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Die Tochter des Goldsuchers

Die Tochter des Goldsuchers

Titel: Die Tochter des Goldsuchers
Autoren: Nora Roberts
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Außerdem hatte sie keinerlei Interesse an ihm, versuchte sie sich einzureden. Wenn sie Lucilla und ihren Schwestern schrieb, wollte sie wenigstens imstande sein, all die erlebten Kuriositäten wahrheitsgetreu zu berichten.
    Wirklich, dieser Redman war ein seltsamer Mensch. Erst spielte er den tapferen Krieger, der sein Leben für ein paar Fremde riskierte, und im nächsten Augenblick vergaß er seine Christenpflicht und ließ einen Toten einfach in der Einöde liegen. Zudem hatte er sie, Sarah, verrückt genannt.
    Nie im Leben hatte jemand Sarah Conway als verrückt bezeichnet. Ganz im Gegenteil, ihre Klugheit und ihre Bildung waren immer Gegenstand allgemeiner Bewunderung gewesen. Sie war belesen, sprach fließend Französisch, und ihr Talent am Pianoforte war mehr als bloße Fingerfertigkeit.
    Während sie ihre Haube wieder festband, ermahnte sich Sarah, dass sie wohl kaum auf die Anerkennung durch einen Mann wie Jake Redman angewiesen war. Wenn sie erst bei ihrem Vater war und den ihr zustehenden Platz in der Gesellschaft des Ortes eingenommen hatte, würde sie Redman wahrscheinlich nie wieder zu Gesicht bekommen.
    Natürlich würde sie sich angemessen bei ihm bedanken. Sarah zog ein frisches Tuch aus ihrem Beutel und tupfte sich die Schläfen damit ab. Die Tatsache, dass er keinerlei Anstand hatte, war kein Grund, ihrerseits die guten Manieren zu vergessen. Vielleicht könnte sie sogar ihren Vater bitten, ihm eine finanzielle Anerkennung zukommen zu lassen.
    Von diesem Gedanken recht angetan, blickte Sarah nochmals aus dem Fenster. Unwillkürlich musste sie blinzeln. Das durfte doch nicht wahr sein! Niemals hätte sich ihr Vater in so einer schmuddeligen Gegend niedergelassen. Wie heruntergekommen die Häuser aussahen!
    Gerade fuhren sie an zwei aneinandergrenzenden Saloons vorbei, einem Kurzwarenladen und einem Gasthaus. Müde Gäule, an Pfosten angebunden, schlugen träge mit den Schwänzen nach dicken schwarzen Fliegen. Eine Horde Jungen mit schmutzigen Gesichtern lief schreiend neben der Kutsche her. Sarah bemerkte zwei Frauen in ausgeblichenen blau-weißen Baumwollkleidern Arm in Arm über Holzplanken flanieren.
    Kaum dass der Wagen hielt, rief Jake nach einem Arzt. Beinahe fluchtartig verließen die Fahrgäste durch beide Türen das Reisegefährt. Resigniert trat auch Sarah hinaus und zupfte erst einmal ihre Kleider zurecht.
    »Mr Redman.« Der Rand ihrer Haube bot keinen Schutz gegen die blendende Sonne, sodass sie gezwungen war, die Augen mit einer Hand zu beschatten. »Warum halten wir hier an?«
    »Endstation, Ma’am.« Ein paar Männer hoben bereits den verletzten Fahrer vom Bock. Jetzt machte sich Jake daran, das Gepäck auf dem Wagendach loszuschnallen.
    »Endstation? Aber wo sind wir denn?«
    Er hielt einen Moment inne und blickte zu Sarah hinunter. »Willkommen in Lone Bluff.«
    Sarah schaute sich seufzend um. Der grelle Sonnenschein hob unbarmherzig den Schmutz und die Zeichen des Verfalls hervor.
    Meine Güte, hier also war sie am Ziel. Welch ein Glück, dass sie nicht in der Stadt selbst wohnte. Und gewiss würde die Goldmine ihres Vaters bald mehr Menschen herbeilocken, wodurch es zu größerem Fortschritt käme. Sarah straffte die Schultern. Das Einzige, worauf es ankam, war, dass sie ihren Vater wiedersah.
    Sie wandte sich zu Jake um, der gerade einen ihrer Koffer zu Lucius hinunterwarf. »Mr Redman, kümmern Sie sich bitte um mein Gepäck.«
    Jake hob eine Reisetasche hoch und ließ sie in Lucius’ auffangbereite Arme fallen. »Jawohl, Ma’am.«
    Sarah wartete, bis Jake von der Kutsche heruntergesprungen war. »Mr Redman, ich bin Ihnen dankbar, dass Sie uns geholfen haben. Sie waren sehr tapfer. Mein Vater wird sich Ihnen gewiss erkenntlich zeigen, dass Sie für meine sichere Ankunft Sorge getragen haben.«
    Mit zwei Fingern schob er sich den Hut zurück und musterte Sarah so eingehend, dass sie rot wurde. »Vergessen Sie’s!«
    Vergessen soll ich es, dachte Sarah, als er ihr den Rücken zuwandte und davonging. Nun, wenn er es so wollte, konnte er es haben. Sie hob den Saum ihres Gewands und schritt zum Straßenrand, um auf ihren Vater zu warten.
    Die Satteltaschen über die Schulter gehängt, betrat Jake den Gasthof. Drinnen war es nicht besonders sauber. Und es roch nach Zwiebeln. In der Wand waren ein paar Schusslöcher zu sehen, eines davon stammte von ihm selbst. Durch die offen stehende Tür surrten die Fliegen herein und heraus.
    »Maggie.« Jake tippte an seinen Hut und

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