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Bloodlines: Die goldene Lilie (German Edition)

Bloodlines: Die goldene Lilie (German Edition)

Titel: Bloodlines: Die goldene Lilie (German Edition)
Autoren: Richelle Mead
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Kapitel 1
    I st es nicht unheimlich, in einer stürmischen Nacht in einen unterirdischen Bunker geführt zu werden? Nicht für mich.
    Dinge, die ich erklären und anhand von Daten definieren kann, erschrecken mich nicht. Deswegen betete ich mir im Stillen Tatsachen vor, während ich immer tiefer und tiefer unter das Straßenniveau hinabstieg. Der Bunker war ein Relikt aus dem Kalten Krieg, gebaut zum Schutz in einer Zeit, als die Leute ständig mit einem Atomangriff rechneten. Über Tage war das Gebäude als Optikergeschäft getarnt. Reine Fassade. Nicht im Mindesten unheimlich. Und der Sturm? Einfach ein Naturphänomen: Wetterfronten, die aufeinanderstießen. Und wenn man Angst hatte, in einem Sturm verletzt zu werden, war es tatsächlich ziemlich klug, unter die Erde zu gehen.
    Also nein. Dieser scheinbar bedrohliche Ausflug machte mir nicht im Mindesten Angst. Alles beruhte doch auf vernünftigen Fakten und reiner Logik. Damit kam ich zurecht. Doch es war der Rest meines Jobs, mit dem ich ein Problem hatte.
    Und vielleicht war das auch der Grund, warum mich stürmische Ausflüge in den Untergrund kaltließen. Wenn man die meiste Zeit unter Vampiren und Halbvampiren lebt, sie zu ihren Blutquellen transportiert und ihre Existenz vor dem Rest der Welt geheim hält … na ja, das verschafft einem irgendwie eine einzigartige Perspektive auf das Leben. Ich hatte blutige Vampirschlachten miterlebt und magische Kunststückchen gesehen, die jedem mir bekannten Gesetz der Physik hohnsprachen. Mein Leben war ein ständiger Kampf darum, das Entsetzen vor dem Unerklärlichen zu unterdrücken, und zugleich der verzweifelte Versuch, eine Erklärung dafür zu finden.
    »Pass auf, wo du hintrittst«, sagte mein Führer zu mir, als wir noch eine Betontreppe hinunterstiegen. Alles, was ich bisher gesehen hatte, bestand aus Beton – die Wände, der Boden und die Decke. Die graue, raue Oberfläche absorbierte das Neonlicht, das uns den Weg erhellen sollte. Es war trostlos, kalt und auf eine unheimliche Weise still. Der Führer schien meine Gedanken zu erraten. »Seit der Errichtung haben wir Verbesserungen und Erweiterungen vorgenommen. Du wirst es sehen, sobald wir den Hauptteil erreichen.«
    Aber sicher. Endlich öffnete sich die Treppe auf einen Flur mit mehreren geschlossenen Türen. Die Wände mussten immer noch aus Beton sein, aber die Türen hier waren modern und hatten elektronische Schlösser, an denen entweder rote oder grüne Lämpchen brannten. Mein Begleiter führte mich zur zweiten Tür auf der rechten Seite, einer mit grünem Lämpchen, und ich trat in einen ganz normalen Vorraum, der etwa wie ein Aufenthaltsraum aussah, den man in jedem modernen Büro fand. Grüner Teppich bedeckte den Boden – wie ein wehmütiger Versuch, Gras nachzuahmen. Die Wände waren von einem Braun, das die Illusion von Wärme schenkte. Auf der gegenüberliegenden Seite stand ein mit Zeitschriften übersäter Tisch vor einem gut gepolsterten Sofa und zwei Sesseln. Das Beste von allem war jedoch, dass der Raum eine Theke mit einer Spüle zu bieten hatte – und eine Kaffeemaschine.
    »Mach es dir gemütlich!«, forderte mich mein Führer auf. Ich schätzte, dass er ungefähr in meinem Alter war, achtzehn, aber sein Versuch, sich einen – lückenhaften – Bart stehen zu lassen, ließ ihn jünger erscheinen. »Sie werden dich bald holen kommen.«
    Ich hatte die Kaffeemaschine keine Sekunde aus den Augen gelassen. »Kann ich mir einen Kaffee kochen?«
    »Sicher«, antwortete er. »Ganz, wie du willst.«
    Er ging, und ich rannte praktisch zur Theke. Der Kaffee war bereits gemahlen – er sah allerdings aus, als wäre das ebenfalls noch während des Kalten Krieges geschehen. Solange er jedoch Koffein enthielt, war mir alles andere egal. Hals über Kopf hatte ich einen Flug von Kalifornien genommen, und obwohl ich einige Stunden Zeit gehabt hatte, mich zu erholen, war ich jetzt immer noch schläfrig. Meine Augen brannten. Ich stellte die Kaffeemaschine an und ging dann in dem Raum auf und ab. Die Zeitschriften lagen kunterbunt durcheinander, daher rückte ich sie ordentlich zurecht. Unordnung konnte ich nicht ertragen.
    Dann setzte ich mich auf das Sofa, wartete auf den Kaffee und fragte mich einmal mehr, worum es bei diesem Treffen gehen mochte. Ich hatte einen guten Teil meines Nachmittags hier in Virginia damit verbracht, zwei Funktionären der Alchemisten den Stand meines gegenwärtigen Auftrags zu erläutern. Ich lebte in Palm Springs,

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