Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Blutseele

Blutseele

Titel: Blutseele
Autoren: Kim Harrison
Ads
Papierkram, dachte Algaliarept resigniert, während er sanft auf den Folianten blies, damit die Tinte schneller trocknete. Tinte, die nicht wirklich Tinte ist, Papier, das niemals Holz war, dachte er, als er tief den süßlichen Geruch von Blut einatmete. Obwohl Blut unendlich bindende Dokumente schuf, lag es in seiner Natur, alles zu verlangsamen. Aber trotzdem, selbst wenn er diesen Teil seiner Arbeit an einen Untergebenen abgeben könnte, er würde es nicht tun. Das Wissen darüber, wer ihm etwas und wie viel schuldete, war in der Dämonenwelt eine Menge wert, und Vertraute waren für ihre losen Zungen bekannt, bis man sie ihnen herausschnitt. Das war eine Praxis, die Algaliarept missbilligte. Die meisten seiner Kollegen waren übler Pöbel. Die Zunge eines Vertrauten zu entfernen zerstörte die Nuancen ihres Bettelns um Gnade.
    Algaliarept setzte sich an seinem kleinen, aber aufwändig geschnitzten Schreibtisch zurecht und griff nach einer kleinen Steindose, tauchte einen winzigen Silberlöffel in seinen Brimstonevorrat und ließ sich die Droge langsam auf der Zunge zergehen. Das leise Klicken, als er den Löffel zurücklegte, durchschoss ihn wie Feuer. Er schloss die Augen und sog in der rauchigen Dunkelheit Luft in seine Lungen, die hundert Gerüche mit sich brachte, weil der Brimstone seine Sinne schärfte und seinen Geist auf eine höhere Ebene hob.
    Papierkram muss das Schrecklichste überhaupt sein, dachte er, als er für einen Moment in der milden Euphorie verweilte. Aber als er die Augen wieder öffnete, überblickte er seine reich ausgestattete Unterkunft – die Wände mit ihren dunklen Seidenbehängen, die mit erotischen Körpern bemalten Vasen, die reich bestückten Ecken mit Kissen und duftenden Öllampen, und auf dem Boden der Teppich, welcher einen Drachen zeigte, der einen kleineren Verwandten auffraß – und Algaliarept wusste, dass er es nicht anders haben wollte. Er würde sich selbst verlieren, wenn er für einen anderen arbeiten würde.
    Der Osten war es, wo momentan die intelligente Ober schicht der Welt residierte, und er mochte die Asiaten, selbst wenn sie ihn hier Drache nannten und erwarteten, dass er Feuer spuckte. Abgesehen von den Elfen, die in den Bergen Europas den letzten Widerstand leisteten, war Asien im Moment die einzige echte Kultur der Welt – und das war größtenteils sein Verdienst. Man musste erst schaffen, was andere begehren sollen.
    Er tauchte die Schreibfeder ein und beugte sich wieder über seine Arbeit. Dann runzelte er die Stirn, ohne wirklich zu wissen, warum. Er war ein Händler in Fleisch und Verführer von Seelen, geübt darin, Leute in den dunklen Künsten zu unterrichten, um ihnen einen Marktwert zu geben. Um sie dann zu entführen, wenn sie einen Fehler machten, und sie in ein Leben der Knechtschaft an seine Kollegen zu verkaufen. Er war so gut darin, dass er einen Status erlangt hatte, der mit den höchsten Richtern konkurrierte. Er hatte sich alles selbst geschaffen und schuldete niemandem etwas. Doch während seine Feder die Zinsen für eine besonders lang bestehende Schuld ausstrich, räumte er sich endlich selbst die Quelle seiner wachsenden Unzufriedenheit ein.
    Wo er es einst genossen hatte, einen potenziellen Vertrauten dabei zu beobachten, wie er sich das Hirn darüber zerbrach, ob er mehr wollte, während er gleichzeitig dachte, er wäre klug genug, um dem unvermeidlichen Ausgang zu entkommen, fühlte Algaliarept jetzt nur noch ein seltsames Gefühl von Eifersucht. Obwohl er verdammt war, fühlte der Vertraute irgendetwas . Algaliarept dagegen fühlte nichts. Er hatte die Freude verloren, und die Jagd war zu einfach geworden.
    Eine weitere Seite war nun ausgeglichen, und Algaliarept griff nach dem zweiten Löffel Brimstone, während die rote Tinte trocknete und langsam schwarz wurde. Als sein Silber löffel eintauchte, erregte sein eigenes Spiegelbild seine Aufmerksamkeit, und er zögerte, während er sich in dem vergoldeten Spiegel auf seinem Schreibtisch in die Augen sah. Müde, ziegengeschlitzte Augen starrten zu ihm zurück. Sie verengten sich, und mit einem Gefühl von Traurigkeit beobachtete er sich selbst dabei, wie er die schwarze Asche zurück in die Dose rieseln ließ. Wenn er Empfindungen wollte, dann sollte er hinausgehen und sie sich holen, und sie nicht aus Staub ziehen. Vielleicht, dachte Algaliarept finster, als er die Schrift berührte, um zu sehen, ob sie trocken war, ist es Zeit, sich für eine Weile zurückzuziehen. Damit

Weitere Kostenlose Bücher

In den Faengen der Nacht
In den Faengen der Nacht von Sherrilyn Kenyon
Der Liebesbeweis
Der Liebesbeweis von Vicki Thompson
118 - Der Unersättliche
118 - Der Unersättliche von Dämonenkiller
Wie du befiehlst
Wie du befiehlst von Kerstin Dirks