eingerichtet. Jeweils eine von ihnen bleibt einen Tag und eine Nacht im Haus der Crandalls. Sie kochen auch für Deke, obwohl er nicht gerade viel zu essen scheint”, fügte sie resigniert hinzu. „Keine Ahnung, wie lange das so gehen soll. Zunächst nahmen sie an, es würde ein oder zwei Wochen dauern, bis Deke sich erholt hat und in der Lage wäre, eine Haushälterin und Kinderfrau einzustellen. So ein süßes Baby.” In

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