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Die Terranauten 025 - Ausflug ins Morgen

Die Terranauten 025 - Ausflug ins Morgen

Titel: Die Terranauten 025 - Ausflug ins Morgen
Autoren: Robert Quint
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Es war die Angst, die ihn dazu bewogen hatte, sich mehrere Tage in der Wildnis am Fuß des Cheviot-Gebirges zu verstecken. Angst vor den Grauen Garden, vor den Kerkern des Konzils, dem Tod.
    David terGorden unterdrückte ein Husten und kauerte sich in den Schutz des Dickichts, das die Hügelkette wie verfilztes grünes Haar bedeckte. Der Hunger nagte in seinen Eingeweiden und im schwachen Sternenlicht musterte er die magere Ration, die er zusammen mit dem solarzellenbetriebenen Radio aus dem verlassenen Landhaus eines Servis gestohlen hatte. Ein Ring rustikaler Bungalows umgab Edinburgh, das in der Ferne wie ein Juwel funkelte.
    Streiflichtartig glitten die Ereignisse der letzten Tage durch Davids Bewußtsein. Das mißglückte PSI-Attentat auf Max von Valdec … Die Entführung der beiden Treiber-Raumschiffe aus den Hangars im Bauch des Cheviot-Gebirges… Und die Konfrontation mit der Queen Bell Tyer, die verhindert hatte, daß er mit den anderen Terranauten von der Erde fliehen konnte.
    Nun war er hier, allein im schottischen Hochland, vor den Toren Edinburghs. Der Treiber gab sich keinen Illusionen hin. Ohne die erneuten Unruhen unter den Nomans, von denen er über das Radio erfahren hatte, wäre ihm die Flucht nicht geglückt. Die Nomans hatten durch ihre Aktionen verhindert, daß die Grauen intensiv nach ihm suchten.
    David fröstelte.
    Edinburgh … Vielleicht erwartete ihn dort der Tod. Vielleicht gelang es ihm aber, jenes Haus zu erreichen, von dem ihm sein Vater erzählt hatte.
    Plötzlich fuhr er auf und horchte.
    Das vertraute tiefe Brummen löste Nervosität in ihm aus. Ob er diesmal Glück hatte?
    Sein Herz hämmerte, als er so leise wie möglich durch das Dickicht huschte und die Flanke des Hügels erreichte. Wie ein Wurm aus Licht wand sich die Highway durch das Hochland und verschmolz in der Ferne mit der Helligkeit der Metropole. An dieser Stelle beschrieb die Highway einen scharfen Knick.
    Die Fluoreszenzstreifen auf der Fahrbahn, unter der sich die elektromagnetische Computerlenkspur befand, stachen in terGordens Augen.
    Das Brummen gewann an Lautstärke, kam schnell näher.
    David kletterte weiter und erreichte schließlich den schmalen Felsvorsprung, der knapp sechs Meter über der Straße lag. Schon mehrmals hatte er ihn aufgesucht, wenn ihm das Brummen die Gegenwart eines Lastgleiters verriet. Aber bisher war es ihm nicht gelungen, seinen Plan in die Tat umzusetzen.
    Eng preßte er sich gegen das feuchte Erdreich und spannte seine Muskeln zum Sprung. Das Brummen klang jetzt bedrohlich nahe. Nur noch Sekunden, dann …
    Der Lastgleiter schob sich aus den Schatten der Nacht und näherte sich der Biegung. Das Brummen schwoll an, als der Computerpilot des Gleiters die Impulse der Lenkspur auffing und die Geschwindigkeit drosselte, um nicht aus der Kurve zu fliegen. Der Gleiter war eine schenkeldicke, langgestreckte Kunststoffplatte, die Autopilot und Antrieb beinhaltete. Kisten und kleine Container wurden durch Magnetfelder auf der glatten, flachen Ladefläche vor dem Herunterfallen bewahrt.
    terGordens Spannung wuchs. Das Glück war ihm hold. Bisher waren alle Lastgleiter, die er an dieser Stelle beobachtet hatte, geschlossene Fahrzeuge gewesen. Dieser jedoch …
    Der Gleiter bog in die Kurve.
    Der Treiber sprang.
    Zusammengekrümmt segelte er durch die Luft, fiel tiefer und tiefer, und wie in Zeitlupe huschte der automatische Transporter unter ihm hinweg. Ich schaffe es nicht! dachte David verzweifelt und schlug im gleichen Moment auf die Ladefläche auf.
    Schmerz durchzuckte seine Fußknöchel. Hart prallte er mit dem Schädel gegen eine Kiste, und für kurze Zeit umhüllte ihn Benommenheit. Aber der Zusammenstoß mit der Kiste bewahrte ihn davor, von der Ladefläche auf die Fahrbahn geschleudert zu werden.
    Das Brummen des Antriebs nahm wieder zu, als der Gleiter die Kurve verließ. Schnurgerade führte jetzt die Highway durch das hügelige, allmählich flacher werdende Gebiet. Die Lichter von Edinburgh schienen David vertrauensvoll zuzublinzeln.
    Der Fahrtwind war kalt und der Treiber zitterte.
    Er wußte, der schwierigste Teil seines Unternehmens lag noch vor ihm.
     
    *
     
    Als der Morgen graute, hatte er schon längst das Fahrzeug verlassen.
    Das Glück war David terGorden treu geblieben. Der Lastgleiter hatte sich Edinburgh von Süden genähert und die noblen Außenviertel der Stadt des Matriarchats tangiert – und dort sollte sich auch jenes Anwesen befinden, das der alte Growan

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