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Bloodlines: Die goldene Lilie (German Edition)

Bloodlines: Die goldene Lilie (German Edition)

Titel: Bloodlines: Die goldene Lilie (German Edition)
Autoren: Richelle Mead
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Alchemisten bestand darin, die Existenz von Vampiren vor Menschen geheim zu halten. Wir hielten Vampire für unnatürliche Kreaturen, die nichts mit Menschen wie uns zu tun haben sollten. Besondere Sorge bereiteten uns die Strigoi – böse Killervampire – , die Menschen manchmal mit den Versprechungen von Unsterblichkeit in ihren Dienst lockten. Selbst die friedlichen Moroi und ihre halbmenschlichen Gegenstücke, die Dhampire, wurden mit Argwohn betrachtet. Mit diesen beiden Gruppen arbeiteten wir häufig zusammen, und obwohl man uns gelehrt hatte, sie geringschätzig zu behandeln, war es eine unausweichliche Tatsache, dass einige Alchemisten bestimmten Moroi und Dhampiren nicht nur näherkamen … sondern sie tatsächlich mochten.
    Allerdings war – trotz seines Verbrechens, Vampirblut zu verkaufen – Keith einer der letzten Menschen, an die ich denken würde, wenn es um ein zu freundschaftliches Verhältnis zu Vampiren ging. Er hatte seine Antipathie gegen sie etliche Male unmissverständlich geäußert. Wirklich, wenn jemand verdiente, der Zuneigung zu Vampiren angeklagt zu werden …
    … na ja, dann wäre ich das gewesen.
    Einer der anderen Alchemisten, ein Mann mit einer verspiegelten Sonnenbrille, die kunstvoll von seinem Kragen herabhing, setzte den Vortrag fort. »Sie, Ms Sage, sind ein bemerkenswertes Beispiel für jemanden gewesen, der in der Lage ist, eng mit ihnen zusammenzuarbeiten und dabei doch eine Objektivität zu bewahren. Ihr Pflichtbewusstsein ist von jenen, die über uns stehen, durchaus bemerkt worden.«
    »Vielen Dank, Sir«, erwiderte ich beklommen und fragte mich, wie viele Male das Pflichtbewusstsein heute Nacht noch zur Sprache kommen würde. Das war ein himmelweiter Unterschied zu der Zeit vor einigen Monaten, als ich in Schwierigkeiten geraten war, weil ich einem weiblichen Dhampir bei der Flucht geholfen hatte. Er hatte sich später als unschuldig erwiesen, und man hatte meine Beteiligung an dem Unterfangen auf »Karriereambitionen« zurückgeführt und abgeschrieben.
    »Und«, fuhr Sonnenbrille fort, »angesichts Ihrer Erfahrung mit Mr Darnell haben wir uns überlegt, dass Sie ausgezeichnet dazu in der Lage wären, eine Aussage zu treffen.«
    Ich richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf Keith. Die ganze Zeit über hatte er unaufhörlich gegen das Glas gehämmert und geschrien. Den anderen gelang es, ihn zu ignorieren, also versuchte ich es ebenfalls.
    »Was für eine Aussage?«
    »Wir überlegen, ob wir ihn in das Umerziehungszentrum zurückschicken sollen oder nicht«, erklärte Grauer Knoten. »Dort hat er hervorragende Fortschritte gemacht, aber einige von uns halten es für das Beste, auf Nummer sicher zu gehen und uns davon zu überzeugen, dass jede Chance auf eine Beziehung zu Vampiren mit Stumpf und Stiel ausgerottet ist.«
    Wenn Keith’ gegenwärtiges Verhalten ein hervorragender Fortschritt sein sollte, konnte ich mir nicht vorstellen, wie ein schlechter Fortschritt aussehen mochte.
    Sonnenbrille hielt seinen Stift über das Klemmbrett. »Basierend auf dem, was Sie in Palm Springs erlebt haben, Ms Sage – wie schätzen Sie Mr Darnells Geisteszustand bezüglich der Vampire ein? War die Bindung, die Sie beobachtet haben, ernst genug, um weitere Vorsichtsmaßnahmen zu rechtfertigen?« Vermutlich bedeuteten weitere Vorsichtsmaßnahmen weitere Umerziehungen.
    Während Keith nach wie vor gegen die Scheibe hämmerte, ruhten aller Augen im Raum auf mir. Die Alchemisten mit ihren Klemmbrettern wirkten nachdenklich und zugleich neugierig. Tom Darnell schwitzte sichtlich und beobachtete mich mit Furcht und ängstlicher Erwartung. Verständlich. Schließlich hielt ich das Schicksal seines Sohnes in den Händen.
    Widersprüchliche Gefühle rangen in mir, während ich Keith betrachtete. Ich mochte ihn nicht nur nicht – ich hasste ihn. Und ich hasste wirklich nicht viele Leute. Ich konnte auch nicht vergessen, was er Carly angetan hatte. Gleichermaßen waren mir die Erinnerungen an das, was er mir und anderen in Palm Springs zugemutet hatte, immer noch frisch im Gedächtnis. Er hatte mich verleumdet und mir das Leben schwer gemacht, um seinen Bluthandel zu vertuschen. Außerdem hatte er die Vampire und Dhampire, um die wir uns kümmern sollten, abscheulich behandelt. Er weckte in mir die Frage, wer die echten Ungeheuer waren.
    Ich wusste nicht genau, was in Umerziehungszentren geschah. Nach Keith’ Reaktion zu urteilen, war es wahrscheinlich ziemlich schlimm. Ein Teil von mir

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