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1830 - Der IQ-Dimmer

Titel: 1830 - Der IQ-Dimmer
Autoren: Unbekannt
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heranstürmen. Amos-Tar-Ney erschoß seine beiden Helfer, wohl um keine Mitwisser zu haben, dann warf er die Waffe weg und ergab sich.
    Ich wußte nicht, wie lange diese Szene zurücklag. Aber damals hoffte ich noch, daß meine Leute mein Verschwinden richtig deuteten und mich ausschaufeln würden. Aber ich wartete und wartete, ohne daß jemand das Grab untersuchte, vor dem Amos-Tar gefangengenommen worden war.
    Ich wußte nicht, wie lange ich mit wachem Geist dalag. Nichts anderes, als denken zu können und meine Gedanken im Kreise zu bewegen. Aber es erschien mir eine Ewigkeit. Die Zeit schien stillzustehen.
    Aber noch schlimmer als das stille Nichts waren die Momente, in denen ich Bilder empfing. Irgendwo mußte ein Empfänger installiert sein, der auf Wärme oder Bewegung oder auf Gehirnströme reagierte oder auch auf eine Kombination dieser Signale.
    Als ich beim erstenmal plötzlich unverhofft Bilder empfing, da schöpfte ich die Hoffnung, daß man mich entdecken könnte. Mein Gehirn empfing plötzlich die Bilder von zwei kartanischen Sicherheitskräften. Sie patrouillierten plaudernd an meinem Grab vorbei. Ich versuchte verzweifelt eine Möglichkeit zu ersinnen, um mich ihnen bemerkbar zu machen. Aber ich war hilflos - und das war das Schlimmste. Sie verschwanden aus dem Blickwinkel der Kamera, und es wurde wieder finster um mich.
    Irgendwann später sah ich eine Trauerprozession aus fünf Terranern an mir vorbeiziehen. Zuerst tauchte der Sarg auf einem Antigravfeld auf. Dahinter kam ein Mann mit einer Frau. Dann zwei Kinder im Alter von etwa zwölf und vierzehn Jahren. Ein Junge und ein Mädchen. Den Abschluß bildete wieder eine Frau. Etwa um die Zwanzig und blond.
    Der Trauerzug zog achtlos an meinem Grab vorbei. Nur die junge Frau, die den Abschluß bildete, warf unvermittelt einen Blick in Richtung meines Grabes. Sie schien mich geradewegs anzusehen!
    Mädchen! Mädchen, hier bin ich! schrien meine Gedanken. Wenn irgend etwas deine Aufmerksamkeit erregt hat, vielleicht die Lichtreflexion im Metall oder Objektiv der Kamera, dann geh der Sache nach. Komm her! Komm schon, sieh nach!
    Aber sie wandte sich mit ausdruckslosem Gesicht wieder ab und entschwand aus dem Bild.
    Das nächste Mal wurde ich durch einen Nager aufgeschreckt. Der kleine Schädling huschte schnüffelnd über den Grabhügel, verschwand aus dem Bild und kam wieder zurück. Das Tier mußte mich mit seinen feinen Sinnen gewittert haben. Ich meine, es mußte irgendwie erkannt haben, daß unter dem Erdhügel etwas Lebendiges vergraben war! Oder es hielt die Witterung für die Ausstrahlung von frischem Aas!
    Das Tier begann mit seinen Vorderbeinen zu graben. Bald entschwand es aus dem Bildwinkel der Kamera, und ich sah nur noch, wie Erde durch die Luft flog. Das ging lange so, und es bildete sich ein beachtlicher Erdhügel.
    Ich konnte es mir in erschreckenden Bildern ausmalen, wie der Nager sich immer tiefer durch den Boden zu mir vorarbeitete. Was für ein entsetzlicher Gedanke, bei vollem Bewußtsein angenagt, gar aufgefressen zu werden. Und sich nicht dagegen wehren zu können!
    Was nützt in solch einem Moment die Versicherung der Ratio, daß ich in eine verrottungsfesten Sarg lag, den auch die schärfsten Nagetierzähne nicht knacken konnten. Der Verstand hat nichts zu melden, wenn die Todesangst einmal die Oberhand gewonnen hat.
    Erst als das Bild erlosch, war ich sicher, daß das Tier unverrichteter Dinge abgezogen war. Diesmal empfand ich die schweigende Finsternis geradezu als Labsal.
    Insgesamt empfing ich danach noch ein halbes dutzendmal Bilder, die in meiner Umgebung auftauchende Lebewesen ausgelöst hatten, ohne daß diese etwas anderes bewirkten, als mich in noch größere Verzweiflung zu stürzen.
    So mochten Wochen oder Monate oder auch tausend Jahre vergangen sein. Tausendmal und öfter sehnte ich in dieser Zeit den Tod herbei. Aber das Versorgungssystem sorgte dafür, daß mein bewegungsunfähiger Körper mit allem Lebensnotwendigem versorgt wurde. Und mein Zellaktivator hielt mich zusätzlich am Leben.
    Was einmal als besondere Gnade von ES für besondere Verdienste um die Menschheit gedacht gewesen war, wurde mir jetzt zum Fluch.
    Dann aber trat irgendwann ein, was ich längst nicht mehr zu erhoffen gewagt hatte.
    In meinen Körper kam langsam Leben. Ein anschwellendes und schmerzhaft werdendes Kribbeln zeigte an, daß die Lebensgeister in mich zurückströmten. Und dann hörte ich Dao-Lin-H’ays flüsternde Stimme.
    „Tut

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