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Blutgier - Ein Alex-Delaware-Roman 21

Titel: Blutgier - Ein Alex-Delaware-Roman 21
Autoren: Jonathan Kellerman
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sind«, sagte sie. »Sie machen einen netten Eindruck.« Sie schob ein langes Bein unter das andere.
    »Sagen Sie mir, wie es passiert ist, Michaela«, forderte ich sie auf.
    »Wie was passiert ist?«
    »Die vorgetäuschte Entführung.«
    Sie zuckte zusammen. »Sie wollen nichts über meine Kindheit wissen oder so was?«
    »Darauf kommen wir vielleicht später zu sprechen, aber es ist am besten, mit dem blinden Alarm selbst zu beginnen. Ich würde gern in Ihren eigenen Worten hören, was passiert ist.«
    »Meine eigenen Worte. Oh, Mann.« Sie lächelte schwach. »Kein Vorspiel, hm?«
    Ich erwiderte ihr Lächeln. Sie nahm ihre Beine auseinander, und zwei hochhackige schwarze Skechers ließen sich auf dem Teppich nieder. Sie streckte einen Fuß aus. Sah sich in dem Arbeitszimmer um. »Ich weiß, dass ich was Falsches getan habe, aber ich bin ein braves Mädchen, Dr. Delaware. Bin ich wirklich .« Sie verschränkte die Arme über dem Pornostar -Schriftzug. »Wo soll ich anfangen … ich muss Ihnen sagen, dass ich mir so entblößt vorkomme.«
    Ich stellte mir vor, wie sie nackt auf die Straße gerannt kam und einen alten Mann fast dazu gebracht hätte, mit seinem Pick-up in den Abgrund zu fahren. »Ich weiß, dass es nicht leicht für Sie ist, daran zu denken, was Sie getan haben, Michaela, aber es könnte wirklich hilfreich sein, wenn Sie sich daran gewöhnen, darüber zu reden.«
    »Also können Sie mich verstehen?«
    »Das schon«, sagte ich, »aber irgendwann wird man wohl von Ihnen verlangen, dass Sie gewissen Dingen den ihnen angemessenen Platz zuweisen.«
    »Was meinen Sie damit?«
    »Dass Sie dem Richter sagen, was Sie getan haben.«
    »Ein Geständnis ablegen«, murmelte sie. »Ist es eine Umschreibung dafür, dass ich ein Geständnis ablegen soll?«
    »Ich denke schon.«
    »Die ganzen Wörter, die sie gebrauchen.« Sie lachte leise. »Wenigstens lerne ich etwas dazu.«
    »Wahrscheinlich nicht so, wie Sie sich das gedacht haben.«
    »Das können Sie laut sagen … Anwälte, Cops. Ich weiß nicht mal mehr, wem ich was erzählt habe.«
    »Es ist ziemlich verwirrend«, sagte ich.
    »Ganz bestimmt, Doktor. Das ist eine Schwäche von mir.«
    »Was?«
    »Durcheinander zu sein. In Phoenix - in der Highschool - waren einige Leute der Ansicht, ich wäre ein bisschen blöd. Die Intelligenzbestien, wissen Sie? In Wahrheit war ich oft durcheinander. Bin ich immer noch. Vielleicht liegt es daran, dass ich als kleines Kind auf den Kopf gefallen bin. Ich bin von einer Schaukel gefallen und hab das Bewusstsein verloren. Danach bin ich nie mehr richtig gut in der Schule gewesen.«
    »Hört sich so an, als wäre es ein schlimmer Sturz gewesen.«
    »Ich kann mich kaum noch daran erinnern, Doktor, aber man hat mir gesagt, ich wäre einen halben Tag bewusstlos gewesen.«
    »Wie alt waren Sie da?«
    »Vielleicht drei. Vier. Ich habe ziemlich wild geschaukelt, das hab ich unheimlich gern gemacht. Ich muss losgelassen haben oder so und bin durch die Luft geflogen. Ich hab mir auch bei anderen Gelegenheiten den Kopf gestoßen. Ich bin immer hingefallen, über meine eigenen Füße gestolpert. Meine Beine sind so schnell gewachsen; als ich fünfzehn war, bin ich in sechs Monaten zwanzig Zentimeter größer geworden.«
    »Ihnen passierten ständig Unfälle.«
    »Meine Mom pflegte zu sagen, ich wäre ein Unfall, der darauf wartet zu passieren. Ich brachte sie dazu, mir eine gute Jeans zu kaufen, und wenn ich mir dann an den Knien Löcher reinriss, wurde sie wütend und schwor, dass sie mir nie mehr was kaufen würde.«
    Sie fasste sich an die linke Schläfe. Bekam ein paar Haare zwischen die Finger und verdrehte sie. Zog einen Schmollmund. Das erinnerte mich an jemanden. Ich beobachtete, wie sie an sich herumfummelte, und schließlich fiel es mir ein: die junge Brigitte Bardot.
    Würde sie wissen, wer das war?
    »Mir dreht sich der Kopf«, sagte sie. »Seit dem Schlamassel. Es ist so, als würde ich durch die Szenen eines Drehbuchs treiben, das jemand anders geschrieben hat.«
    »Das Justizsystem kann überwältigend sein.«
    »Ich hab nie daran gedacht, dass ich mal da rein geraten würde! Ich meine, ich sehe mir nicht mal Krimiserien im Fernsehen an. Meine Mom liest Kriminalromane, aber ich hasse sie.«
    »Was lesen Sie?«
    Sie wandte sich ab und antwortete nicht. Ich wiederholte die Frage.
    »Oh, tut mir leid, ich war geistig weggetreten. Was ich lese … Us, People, Elle , Zeitschriften eben, wissen Sie?«
    »Wie wäre es, wenn wir

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