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Die Schwerter von Zinjaban

Die Schwerter von Zinjaban

Titel: Die Schwerter von Zinjaban
Autoren: Lyon Sprague de Camp , Catherine Crook de Camp
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I
FERGUS REITH
     
    D ie Pará senkte sich auf einer Säule aus Feuer auf das Landefeld. Fergus Reith, hoch aufgeschossen, schlank und mit rotbraunem Haarschopf, stand am Fuß der Landerampe und musterte die interstellaren Reisenden, die die Gangway herunterströmten und ihren Fuß auf den Planeten Krishna setzten. Neben ihm stand ein junger Bursche, mit Haaren, so feuerrot, wie seine eigenen es zwanzig terranische Jahre zuvor ebenfalls gewesen waren.
    Eine aus zwei Männern und einer Frau bestehende Gruppe kristallisierte sich jetzt aus dem Schwarm der Neuankömmlinge heraus. Diese drei, schätzte Reith, waren mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit seine neuen Klienten von Cosmic Productions, zu deren Empfang er eigens zum Schiff gekommen war. Doch als sie näher kamen, klappte Reith vor Schreck die Kinnlade herunter. Er hatte das Gefühl, als schwände ihm der Boden unter den Füßen, und er würde im freien Fall in einen Schlund stürzen. Denn die Frau war Dr. Alicia Dyckman, die berühmte Xenanthropologin – die über zwanzig Jahre zuvor einmal Mrs. Fergus Reith gewesen war.
    Als sie näher kam, schlank und graziös, bekleidet mit einem blau und golden gemusterten, perfekt zu ihrem glatten blonden Haar und ihren saphirgrünen Augen passenden Pullover, da war ihm, als unternähme er eine Zeitreise in die Vergangenheit. Er wusste, dass er in den vergangenen zwanzig Jahren, seit sie sich das letzte Mal gesehen hatten, gealtert war. Trotz der Langlebigkeitspillen, die die normale menschliche Lebensspanne verdreifachten, waren die Jahre nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Und hier kam Alicia und sah nicht älter aus als an dem Tag vor zwanzig Erdenjahren, als sie unter Tränen die Gangway zur Juruá hinaufgestiegen war, traurig und am Boden zerstört, weil Reith, ihr Ehemann, von dem sie sich nach kurzer Ehe hatte scheiden lassen und dem sie unter turbulenten Umständen wiederbegegnet war, sie nicht wieder hatte heiraten wollen. Sie sah immer noch genauso atemberaubend aus wie damals: schlank, hochgewachsen, mit goldblondem Haar, feingeschnittenen Zügen und einer unwiderstehlichen kleinen Stupsnase. Sie erweckte immer noch den Eindruck von Zerbrechlichkeit, obwohl sie, wie Reith besser als jeder andere wusste, körperlich wie seelisch stark wie ein Mann und hart wie Stahl war.
    Reith wusste auch den Grund für diesen scheinbaren Altersunterschied zwischen ihm und Alicia. Zwei Jahrzehnte lang war er regelmäßig seinem Gewerbe als Reiseführer auf Krishna nachgegangen; und für ihn war die Zeit normal weitergegangen. Alicia hingegen hatte den größten Teil dieser zwanzig Jahre im Raumschiff zwischen Krishna und ihrem Heimatplaneten Erde verbracht und war mit annähernd Lichtgeschwindigkeit durch das All gerast. Folglich hatte sich für sie die Zeit auf ein Minimum verlangsamt, und die Reise von Planet zu Planet war ihr kaum länger als zwei Wochen vorgekommen. Da der Fitzgerald-Effekt die Bewegungsgeschwindigkeit ihrer Körpermoleküle entsprechend herabgesetzt hatte, war ihr Alterungsprozeß verlangsamt worden.
    Das Trio hatte jetzt den Fuß der Rampe erreicht. Reith gab sich einen Ruck und trat ihnen entgegen. »Hallo, Alicia!« sagte er mit gekünstelter Beiläufigkeit, die sein heftiges Herzklopfen verbergen sollte. »Seid ihr drei meine neuen Kunden von Cosmic Productions?«
    Alicias himmelblaue Augen weiteten sich. »Fergus Reith! Bist du’s wirklich?«
    »Ich … ich …«
    »Du siehst irgendwie so verändert aus mit der Brille. Und dein Haar ist irgendwie dunkler geworden – kastanienbraun statt feuerrot.«
    Ein wenig verlegen schüttelten sie sich die Hand. Mit einem bedauernden Grinsen murmelte Reith: »Tja, ich bin eben nicht jünger geworden in den letzten zwanzig Jahren – das heißt, Erdenzeit.« Um keine Verlegenheit aufkommen zu lassen, wandte er sich mit bemühter Herzlichkeit den beiden Männern zu, die hinter Alicia standen. »Willkommen auf Krishna! Ich bin Fergus Reith, Ihr künftiger Führer, Übersetzer und Anlaufstelle für Probleme und Fragen jeder Art.«
    Alicia hatte sichtlich Mühe, ihre Fassung wiederzugewinnen. »Das ist Cyril Ordway, Production Manager von Cosmic, und das ist Jacob White, der Location Manager. Ich bin Cyrils Assistentin.«
    Die zwei Männer murmelten die üblichen Begrüßungsfloskeln und schüttelten Reith die Hand. Ordway war ein untersetzter, etwas plump wirkender Mann mit einem sandfarbenen Schnauzbart und fleckiger Gesichtshaut. Seine dicke Stupsnase war von

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