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Alfred - König der Angel-Sachsen

Titel: Alfred - König der Angel-Sachsen
Autoren: Albrecht von Haller
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die Normänner, die sich beritten gemacht hatten, und zwang sie Geisel zu geben, und aus ganz West-Sachsen zu weichen.
    Wenige unter den Normännern blieben ihrem Versprechen getreu. Die gröste Anzahl fand keinen Unterhalt als bloß im Raube; sie überschwemmten aufs neue Alfreds Länder, sie bemächtigten sich durch einen plözlichen Ueberfall Chippenhams, der zuverläßigsten Burg der bedrängten Sachsen, sie trugen verzehrendes Feuer und blutige Schwerdter in alle Winkel des Reiches. Durch lange Kriege, durch öftere Niederlagen ermüdet, selbst durch die Siege geschwächt, verlohren endlich die Sachsen alle Hofnung zu ihrer Erhaltung: sie zerstreuten sich in die Wälder, in die Wildungen, in das noch unberührte Wallis, und suchten selbst unter ihren ehmaligen Feinden eine Sicherheit, die kein Wiederstand ihnen verschaffen konte. Die Unbewafneten bogen den Naken unter das Joch, und unterwarfen sich muhtlos ihren Unterdrükern.
    Alfred war von seinem Volke verlassen, er sah keine Möglichkeit die Zerstreuten zu versamlen, oder die Erschroknen aufzurichten, ihm blieb nichts übrig, als sich selber zu retten, da mit ihm alle Hofnung verlohren gegangen wäre jemahls dem Sächsischen Reiche aufzuhelfen. Er legte den königlichen Schmuk ab, verhüllte sich in die schlechte Kleidung eines Taglöhners, schwärzte sein blühendes Angesicht mit dem Safte einiger Früchte, und nahm seine Zuflucht zu einem alten Hirten, der schon bey den Heerden der Vorfahren des Königes gestanden war. Der Getreue verheelte die Würde seines Herrn selbst seiner Frau, die dem unbekannten Monarchen mit einer ungeziemenden Grobheit begegnete, in welcher Alfred seine Sicherheit fand. Ein ganzes Jahr hielt sich der junge König verborgen, aber seine thätige Seele war auch unter diesem Druke nicht müßig.
    Die Normänner hatten ein zerstreutes Lager in der sumpfigten Gegend von Athelney, zwischen zwey Flüssen, in der Grafschaft Sommerset: sie hielten sich in diesen Erlenbüschen zwischen tiefen Möhren für gesichert, und thaten von dieser ungekünstelten Festung ihre Streifzüge in das unglükliche West-Sachsen: in eben dieser unzugänglichen Wüste bergten sie ihren Raub, und die Reichthümer des gequälten Engellands.
    Oft fiel Alfred mit wenigen Sachsen, oder mit gewafneten Hirten in das Dänische Lager, er erschlug einzelne Schaaren von Räubern, und spielte der künftigen Rache vor, die er den Barbaren zudachte. Oft nahm er ihnen das geraubte Vieh ab, und theilte die Beute unter den Willigen, die ihm halfen die Feinde des Vaterlandes beschädigen. Der einzige, der verlassene König war für die Normänner ein ganzes Heer, das Hunderte von ihnen niederschlug, und doch unsichtbar blieb. Die vielen kleinen Siege breiteten den kühnen Hirten-Nahmen aus, und Wulf wurde ein gefürchteter Nahme.
    Alfred erwartete mit Gram und Ungeduld die Zeit, sein Volk von der Unterdrükung zu retten, unter welcher es schmachtete. Sein getreuer Wirth war arm, die streifenden Dänen hatten auch ihm das Vieh geraubt, Alfred aß mit ihm ein sparsames Brodt, und auch dieses wurde ihm durch allerley Zufälle zuweilen entzogen. Ein einziger Laib war der Vorraht des Königes und seines Ernährers, er war allein, da ein elender Wandersmann vor die Hütte kam, ich verschmachte vor Hunger, sagte der Fremdling. Alfreds Herz war nicht hart genug, diesem Anblike zu wiederstehn, er theilte mit dem Unglüklichen seinen einzigen Vorraht, und übergab sich demjenigen, sagte der junge Fürst, der die Raaben nährte. Er entschlief in seiner Einsamkeit, und die Geschichte sagt, in dem sanften Schlummer, den die Tugend allein schläft, sey ihm ein höheres Wesen erschienen. Dein Unglük ist zu Ende, König der Sachsen, dein Thron ist für dich offen, sey im Glüke was du im Elende gewesen bist:
    Diese Worte hörte Alfred, und nach wenigen Stunden wachte mit der Morgenröhte seine Hofnung auf. Der Hirte war im Fischen glüklich gewesen, die Hirten hatten ein verirrtes Schaaf, eines ihrer wenigen wieder gefunden. Aber eine wichtigere Zeitung rief ihn zu großen Unternehmungen. Odun, der Graf von Devon, hatte sich in das Schloß Kinwith verschlossen, eine große Zahl zerstreuter Sachsen hatte sich unter seine Fahnen versamlet. Hubba und Jngwar kamen eben mit Beute beladen aus Wallis zurük, wohin sie die flüchtigen Sachsen verfolgt hatten. Sie hoften Kinwith leicht zu bezwingen, worinn für die Menge der Belagerten kein genugsamer Vorraht war: sie umringten das Schloß, und

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