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Die neuen Weltwunder - In 20 Bauten durch die Weltgeschichte

Die neuen Weltwunder - In 20 Bauten durch die Weltgeschichte

Titel: Die neuen Weltwunder - In 20 Bauten durch die Weltgeschichte
Autoren: Bernd Ingmar Gutberlet
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VORWORT
    Hitlisten und Rankings sind keine Erfindung unserer Tage. Die früheste Aufzählung jener Hotspots der Antike, die man als Reisender auf gar keinen Fall verpassen dürfe, stammt in ihrer ältesten erhaltenen Form aus dem 2 . vorchristlichen Jahrhundert. In einem altgriechischen Text, der vor hundert Jahren in der Verschalung eines Mumiensarges entdeckt wurde, werden diverse solcher Hitlisten aufgeführt, allerdings sind sie nur noch in Teilen vorhanden. Unter den schönsten Seen, Inseln und Bergen, zwischen den wichtigsten Bildhauern und Architekten findet sich eine Aufstellung der wichtigsten Bauwerke der damaligen Zeit: die erste verbriefte Nennung der antiken Weltwunder. Auch der Begriff Weltwunder wurde erst etwas später eingeführt – erlangte aber offenbar einige Popularität in der antiken Welt.

    Die antiken Weltwunder, mit denen so mancher Schüler im Geschichtsunterricht herzlich wenig anfangen kann, haben einen gewichtigen Nachteil: Bis auf die Pyramiden von Gizeh existieren sie allesamt nicht mehr. Was einstmals den antiken Bildungsreisenden an die richtigen Stätten führen sollte – und durchaus auch führte –, besitzt in Zeiten des modernen Tourismus nicht mehr allzu viel Anziehungskraft. Der zweite Nachteil liegt in der für heutige Verhältnisse vollkommen unzeitgemäßen Konzentration auf die europäische Antike. Wer mühelos die ganze Welt bereist, versteht so etwas wie Weltwunder als global und der Kulturenvielfalt in aller Welt entsprechend.

    Insofern hat das Bemühen, zu Anfang des 21 . Jahrhunderts ein neues Weltwunder-Ranking zu erstellen, das große Bauwerke rund um den Erdball versammelt, einiges für sich. Ebenso ist plausibel, in eine solche Liste nur Bauwerke aufzunehmen, die noch vorhanden sind. Trotzdem sorgte die Initiative für viel Unmut und zog allerhand Kritik auf sich. Dazu mehr im Nachwort.

    Die Neuen Weltwunder erzählt die Geschichten von jenen zwanzig erhaltenen Bauwerken der Menschheitsgeschichte, aus denen die weltweite Wahl der letzten Runde die »Neuen Sieben Weltwunder« gekürt hat. Eine erste Liste umfasste noch rund zweihundert Kandidaten und wurde dann auf 77 eingedampft. Die hier vorgestellten zwanzig ermöglichen eine ebenso kurzweilige wie umfassende Reise durch die Menschheitsgeschichte in ihrer Vielfalt und ihren Epochen. Die letztlich gekürten sieben sind mit einem Sternchen gekennzeichnet.

STONEHENGE, ENGLAND

    Wer zu Anfang des 21 . Jahrhunderts den Süden Englands besucht, ob eines der viktorianischen Seebäder oder die quirlige Metropole London, tut gut daran, einen Abstecher in die südwestenglische Grafschaft Wiltshire einzuplanen. Denn dort, nur 130 Kilometer von der britischen Hauptstadt entfernt, kann man Stonehenge bestaunen, das wohl berühmteste Bauwerk aus der Vorgeschichte der Menschheit. Es liegt – einigermaßen unpassend zwischen zwei wichtigen Fernstraßen eingeklemmt, damit aber gut erreichbar – östlich des Städtchens Amesbury in der hügeligen Kreidekalklandschaft des Salisbury Plain. Imposant und rätselhaft sind wohl die passenden Adjektive, um zu beschreiben, was vor vielen tausend Jahren errichtet wurde. Den einstigen entrückten Zauber der majestätischen Anlage zu erahnen, erschweren allerdings Autoverkehr und Massentourismus.

    In seiner heute erhaltenen Gestalt besteht Stonehenge aus kreisförmigen, nur noch mit Mühe erkennbaren Graben- und Wallanlagen von insgesamt rund 115 Meter Durchmesser, in deren Mitte in konzentrischen Kreisen riesige Steine aufgestellt wurden – von Wissenschaftlern als Megalithen (griechisch mega = groß, lithos = Stein) bezeichnet. Am bekanntesten ist die Ansicht des äußeren der vier Steinkreise, das heißt, wo von den einst lückenlos über die dreißig Pfeilersteine gelegten Tragsteinen noch einige vorhanden sind. Das ermöglicht eine Vorstellung davon, wie beeindruckend die Anlage gewirkt haben muss, als sie noch intakt war: kunstvoll, entschieden übermenschlich, ja magisch. Aber diese riesigen Steine wurden schon vor mehr als viertausend Jahren aufgestellt, und seither hat der Zahn der Zeit an Stonehenge genagt − gebeutelt von Witterungseinflüssen oder zweckentfremdet als willkommener Steinbruch für Häuslebauer. Wer Stonehenge von Bildern kennt und schließlich vor Ort in Augenschein nimmt, ist zunächst überrascht oder gar enttäuscht, weil die Steinkreise kleiner sind, als Foto- oder Filmaufnahmen vermuten lassen.
    Das äußere Steinrund hat einen Durchmesser von knapp

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