Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
0286 - Als der weise Merlin starb

0286 - Als der weise Merlin starb

Titel: 0286 - Als der weise Merlin starb
Autoren: Manfred Weinland
Ads
Die telepathische Stimme schwieg einen Augenblick, als wollte sie der entarteten Druidin Gelegenheit geben, die Worte zu verarbeiten.
    Sara Moon wartete, bis der MÄCHTIGE fortfuhr. Rings um sie funkelte ein Meer aus Abermilliarden von Sternen. Der Kosmos lag ihr zu Füßen; sie schien inmitten von Raum und Zeit frei zu schweben, ohne festen Halt.
    Die Kammer der Macht … Ein Raum hinter der Zeit , wie Merlins Saal des Wissens auf Caermardhin, der unsichtbaren Burg im westlichen Wales… Magisches Wissen aus Jahrtausenden war hier für die Ewigkeit gespeichert. Die Chronik nicht nur der Menschheit, auch der Druiden vom Silbermond und zahllosen anderer, in die kosmischen Geschicke verflochtener Völker…
    »Die Zeit ist reif«, nahm der MÄCHGTIGE den Faden wieder auf, »unseren mächtigsten Widersacher auf dieser Welt mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Du kennst längst noch nicht alle Geheimnisse deines Erzeugers, Sara Moon, aber sein persönlichstes sollst du nun erfahren. Schließe die Augen und laß dich in einen Bereich dieser Burg führen, von deren Existenz du bisher nichts wußtest! Gehorche!«
    Und Sara Moon konnte nicht anders. Mit geschlossenen Augen trat sie einen Schritt nach vorn und vollführte den zeitlosen Sprung der Druiden. Dabei wurde ihr Sprung auf magische Weise von dem MÄCHTIGEN gelenkt.
    Als sie die Augen wieder öffnete, sah sie sich in einen bislang unbekannten Teil von Merlins ehemaliger Stonehenge-Basis versetzt.
    Und dann weiteten sich ihre schockgrünen Augen vor maßloser Überraschung.
    Unmöglich! dachte sie. Völlig absurd… Wie sollte er hierher kommen…?
    Aber mit jedem Schritt, den sie sich ihm näherte, schwanden ihre Zweifel.
    Das war Merlin — ihr Vater, der König der Druiden, den sie im Auftrag der MÄCHTIGEN vernichten sollte!
    ***
    Dumpfes Zwielicht erfüllte das Felsgewölbe. Das harte Gestein sah aus, wie mit Myriaden von Leuchtpigmenten übersät, von denen schwacher, grünlicher Glanz ausging.
    Sara Moons Augen brauchten drei Sekunden, um sich auf die veränderten Lichtverhältnisse einzustellen. Kein Problem hatten sie jedoch mit dem mannsgroßen, rechteckigen Block, der im Zentrum des Gewölbes halbhoch frei über dem Boden schwebte und Ähnlichkeit mit einem überdimensionalen Eisbrocken hatte, dessen Wände glatt geschliffen und durchsichtig waren wie Glas…
    Nein, dachte die entartete Druidin, der Vergleich hinkte. Vielmehr ähnelte das Gebilde einem riesigen Bernsteinblock, in dem ein Lebewesen für alle Zeiten unveränderbar konserviert war!
    Und dieses Wesen hieß - Merlin…?
    Sie konnte es immer noch nicht ganz glauben, obwohl die spezifischen Merkmale der eingeschlossenen Gestalt unverwechselbar waren.
    »Geh ruhig so dicht wie möglich heran. Berühre das Zeitgrab«, meldete sich die Stimme des MÄCHTIGEN in den Tiefen ihrer durcheinanderwirbelnden Gedanken.
    Sara Moon zögerte.
    Sie stand noch zwei, drei Schritte von dem scheinbar schwerelosen Gebilde entfernt. Zeitgrab hatte es der MÄCHTIGE genannt.
    »Wer ist das?« fragte sie mit rauher Stimme.
    Etwas Ähnliches wie Gelächter schwang durch ihr Bewußtsein. Die Druidin ließ sich nicht beirren.
    »Eine Projektion?« fuhr sie fort. »Ein Doppelgänger? Eine Puppe?«
    Der MÄCHTIGE schwieg.
    »Das kann nicht Merlin sein«, behauptete Sara Moon, Ihre Stimme zitterte leicht. »Sicher, er sieht genauso aus, aber das… Wie sollte er hierher kommen? Er hält sich auf Caermardhin auf. Meine Spione haben es mir berichtet. Aber dieses Gebilde sieht aus, als befände es sich seit sehr langer Zeit schon hier unten.«
    Sie hielt inne und ließ den Blick über die in eine weiße Kutte gehüllte Gestalt wandern, die mit geschlossenen Augen regungslos innerhalb des bernsteinartigen Blockes schwamm. Das Gesicht war Merlins Gesicht, jede einzelne Falte seines jahrtausendelangen Daseins stimmte. Und das weiße Haupt- und Barthaar, die magische Ausstrahlung, jedes Detail seiner Kleidung bis hin zur goldenen Sichel an seinem Gürtel, die mehr war als ein bloßes Schmuckstück…
    … all das war Merlin!
    »Berühre das Zeitgrab, und du wirst die Wahrheit erfahren«, raunte der MÄCHTIGE. »Denke an Craahn , denke an den Alten Plan!«
    Craahn - das Äonenprogramm der Schwarzen Magie… Der Alte Plan der MÄCHTIGEN, der ihnen die MACHT auf dieser Welt für immer sichern sollte…
    »Ich kann nicht«, preßte Sara Moon hervor. Alles in ihr wehrte sich dagegen. »Wenn es wirklich mein Vater ist… Ich kann

Weitere Kostenlose Bücher

0068 - Todeswalzer
0068 - Todeswalzer von Friedrich Tenkrat
The Ties That Bind
The Ties That Bind von Jayne Ann Krentz