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Bezwungen von deiner Leidenschaft: Roman (German Edition)

Bezwungen von deiner Leidenschaft: Roman (German Edition)

Titel: Bezwungen von deiner Leidenschaft: Roman (German Edition)
Autoren: Liz Carlyle
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Prolog
    Auf den Zuckerrohrfeldern
    D ie Sonne über den Westindischen Inseln brannte auf die stillen und grünen Felder herunter und trocknete den Boden aus. Säulendekorierte weiße Plantagenhäuser leuchteten in der flirrenden Hitze und schmückten die üppige Landschaft wie verstreute schimmernde Perlen. Die breiten Korridore der eleganten Häuser waren in Dunkelheit gehüllt. Die Lamellen der Fensterjalousien standen weit offen, um den kaum spürbaren Luftzug hereinzulassen, während Sklavenkinder die Ventilatoren antrieben, die wie riesige Raubvogelschwingen unter den hohen Decken hingen.
    Es war ein blühendes Land; ein fast magischer Ort, wo das Geld buchstäblich aus der Erde wuchs, Tropfen um glänzenden Tropfen von den knirschenden Walzen der Zuckermühlen ausgepresst und gewonnen mit dem Schweiß der Männer – und der Frauen –, die das Zuckerrohr bearbeiteten. Das Land der Zuckerbarone und reichen Reeder. Ein kolonialer Außenposten, so weit abgelegen, dass das Auge des Königs nicht bis dorthin reichte – und oftmals taten es auch seine Gesetze nicht.
    Neben den englischen Ladys, die in der Hitze ermattet auf ihren Diwanen ruhten, und den Sklaven, die sich in ihrem Elend quälten, existierte aber noch eine dritte Art von Menschen in diesem entfernten Paradies. Seemänner, die sich nach ihrem Zuhause zurücksehnten, das die meisten von ihnen jedoch niemals wiedersehen würden. Ehemals angestellte Dienstboten, die jetzt zu Sklaven der Umstände geworden waren. Hafendirnen, Straßenkehrer und Waisen – stumm und unsichtbar.
    In dieser Welt aus Hitze und Gleichgültigkeit flohen zwei Jungen durch die dichten Reihen aus hohem, grünem Zuckerrohr, dessen rasiermesserscharfe Blätter ihnen die Arme und Gesichter zerschnitten. Sie atmeten in keuchenden Stößen. Sie verschwendeten keinen Gedanken an das wogende Band der saphirblauen See unter ihnen oder an das heruntergekommene Haus auf dem Hügel hinter ihnen. Sie hatten nie einen Diwan gesehen, geschweige denn auf einem gelegen.
    »Da lang!« Der größere Junge knuffte den kleineren hart in die linke Schulter. »Zum Sumpf. Dort kriegt er uns nicht.«
    Sie rannten am Saum des Zuckerrohrfeldes entlang; blasse dünne Arme holten weit aus. Der kleinere Junge tauchte unter dem niedrigen Ast eines Baums hindurch, hetzte weiter. Der Schmerz in seiner Brust stach wie ein Messer. Sein Puls raste. Die Angst trieb ihn weiter. Er konnte schon das brackige Wasser riechen. Nur noch ein paar Meter. Ihre nackten Füße wirbelten Staub auf, als sie am Feldrand entlangrannten. Fast. Fast. Fast in Sicherheit.
    Ein betrunkenes Brüllen durchdrang die glühende Hitze. Ihr Onkel brach aus dem Zuckerrohr hervor, wo er gelauert hatte – wie ein Ungeheuer in den Mangroven. Versperrte den Weg zum Sumpf. Die Jungen blieben stehen. Traten zurück, drehten sich halb um. Ein dürrer Schwarzer tauchte aus dem Zuckerrohr auf, blockierte den Weg hinter ihnen. Sein Gesicht war ausdruckslos, aber in seinen Augen lag Mitleid.
    Die Jungen drehten sich um, schmale Schultern senkten sich ergeben.
    »Aye, jetzt hab ich euch, ihr kleinen Scheißkerle, eh?« Der Onkel kam auf sie zu, seine Schritte waren bemerkenswert fest für einen Mann, der von Rum und Grausamkeit vergiftet war.
    Der kleinere Junge wimmerte, der größere nicht.
    Der Onkel blieb stehen, seine Schweinsäuglein verengten sich zu glitzernden schwarzen Schlitzen, während eine Reitpeitsche fast fröhlich an seinem Handgelenk baumelte. »Bring mir den Kleinen, Odysseus«, sagte er. Spucke tropfte von seiner Lippe. »Ich werde es diesem Bettelpack austreiben, frech zu mir zu sein.«
    Der Schwarze kam heran, packte den kleineren Jungen, zögerte dann.
    Wie ein Blitz traf den Schwarzen die Peitsche des Onkels ins Gesicht, Blut lief ihm über seine ebenholzfarbene Wange. »Bei Gott, du wirst diesem kleinen Lumpen das Hemd ausziehen und ihn festhalten, Odysseus, oder du wirst vierzig Hiebe bekommen – und eine Woche im Loch, um deinen Ungehorsam zu büßen.«
    Odysseus stieß den Jungen vorwärts.
    Der größere Junge trat näher. »Er war nicht frech, Sir«, piepste er. »E-er war es nicht. Er hat kein Wort gesagt. E-er ist doch erst acht, Sir. Bitte.«
    Der Onkel grinste und beugte sich hinunter. »Immer der helfende Gute, du kleiner Scheißer, eh?«, fragte er. »Aye, wenn du so verdammt mutig bist, kannst du die Prügel statt seiner kriegen. Zieh ihm das Hemd aus, Odysseus.«
    Der ältere Junge wich ein kleines Stück zurück,

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