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Der ewige Krieg 01 - Der ewige Krieg

Der ewige Krieg 01 - Der ewige Krieg

Titel: Der ewige Krieg 01 - Der ewige Krieg
Autoren: Joe Haldeman
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    »Heute zeigen wir Ihnen acht Methoden zur geräuschlosen Tötung eines Gegners.« Der Kerl, der das sagte, war ein Unteroffizier, nach seinem Aussehen kaum fünf Jahre älter als ich. Wenn er jemals einen Gegner im Kampf getötet hatte, geräuschlos oder anders, so mußte er das als Kleinkind getan haben.
    Ich kannte bereits achtzig Methoden zur Tötung von Menschen, aber die meisten davon waren ziemlich geräuschvoll. Ich nahm auf meinem Stuhl eine aufrechte Haltung und den Anschein höflicher Aufmerksamkeit an und schlief mit offenen Augen ein. Die anderen machten es fast alle genauso. Wir hatten die Erfahrung gemacht, daß für diese Unterrichtsstunden nach dem Essen nie etwas Wichtiges eingeplant war.
    Das Schnurren des Projektors weckte mich, und ich ließ einen kurzen Streifen über mich ergehen, der die ›acht geräuschlosen Methoden‹ zeigte. Einige der Schauspieler mußten Hirnbehandelte gewesen sein, denn sie wurden tatsächlich getötet.
    Nach der Filmvorführung hob ein Mädchen in der ersten Reihe die Hand. Der Unteroffizier nickte ihr zu, und sie stand auf. Nicht übel aussehend, aber ziemlich massiv um Hals und Schultern. Jeder wird so, nachdem er ein paar Monate lang das schwere Marschgepäck herumgeschleppt hat.
    »Sir …« – wir mußten alle Unteroffiziere mit ›Sir‹ anreden, solange wir in der Ausbildung waren – »die meisten dieser Methoden sehen irgendwie albern aus, finde ich.«
    »Zum Beispiel?«
    »Na, jemandem einen Feldspaten in die Nieren zu schlagen. Ich meine, wann hat man schon einen Feldspaten, aber keine Schuß- oder Stichwaffe? Und warum schlägt man dem Gegner den Spaten nicht einfach über den Kopf?«
    »Er könnte einen Helm aufhaben«, sagte der Unteroffizier.
    »Außerdem haben Taurier wahrscheinlich gar keine Nieren!«
    Er zuckte die Achseln. »Wahrscheinlich nicht.« Man schrieb das Jahr 1997, und kein Mensch hatte je einen Taurier gesehen; nicht mal Stücke von ihnen, die größer als ein versengtes Chromosom gewesen wären. »Aber ihr biochemischer Aufbau ist dem unsrigen ähnlich, und wir müssen annehmen, daß sie ähnlich komplizierte Geschöpfe sind. Sie müssen Schwächen haben, verwundbare Stellen. Und Sie müssen herausfinden, wo diese Stellen sind. Darauf kommt es an.« Er machte mit dem Zeigefinger eine zustoßende Bewegung zum Bildschirm. »Diese acht Sträflinge wurden zu Ihrem Besten schlafen gelegt, weil Sie lernen sollen, Taurier zu töten, und dazu in der Lage sein müssen, ob Sie nun einen Megawatt-Laser in der Hand haben, oder nur ein Stück Schmirgelpapier.«
    Das Mädchen setzte sich wieder; es sah nicht allzu überzeugt aus.
    »Noch irgendwelche Fragen?«
    Niemand meldete sich.
    »In Ordnung. Aaachtunk!«
    Wir taumelten auf die Füße, und er blickte uns erwartungsvoll an.
    »Sie uns auch, Sir«, erklang es müde im Chor.
    »Lauter!«
    »SIE UNS AUCH, SIR!« Eins der weniger geistreichen Mittel zur Hebung der Truppenmoral.
    »Das ist besser. Nicht vergessen, morgen FRÜHMANÖVER. Frühstück um drei Uhr dreißig, Abmarsch vier Uhr. Wer nach drei Uhr vierzig im Bett angetroffen wird, kommt zur Meldung. Wegtreten.«
    Ich zog den Reißverschluß der einteiligen Drillichuniform zu und ging durch den Schnee zur Mannschaftsmesse, um mir eine Tasse Soja und einen Joint zu besorgen. Ich war immer mit fünf bis sechs Stunden Schlaf ausgekommen, und dies war für mich die einzige Gelegenheit, eine Weile allein zu sein. Sah mir ein paar Minuten die Nachrichtenschau an. Draußen im Sektor Aldebaran war wieder ein Schiff verlorengegangen. Das war vier Jahre her. Zu Vergeltungszwecken sollte eine Flotte entsandt werden, aber sie konnte erst in weiteren vier Jahren im Kampfgebiet eintreffen. Bis dahin mußten die Taurier jeden Schlüsselplaneten eingesackt haben.
    Als ich ins Quartier zurückkehrte, lag alles in den Betten, und die blaue Nachtbeleuchtung brannte trübe. Seit unserer Rückkehr vom zweiwöchigen Ausbildungskurs auf dem Mond hatte die ganze Kompanie sich so dahingeschleppt. Ich hängte meine Kleider in den Spind, sah auf der Diensttabelle nach und fand, daß ich Koje 31 hatte. Verdammt, genau unter der Heizung.
    Ich schlüpfte so still wie möglich durch den Vorhang, um meinen Nebenmann nicht zu wecken. Konnte nicht sehen, wer es war, aber es war mir auch gleichgültig. Ich zog die Decke über mich.
    »Du kommst spät, Mandella«, gähnte eine Stimme. Es war Rogers.
    »Tut mir leid, daß ich dich geweckt habe«, flüsterte ich.
    »Schon gut.«

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