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Dollbohrer!

Dollbohrer!

Titel: Dollbohrer!
Autoren: Hendrik Nachtsheim
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Wie alles begann …
    Anfang letzten Jahres fanden im hessischen Teil des Odenwalds, genauer gesagt ziemlich in der Mitte zwischen Brensbach und Groß-Bieberau, von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene Ausgrabungen statt. Eine Gruppe von Archäologiestudenten der Fachhochschule Darmstadt stieß dabei auf sehr viel mehr als auf die erhofften Tierfossilien oder Überbleibsel prähistorischer Werkzeuge.
    Durch einen glücklichen Zufall (der von ihnen dazu gemietete Baggerfahrer, ein in Semd bei Groß-Umstadt ansässiger Serbe mit schlesischem Hintergrund, war aufgrund zu starken Alkoholgenusses am Steuer seines Gefährts eingenickt, dann vornüber auf den Führungshebel der Baggerschaufel gesunken, wodurch er sie mit unglaublicher Wucht auf die Erde rammte) wurde bei den Grabungsarbeiten zunächst ein großes Erdloch erzeugt, bei dessen genauerer Begehung dann wiederum ein freigelegter Eingang entdeckt (und dem Serben zudem ein Bruch des Jochbeins beschert, weshalb ihm die später oft zitierte Formulierung »glücklicher Zufall« etwas unpassend erschien). Der durch diese Umstände offengelegte Eingang führte die Studenten in ein riesiges unterirdisches Höhlensystem, dessen verschiedene Kammern ihnen wiederum Schätze offenbarten, die in Archäologenkreisen für großes Aufsehen sorgten und die man durchaus als historisch, wenn nicht gar sensationell bezeichnen durfte. Wusste man beispielsweise bislang nur, dass es im Jahre 1716 mal das berühmte, wenn auch mittlerweile verschollene Bernsteinzimmer gegeben hatte, musste man jetzt einräumen, dass es offensichtlich schon sehr viel früher ein Handkäszimmer gegeben hatte, das man jetzt komplett und weitgehend unversehrt hatte freilegen können! Und als wäre dies nicht schon Sensation genug, fanden sich in diesen über die Jahrtausende erhärteten Handkäswänden komplette und vollkommen erhaltene menschliche Gebisse, offenbar von damals hier lebenden Odenwäldern. Als man diese sorgfältig aus ihrer Schicht befreite, fingen sie plötzlich an zu klappern, um kurz darauf sogar zu sprechen! »Des gibt’s doch gar net!«, »Ach, herrlisch, endlisch widder frei, endlisch widder babbeln« und »Es lebe de Odenwald!«, riefen sie fröhlich. Und so groß anfangs die Begeisterung der Archäologiestudenten über diesen scheinbar lustigen Fund auch war, so schnell kippte diese, als man nach ein paar Stunden feststellen musste, dass die Gebisse nicht gewillt waren, auch nur mal für eine Minute Ruhe zu geben. Was zur logischen Folge hatte, dass man sie schon bald kurzerhand einige Kilometer weiter in einem dunklen und unbewohnten Teil des Odenwaldes wieder aussetzte und sie dort sich selbst überließ.
    Einer der Studenten, der in der Nähe des Ausgrabungsortes bei seinen Eltern wohnte, erzählte einige Wochen später, dass ihm eines der Gebisse gleich mehrere Male begegnet sei. Zunächst auf einem Wahlplakat zur Bürgermeisterwahl in Bad König, dann, nachdem es diese gewonnen hatte, wie es auf einem Foto beim Einzug ins Bürgermeisterbüro in die Kamera feixte, und noch mal ein paar Wochen später bei einem TV -Bericht der »Hessenschau«, der zeigte, wie es eine neue Umgehungsstraße einweihte, indem es feierlich das obligatorische Band durchbiss.
    Die wertvollste Entdeckung bei den Ausgrabungen in der Höhle jedoch war eine separate Kammer, in der man Dutzende bemerkenswert gut erhaltener Schriftrollen aus Pergament entdeckte. Wissenschaftler sprachen später vom »Tag, an dem die Literaturgeschichte neu geschrieben wurde« – was zwar die allgemeine Euphorie widerspiegelte, inhaltlich aber so nicht ganz stimmte. Denn wie diese Schriftrollen belegten, war die Geschichte der Literatur nicht an diesem Tag, sondern bereits vor vielen Jahrhunderten neu geschrieben worden. Oder sagen wir … anders! Im Klartext: Es fanden sich gleich reihenweise Kapitel, die offensichtlich zu großen Werken der Weltliteratur gehörten, die man aber bis heute so nicht kannte, da sie nie veröffentlicht worden waren. Und die die dazugehörigen Bücher jetzt, nach diesem Fund, in einem ganz anderen Licht erscheinen ließen. Ja, die meisten der gefundenen Schriften machten deutlich, dass viele heute bekannte Werke ursprünglich ganz anders gedacht beziehungsweise auch ganz anders angelegt worden waren! Dass es schlimme Manipulationen sowohl bei den Schauplätzen, vor allem aber bei den literarischen Figuren gegeben hatte! Und dass bestimmte heutige geschichtliche Erkenntnisse schlichtweg nicht den

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