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Die McKettricks aus Texas: Über alle Grenzen (German Edition)

Die McKettricks aus Texas: Über alle Grenzen (German Edition)

Titel: Die McKettricks aus Texas: Über alle Grenzen (German Edition)
Autoren: Linda Lael Miller
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PROLOG
    San Antonio, Texas
    Oktober
    A cht Sekunden.
    Außerhalb der Welt des Rodeos war das nicht viel Zeit.
    Aber auf einem zweitausend Pfund schweren und wütenden Stier – mit dem passenden Namen Buzzsaw, was so viel hieß wie Kreissäge – konnten einem acht Sekunden wie eine Ewigkeit vorkommen.
    Austin McKettrick stand an der Bar einer kleinen Spelunke, die jeder klügere Mann gemieden hätte, und fragte sich, warum ihm nach dem Ritt vor wenigen Stunden nicht nach Feiern zumute war.
    Seit Monaten, seit seinem ersten Versuch auf diesem Bullen, bei dem er beinah ums Leben gekommen war, wollte Austin Buzzsaw unbedingt reiten. Er hatte kaum noch an etwas anderes denken können.
    Und jetzt, wo er es endlich geschafft und diesen Fluch überwunden hatte, fehlten ihm neue Ziele.
    Eine Bewegung im Spiegel hinter dem Tresen weckte seine Aufmerksamkeit. Er schob seinen Hut nach oben und suchte die weite dunkle Glasfläche genauer ab.
    Mist, dachte er, als er seine Brüder Tate und Garrett näher kommen sah.
    Sie waren beide Cowboys, groß und schlank, mit breiten Schultern und einem Auftreten, das an Clint Eastwood erinnerte. Die Gäste machten ihnen instinktiv Platz.
    Ohne sich umzudrehen hob Austin sein Glas und trank einen großen Schluck Bier.
    Tate, der älteste der drei, stellte sich rechts von Austin an den Tresen, während Garrett die linke Seite einnahm. Sie drängelten sich förmlich an ihn, als hätte er sie nicht wahrgenommen. Er grinste und schob seinen Hut noch etwas höher.
    Die Barkeeperin Pinky, eine Frau Mitte siebzig mit langem grauem Zopf und einer trotz der vielen Falten gesunden Gesichtshaut, erschien umgehend.
    „Was darf’s sein?“, erkundigte sie sich und sah dabei Tate und Garrett an. Austin überging sie, als wäre er gar nicht anwesend.
    Da sie früher mit einem der Cowboys von der Silver Spur Ranch verheiratet gewesen war, gehörte Pinky immer noch zu den Freunden der Familie. Der Cowboy dagegen war längst fort.
    Tate, der schon immer ein Händchen für Frauen gehabt hatte, tippte gentlemanlike an seine Hutkrempe und schenkte Pinky ein charmantes Lächeln. „Für mich nichts, danke“, sagte er. „Wie geht es dir, Pinky?“
    „Ganz gut so weit“, entgegnete sie und wandte sich lächelnd an Garrett. „Ich habe gehört, es gibt Silvester eine Doppelhochzeit auf der Silver Spur. Stimmt das?“
    „Klar doch“, bestätigte Garrett gelassen. „Deine Einladung kommt mit der Post.“
    „Dann heiratet ihr beide?“ Angesichts dieses Wunders schnalzte Pinky mit der Zunge.
    „Allerdings“, sagte Tate. „Ich heirate Libby Remington, und Garrett schließt den Bund fürs Leben mit ihrer Schwester Julie.“
    Die alte Lady pfiff anerkennend durch die Zähne. „Da brat mir doch einer einen Storch: Brüder heiraten Schwestern. Eure Kinder werden also Doppelcousins?“
    „Jep“, erwiderte Garrett.
    Pinky richtete den Blick auf Austin. „Tate nimmt sich eine Frau. Und Garrett auch. Warum bleibst du Single, Hübscher?“
    „Ich bin zu jung zum Heiraten“, antwortete er und setzte ein gewinnendes Lächeln auf.
    „Unsinn“, fuhr Pinky ihn an. „Die Ehe würde dir helfen, zur Ruhe zu kommen. Das könnte dir nämlich nicht schaden, wenn du mich fragst.“
    Austin verkniff sich, sie darauf aufmerksam zu machen,dass er sie nicht gefragt hatte.
    Im nächsten Moment fühlte er einen eigenartigen Druck am Rücken, und sein linkes Bein wurde bis zum Knie taub. Er verlagerte das Gewicht auf den rechten Fuß, in der Hoffnung, den Druck ein wenig zu lindern. Aber es half nicht viel.
    „Tate und ich sind ganz deiner Meinung“, kam Garrett Pinky zu Hilfe. „Austin sollte unbedingt zur Ruhe kommen. Er sollte sich aus dem Rodeozirkus zurückziehen, eine Familie gründen und etwas Konstruktives mit seinem Leben anstellen.“
    Garrett hat vielleicht Nerven, dachte Austin. Bis vor wenigen Monaten, als Julie Remington ihn eingefangen und an die Kette gelegt hatte, hatte Bruder Nummer zwei nämlich für einen US-Senator gearbeitet und sich gern mit klugen, schönen und willigen Frauen umgeben.
    Auch Tate hatte in den wilden Zeiten nach seiner Scheidung von Cheryl nicht unbedingt wie ein Mönch gelebt, bevor er sich erneut in Libby verliebt hatte – seine Highschool-Liebe und Julies ältere Schwester.
    Wenn man die beiden jetzt reden hörte, konnte man den Eindruck gewinnen, sie hätten stets wie Heilige gelebt.
    Austin trank einen weiteren Schluck Bier und wartete darauf, dass das Gefühl in sein Bein

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