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Bloodlines: Die goldene Lilie (German Edition)

Bloodlines: Die goldene Lilie (German Edition)

Titel: Bloodlines: Die goldene Lilie (German Edition)
Autoren: Richelle Mead
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unwillkürlich ahmte ich es nach. »Es gefällt mir nicht, hier drin zu sein, aber manchmal … manchmal ist es eine ganz gute Erinnerung daran, warum wir die Moroi und die anderen in den Schatten halten müssen. Warum wir nicht zulassen dürfen, dass wir Sympathie für sie empfinden.«
    Im Hinterkopf wusste ich, dass es einen Riesenunterschied in den Beziehungen von Moroi und Strigoi zu den Menschen gab. Trotzdem fielen mir, so lange ich vor Liam stand, keine Argumente ein. Er hatte mich zu sehr verblüfft – und verängstigt. Es war leicht, jedes Wort zu glauben, das die Alchemisten sagten. Dies hier war es, wogegen wir kämpften. Dies hier war der Albtraum, den wir verhindern mussten.
    Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, aber Zeke schien auch nicht viel zu erwarten.
    »Komm, gehen wir.« An Liam gewandt fügte er hinzu: »Und Sie sollten das besser essen, weil Sie bis zum Morgen nichts mehr bekommen. Es ist mir egal, wie kalt und hart es ist.«
    Liams Augen wurden schmal. »Was interessiert mich menschliches Essen, wenn ich schon bald den Nektar der Götter trinken werde? Ihr Blut wird warm auf meinen Lippen sein, Ihres und das Ihres hübschen Mädchens.« Dann lachte er, ein Geräusch, das wesentlich verstörender klang als alle Schreie von Keith.
    Dieses Gelächter dauerte noch an, während Zeke mich aus dem Raum führte. Die Tür schloss sich hinter uns, und ich stand benommen im Flur. Zeke betrachtete mich mit Besorgnis.
    »Es tut mir leid … ich hätte dir das wahrscheinlich nicht zeigen sollen.«
    Ich schüttelte langsam den Kopf. »Nein … war schon in Ordnung. Es ist gut, wenn wir so etwas sehen. Damit wir verstehen, was wir tun. Ich wusste ja immer schon … aber so etwas hatte ich doch nicht erwartet.«
    Ich versuchte, meine Gedanken wieder auf alltägliche Dinge zu richten und dieses Grauen aus meinem Kopf zu vertreiben. Ich sah auf meinen Kaffee hinab. Er war noch unberührt und lauwarm geworden. Ich verzog das Gesicht.
    »Kann ich noch einen Kaffee haben, bevor wir gehen?« Ich brauchte etwas Normales. Etwas Menschliches.
    »Sicher.«
    Zeke führte mich in den Aufenthaltsraum zurück. Der Kaffee, den ich gekocht hatte, war noch heiß. Ich kippte den alten Kaffee aus und schenkte mir frischen ein. Währenddessen flog die Tür auf, und ein unglücklicher Tom Darnell kam herein. Er schien überrascht, jemanden hier zu sehen, und zwängte sich an uns vorbei. Dann setzte er sich auf das Sofa und begrub das Gesicht in den Händen. Zeke und ich wechselten unsichere Blicke.
    »Mr Darnell«, begann ich. »Ist alles in Ordnung mit Ihnen?«
    Er antwortete mir nicht sofort, hielt die Hände vors Gesicht und zitterte unter einem lautlosen Schluchzen. Ich wollte gerade gehen, als er mich ansah, obwohl ich das Gefühl hatte, dass er mich nicht wirklich sah. »Sie haben sich entschieden«, sagte er. »Sie haben über Keith entschieden.«
    »Jetzt schon?«, fragte ich verwundert. Zeke und ich hatten nur ungefähr fünf Minuten mit Liam verbracht.
    Trübselig nickte Tom. »Sie schicken ihn zurück … zurück in die Umerziehung.«
    Ich konnte es nicht glauben. »Aber ich … aber ich hab es ihnen gesagt! Ich habe ihnen doch gesagt, dass er nicht mit Vampiren unter einer Decke steckt. Er glaubt, was … wir Übrigen auch glauben. Es waren seine Entscheidungen, die schlecht waren.«
    »Ich weiß. Aber sie haben gesagt, wir können das Risiko nicht eingehen. Selbst wenn Keith den Eindruck macht, als seien sie ihm gleichgültig – selbst wenn er daran glaubt – , bleibt die Tatsache, dass er mit einem von ihnen eine Abmachung hatte. Sie machen sich Sorgen, dass die Bereitschaft, eine solche Partnerschaft einzugehen, ihn unbewusst beeinflussen könnte. Am besten, man nimmt die Dinge jetzt in die Hand. Sie haben … sie haben wahrscheinlich ganz recht. Es ist am besten so.«
    Das Bild von Keith, der an die Scheibe hämmerte und darum flehte, nicht zurückgebracht zu werden, blitzte vor meinem inneren Auge auf. »Es tut mir leid, Mr Darnell.«
    Toms unglücklicher Blick fokussierte sich ein wenig mehr auf mich. »Entschuldige dich nicht, Sydney. Du hast so viel für Keith getan. Aufgrund dessen, was du ihnen gesagt hast, werden sie seine Zeit in der Umerziehung abkürzen. Das bedeutet mir so viel. Danke.«
    Mir krampfte sich der Magen zusammen. Meinetwegen hatte Keith ein Auge verloren. Meinetwegen war Keith überhaupt in die Umerziehung gekommen. Wieder kam mir der Gedanke: Er verdiente es zwar, auf irgendeine Weise

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