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Die Tochter des Goldsuchers

Die Tochter des Goldsuchers

Titel: Die Tochter des Goldsuchers
Autoren: Nora Roberts
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zu erhalten, dann tu dir keinen Zwang an.«
    »Du hast verdammt recht, dass ich dich am Leben erhalten habe, und das habe ich nicht getan, damit du bei der ersten Gelegenheit, nachdem du wieder aufrecht stehen kannst, verschwindest. Ich tat es, weil ich dich liebe. Und jetzt erklär mir – rühr dich nicht vom Fleck –, warum du weggeritten bist.«
    »Ich sagte es bereits. Es war an der Zeit.«
    »Du bist ein Lügner. Schlimmer, du bist ein Feigling.«
    Ihre Worte hatten die beabsichtigte Wirkung. Der kühle, fast gelangweilte Ausdruck in seinen Augen verwandelte sich im Handumdrehen in Zorn. »Treib mich nicht zum Äußersten, Sarah.«
    »Ich hab noch nicht einmal angefangen, dich zu treiben, Jake. Beginnen wir damit, dass ich dir erzähle, warum du dich auf das Pferd gesetzt hast und weggeritten bist. Weil du Angst hast. Vor mir. Nein, nicht einmal vor mir, sondern vor dir selbst und deinen Gefühlen für mich.« Den Kopf hoch erhoben, Herausforderung im Blick, wartete sie nur darauf, dass er es abstritt. »Du liebtest mich genug, um dich unbewaffnet einem Wahnsinnigen gegenüberzustellen, aber du liebst mich nicht genug, um dich dir selbst zu stellen.«
    »Du hast ja keine Ahnung, was ich fühle.«
    »Ach, nein? Wenn du das glaubst, bist du nicht nur ein Narr, sondern obendrein ein Lügner.« Das erneute zornige Funkeln in seinen Augen entzückte sie. »Meinst du, ich hätte nicht gemerkt, was du für mich empfindest, wenn du mich berührt und geküsst hast?«
    Er schwieg, und sie holte tief Luft. »Nun, du kannst dich auf dein Pferd setzen, in die Berge oder in die nächste Stadt reiten. Du kannst reiten, bis du Hunderte von Meilen weg bist. Vielleicht bist du schnell genug und schaffst es, mich abzuhängen. Aber bevor du das tust, wirst du mir noch etwas sagen.«
    »Und das wäre?«
    »Ich möchte von dir hören, dass du mich liebst.«
    Er musterte sie. Ihre Augen funkelten, und ihre Wangen glühten vor Zorn. Ihr Haar flatterte im Wind. Hier und jetzt hätte er wissen müssen, dass ihm schon längst jede Möglichkeit genommen war, seinem Schicksal zu entgehen.
    »Ein Mann wird fast alles sagen, wenn ihm eine Frau auf den Bauch zielt.«
    »Dann sag es.«
    Er beugte sich herab, um seinen Hut aufzuheben, und schlug ihn zweimal gegen seinen Schenkel, um ihn abzustauben. Müßig steckte er den Finger durch das Einschussloch.
    »Ich liebe dich, Sarah.« Er setzte den Hut auf den Kopf. »Willst du jetzt das Ding da wegstecken?«
    Im Nu war der Ausdruck leidenschaftlichen Zorns aus ihren Augen verflogen und mit ihm auch ein Hoffnungsschimmer. Wortlos drehte sie sich um und verstaute das Gewehr im Sattelholster. »Nun, ich musste dir drohen, damit du es aussprichst, aber wenigstens habe ich es dich einmal sagen hören. Jetzt kannst du meinetwegen wegreiten. Ich werde dich nicht aufhalten.«
    Sie wollte nicht weinen. Nein, schwor sie sich, mit Tränen werde ich ihn nicht aufzuhalten versuchen. Tapfer kämpfte sie ihre Tränen zurück.
    Jake berührte leicht ihren Arm. »Ich liebe dich, Sarah«, wiederholte er. »Mehr, als ich sollte. Tausendmal mehr, als ich ertragen kann.«
    Langsam wandte sie sich ihm zu, ließ die Arme jedoch an den Seiten herabhängen. »Wenn du jetzt wegreitest, folge ich dir. Egal, wo du hinreitest, ich werde dort sein. Ich mache dir das Leben zur Hölle, das schwöre ich dir.«
    Er lächelte und hob die Hand, um ihr Gesicht zu berühren. »Und wenn ich nicht wegreite?«
    »Dann mache ich dir das Leben nur manchmal zur Hölle.«
    »Ich glaube, das wäre das bessere Geschäft.« Er neigte den Kopf und küsste sie erst sanft, dann stöhnte er auf und riss sie an sich. »Ich glaube nicht, dass ich sehr weit gekommen wäre, auch wenn du nicht auf mich geschossen hättest.«
    »Es lohnt sich nicht, Risiken einzugehen. Ein Glück für dich, dass ich versuchte, über deinen Kopf hinwegzuschießen.«
    Er seufzte nur und schob sie ein Stück von sich. »Du schuldest mir einen Hut, Herzogin.« Immer noch verwundert nahm er ihn ab und betrachtete sich das Loch. »Schätze, ich müsste wohl jede Frau heiraten, die so mit einem Gewehr umgehen kann.«
    »Soll das ein Antrag sein?«
    Er zuckte kurz mit den Schultern und setzte sich den Hut wieder auf den Kopf. »Hat es sich nicht so angehört?«
    Sarah runzelte die Stirn. »Und etwas Angemesseneres hast du nicht zu bieten?«
    »Ich verfüge leider nicht über Fünfdollarworte.« Angewidert zog er sich zu seinem Pferd zurück. Dort blieb er stehen und drehte sich

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