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Alfred - König der Angel-Sachsen

Titel: Alfred - König der Angel-Sachsen
Autoren: Albrecht von Haller
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einen seltenen Vogel gefangen; er brachte ihn mit dem edelsten Anstand der Fräulein, und bat um die Erlaubniß Abschied nehmen zu dürfen. Diese Nachricht war ihr schmerzhaft, und je mehr sie nach ihrem Herzen fühlte, je mehr fand sie es mit dem Bilde des Kämpfers angefüllt.
    Alfred besuchte sie den folgenden Tag, und nach einigen algemeinen Feyerlichkeiten sagte er in einem freyern Augenblike. Ich gehe wo mich meine Pflicht hinruft; ewig werde ich die liebenswürdige Alswitha verehren, ewig werde ich mein Unglük beklagen, das meiner Liebe nicht erlauben wil, sich zu zeigen. Sie seufzete; sein naher Abschied erregte bey ihr eine Wehmuht, die sie nicht bezwingen konte. Ach warum sol so viel Verdienst in eine niedrige Stellung verbannet seyn! Warum ist Alswitha nicht lieber eine Hirtentochter!
    Alfred erwiederte mit mehrerer Munterkeit: Wulf würde seine Liebe niemahls entdekt haben, wenn er es für unmöglich hielte, daß Alswitha mit ihm glüklich seyn könte. Noch ist sein Stand nicht derjenige, der einer fürstlichen Fräulein Stolze schmeicheln kan. Aber wann sie mich liebte, so würde mich vielleicht mein Arm zu einer Höhe heben, auf welcher ich ihrer minder unwürdig wäre. Darf ich mir schmeicheln, daß nur der Unterschied des Glükes mich verwerflich macht? darf ich hoffen, daß Alswitha mir erlauben würde sie zu lieben, wann ich ihrem Stande mich näherte?
    Die Fräulein sagte beschämt, und schlug zugleich die Augen nieder. Wie kan Wulf Dinge von mir fodern, die doch unmöglich sind? Wie kan er Hofnungen bey mir erweken, die mich doch betriegen würden? Leicht kan er im Geschwirre der Waffen einer jungen Freundin vergessen, mit welcher ein Zufal ihn bekant gemacht hat. Aber eine Fräulein, die in der einsamen Burg ohne Zerstreuung lebt, wäre alzu unglüklich, wann sie einer Liebe sich übergäbe, die nur in einem erdichteten Falle erlaubt werden könte. Fahr wohl, würdiger Wulf, werde so groß, als du tugendhaft bist, meine besten Wünsche sollen dich begleiten.
    Nicht zufrieden mit der gütigen Antwort, versuchte Alfred die Fräulein zu einem deutlichern Geständnisse ihrer Gegenliebe zu bewegen. Ja ich gehe, ich fülle mich täglich ohnedem mit einem Feuer, das mich tödtet, und das ich erstiken muß. Wann Alswitha mich nicht verachtete, der Abstand von ihr zu mir würde bald aus ihren Augen verschwinden, die Liebe würde sie zu mir herunter leiten, und sie würde fühlen, daß der Besiz eines redlichen Herzens doch auch für die erhabenste Schöne einigen Werth hat. Aber Wulf erwekt nicht nur keine Liebe bey ihr, er erwekt nicht einmal ein Mitleiden. Alswitha würde, wann sie sein Schiksal eines Bedaurens würdig schäzte, mit einem Worte, einem unschuldigen Worte, Wulfs Schiksal erleichtern.
    Das Wort das ich sagen sol, sagte die erröhtende Schöne, ist ein hartes Wort. Ich sehe es wohl, Wulf wil sich nicht befriedigen lassen, biß ich ihm gestehe, daß ich ihn liebe. Aber er wird so unbillig nicht seyn, daß er nicht einsehen solte, meine Hand sey in der Macht eines Vaters, und meine Liebe solle sich niemahls von meiner Hand trennen. Er, der die Tugend liebt, wird keine lasterhafte That von mit verlangen. Aber will er zufrieden seyn, wenn ich ihm eingestehe, wie ich wünsche, daß das Verhängniß unsere Stellungen ausgleiche, und daß es mir erlaubt seyn möge, das Wort zu sagen, das er von mit fodert. Sie reichte ihm züchtig die Hand, ließ sie ohne Weigerung küssen, und wolte sich entfernen.
    Nein, sagte der Großmühtige, Alswitha soll die kummerhaften Gedanken nicht nähren, daß sie einen Unwürdigen lieben müsse. Nein sie sol nicht zwischen einer erlaubten Neigung, und zwischen dem Widerstande der Pflichten ihr Herz zerreissen lassen. Sie wird sehen, in kurzem wird sie sehen, daß sie nichts wider die Foderungen ihrer Geburt thut, wenn sie Wulfen günstig ist. Doppelt wird er sie lieben, weil er ihre Zärtlichkeit bloß ihrer Güte zu danken hat, die den Stolz ihres Adels überwindet. Er küßte nochmahls freudig ihre Hand, und gieng nach Athelney zurük.
    Wenige Monate hernach gab er, nach dem berühmten Siege über die Normänner, ein großes Fest den Tapfern, die Engelland errettet hatten. Edelbert war unter der Zahl der Unerschrokenen. Zu die Ritterspielen, die zum Angedenken des Sieges gegeben werden solten, wurde das edelste Frauenzimmer der frolokenden Sachsen gebeten. Die Ritter stachen um den Preis in den Schranken; der erkante König saß auf einem erhabenen Throne, und

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